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VW ID.4 in China: Elektro-SUV sorgt für Ernüchterung in Wolfsburg

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Von: Marcus Efler

Mit dem VW ID.4 und VW ID.6 will sich Volkswagen in China als Elektromarke etablieren. Der holprige Start gefährdet die Pläne von VW-Boss Herbert Diess.

Wolfsburg – Volkswagen und China, das ist eine lange und fruchtbare Erfolgsstory. Seit den 1980er-Jahren engagieren sich die Wolfsburger im Reich der Mitte, gründen (rechtlich dort notwendige) Joint Ventures mit heimischen Partnern, ziehen Werke hoch – und treffen mit ihren verlängerten Modellen von VW, Audi und Škoda den Geschmack der Kunden. So sind Audi-Limousinen bei den Funktionären der Kommunistischen Partei beliebt, SUV aus Wolfsburg und Ingolstadt gelten als Statussymbol wohlhabender Städter. Jetta hat es gar zu einer eigenen Marke gebracht. Mit gut 40 Prozent Anteil ist China heute der wichtigste Absatzmarkt für Volkswagen, allein im Juni lieferte der Konzern dort 856.300 Autos, Lkw und Busse aus. Ohne „unseren zweiten Heimatmarkt“, wie VW-Manager China gern bezeichnen, wäre VW bei Weitem nicht die Nummer eins in Europa und (zeitweise) der Welt. (VW ID.Buzz: Volkswagens Elektro-Bus startet 2022 – mit mehreren Varianten)

VW ID.4 in China: Elektro-SUV sorgt für Ernüchterung in Wolfsburg

Doch jetzt scheint sich der Wind zu drehen. Und das ausgerechnet auf dem so wichtigen Feld der Elektromobilität. Denn der ID.4 (hier geht’s zum Fahrbericht des ID.4 GTX), das Akku-getriebenen Kompakt-SUV auf Basis des konzernübergreifenden Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB), fährt in China den Erwartungen hinterher. Nur etwa 6.200 Stück verkauften chinesische Händler bis Juni, einige 1.000 weniger als wichtige einheimische E-Marken wie Nio und Xpeng. Mega-Gegner Tesla setzte im gleichen Zeitraum sogar das Zehnfache ab. Auch der speziell für China konzipierte ID.6 war mit 500 Verkäufen in seinem ersten Monat, dem Juni, keine große Hilfe. (Autoexperte übt scharfe Kritik am VW ID.4: „Keine gute Ingenieursarbeit“)

VW ID.4, stehend
In China hinter den Erwartungen: der VW ID.4 © Volkswagen

VW ID.4 in China: Zu lahm und wenig Hightech?

Woran liegt’s? Offenbar bietet der recht konventionelle VW ID.4 den Chinesen nicht genug Hightech-Feeling. In den sozialen Medien mehren sich die Meckereien über Performance und technische Ausstattung. Er hat dort den Ruf eines „Opa-Autos“ weg, das beispielsweise schlechter beschleunigt als andere E-SUV und weniger Emotionen auslöst. Das lahme Image kann auch daran liegen, dass in den Showrooms der Händler das Basismodell mit eher bescheidenen 148 PS und wenig Ausstattung steht – während die Konkurrenz ein paar Meter weiter mit weit stärkeren Topmodellen protzt. (Elektroautos: Sofort wieder volle Akkus – Konzept aus China kommt nach Europa)

VW ID.4 in China: Intern spricht man von „Desaster“

In der Konzernzentrale zeigt man sich dementsprechend irritiert. Auch wenn es offiziell natürlich heißt, der Absatz entspreche den Planungen, geht es intern offenbar zur Sache. Manager sollen die Situation als „Desaster“ bezeichnen, berichtet die Frankfurter Allgemeine, die Zahlen hätten „im Haus einen Schock ausgelöst“. In der Kritik steht offenbar auch die Provisionierung chinesischer Händler, die den Abverkauf älterer Benzinmodell attraktiv macht. (Kein Witz: Elektrischer Arcfox möchte diese deutschen Premium-Marken angreifen)

Zwei VW ID.6, stehend
Exklusiv für China: der VW ID.6 © Volkswagen

VW ID.4 in China: Stolperstein auf dem Weg zur Nummer eins

Für Volkswagen-Chef Herbert Diess ist der vermurkste Elektrostart in dem wichtigen Land ein Warnsignal. In seiner Strategie, Tesla als Nummer eins bei E-Modellen abzulösen, spielt China selbstverständlich eine Schlüsselrolle. Doch dort gilt mehr und mehr Nio als „asiatischer Tesla“. Das könnte auch für Europa, wo Nio gerade startet, künftig ganz neue, bislang ungeahnte Herausforderungen bedeuten.

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