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Neue Regeln für Plug-in-Hybride: Darum jammern die Autohersteller

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Von: Marcus Efler

Die Umweltprämie fördert auch Autos mit Plug-in-Hybrid-Antrieb, einige nur dank einer absurden Sonderregelung. Die soll bald wegfallen – das hat Auswirkungen.

Berlin – Das „E“ am Ende des Autokennzeichens ist ein besonders begehrter Buchstabe: Ermöglicht es doch in vielen Städten kostenloses Parken und Dienstwagen-Fahrer werden nur mit dem halben Steuersatz belastet. Schließlich ist der Fahrer elektrisch und damit umweltschonend unterwegs. Aber ist er das wirklich? Im Falle der Plug-in-Hybride, die neben reinen Stromern auch zu den Elektroautos gezählt werden, ist das durchaus umstritten. Denn wie oft der Fahrer mit Strom unterwegs ist und ob nicht doch vor allem der klimaschädliche Verbrennungsmotor läuft, lässt sich nicht kontrollieren. (Opel Grandland Hybrid4 im Test: Allradantrieb schaltet früh ab)

Neue Regeln für Plug-in-Hybride: Darum jammern die Autohersteller

Deshalb ist auch die Innovationsprämie („Umweltbonus“) für Plug-in-Hybride (auch PHEV, Plug-in Hybrid Electric Vehicle, genannt) durchaus umstritten. „Millionen Euro an Steuergeldern“ seien sinnlos verschwendet worden, moniert etwa Oliver Krischer, Verkehrsexperte der Grünen: „Der Wandel zu reinen Elektroautos wurde ausgebremst“.

Um für die Prämie berechtigt zu sein, muss das Hybridmodell bislang nur 50 rein elektrische Kilometer schaffen (nach dem aktuellen WLTP-Zyklus), die tatsächliche Reichweite liegt in der Regel ein paar Kilometer darunter. Zum 1. Januar verschärft der Gesetzgeber aber die Regel: Dann müssen mindestens 60 Kilometer drin sein. Trotzdem werden weiterhin manche Autos mit Steuergeldern gefördert, die unter dieser Marke bleiben, etwa der französische DS 4 E-Tense aus dem Stellantis-Konzern. Diese Hybrid-Modelle nutzen eine Lücke im Gesetz: die sogenannte „50-Gramm-Regel“. Bleibt ein Auto bei der Emission von Kohlendioxid auf 100 Kilometer unter diesem Wert, erhält es die Förderung ebenfalls. (Peugeot 308 SW Hybrid 180 im Test: Gelingt der Angriff auf die Golfklasse?)

Neue Regeln für Plug-in-Hybride: Bald 80 Kilometer rein elektrisch

Das Problem dabei: Diese Marke zu unterbieten schaffen nahezu alle Plug-in-Hybride. Und genau deshalb soll dieses Schlupfloch in der Größe eines Scheunentores geschlossen werden. Ab Oktober 2022 gibt’s das Geld daher nur noch, wenn das PHEV tatsächlich 60 Kilometer elektrische Reichweite bietet. Ab 2024 soll die Grenze dann sogar auf 80 Kilometer angehoben werden.

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Die meisten Verbände, etwa auch der ADAC, begrüßen die Verschärfung. Die Autohersteller sind dagegen gar nicht glücklich. „Der geplante Wegfall des CO2-Kriteriums wird den Hochlauf der Elektromobilität kurzfristig bis mittelfristig ausbremsen“, beklagt etwa der Verband der Automobilindustrie (VDA): „Eine Vielzahl bisher förderfähiger Plug-in-Hybride wird für Kunden weniger attraktiv.“ Kurz gesagt: Modelle, die auch nur wenige Kilometer unter der 60er-Marke bleiben, lassen sich dann nicht mehr verkaufen. (Österreicher statten Tesla mit Verbrenner aus – und das soll der Umwelt helfen)

VW Golf GTE, fahrend
Reichweiten-Vorbild: Der Hybrid-VW Golf GTE schafft 70 elektrische Kilometer. © VW

Neue Regeln für Plug-in-Hybride: Ausnahme für CO2-Wert fällt weg

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Beispiel VW: Die Wolfsburger bieten eine breite Palette an Plug-in-Hybriden an, die alle unter 50 Gramm CO2-Emission bleiben. Die 60 Kilometer schaffen aber etwa die Hybrid-SUVs Tiguan und Touareg noch nicht, eine neue Akku-Generation ist erst für 2023 in Arbeit. „Dann würde es durchaus ein paar Monate geben, in denen manche Modelle nicht förderfähig sind“, prophezeit ein VW-Mitarbeiter. Diese würde der Kunde dann dankend ablehnen.

Vergleichbare Probleme haben fast alle Autohersteller. „Da richtet man sich auf eine gesetzliche Vorgabe ein und ruckzuck wird sie geändert“, kritisiert der VW-Mitarbeiter, „wie sollen wir da technisch hinterherkommen?“. Ändern wird das aber wohl nicht viel.

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