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VW-Boss Herbert Diess: „Autofahren für einen Euro“ – geht das wirklich?

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Von: Marcus Efler

VW-Chef Herbert Diess hofft auf stark fallende Stromkosten – die Fahrt im E-Auto soll richtig preiswert werden. Das neue Volkswagen-Abo-Modell ist dagegen kein Schnäppchen.

Wolfsburg – Volkswagen-Chef Herbert Diess (62) sieht die Zukunft der elektrischen Mobilität überaus optimistisch. So glaubt er, im Gegensatz zu vielen Experten aus der Autobranche und auch einigen Politikern, dass der Umstieg vom Verbrennungsmotor auf Stromer kaum Arbeitsplätze in Deutschland kosten wird. Und jetzt hat der VW-Boss, der genauso wie Tesla-Chef Elon Musk (50) auf Akku-Fahrzeuge setzt, eine weitere frohe Botschaft: Autofahren mit Strom werde künftig nicht nur sauber, sondern auch richtig billig. (VW-Boss Herbert Diess kritisiert Ladenetz – interner Zoff garantiert)

„Strom wird nicht immer teurer, Strom wird auf längere Sicht günstiger“, sagte Diess in einem Interview mit der WirtschaftsWoche: „Schon heute kosten Windstrom oder Solarstrom aus Deutschland in der Erzeugung etwa fünf Cent pro Kilowattstunde. Damit würde ich im Elektroauto hundert Kilometer für etwa einen Euro fahren“. (Elektroauto: Stromkosten viel niedriger als Benzinkosten – so viel kann man sparen)

VW-Boss Herbert Diess: „Autofahren für einen Euro“ – geht das wirklich?

Das ist so weit richtig: Bei einem Verbrauch von 20 kWh auf 100 Kilometer käme unterm Strich tatsächlich dieser Preiskracher zustande. Allerdings kostet Strom heute eher 20 Cent pro kWh, und an öffentlichen Ladestationen werden in der Regel noch viel höhere Preise aufgerufen – selbst Tesla, dessen Supercharger den Kunden früher sogar mal gratis zur Verfügung standen, dreht kräftig an der Kostenschraube. Doch Diess spricht bewusst nur von den Kosten für die Erzeugung des Stroms, „wenn ich die EEG-Umlage und Verteilungskosten ausklammere.“

VW Vorstandschef Herbert Diess auf einem Balkon über dem VW-Werk (Symbolbild)
Hofft auf sinkende Strompreis: VW-Chef Herbert Diess (Symbolbild) © Carsten Koall/dpa

EEG steht für Erneuerbare-Energien-Gesetz, mit der Umlage finanzieren alle Stromkunden den Umstieg auf klimaneutrale Stromerzeugung. Überhaupt kassiert der Staat beim Strom, egal ob für Haushalt oder Auto, kräftig mit. Er gehört damit zu den Preistreibern bei der Energie aus der Steckdose, die derzeit eher immer teurer als preiswerter wird. Deutschland gilt dabei als das Land mit den höchsten Strompreisen in Europa. Den Kostenanstieg hält Herbert Diess aber für eine vorübergehende Entwicklung. Wenn erst mal grüner Strom die Regel sei, werde der Preis auch wieder fallen. (E-Autos: Teure Wartung – darum machen Stromer in der Werkstatt Ärger)

VW-Boss Herbert Diess prophezeit billiges E-Auto-Fahren – und bringt teures Auto-Abo

Ob und wann man tatsächlich für einen Euro 100 Kilometer weit fahren kann, ist aber ziemlich unsicher. Immerhin bemüht sich VW, die Kosten für Elektroautos schon jetzt kalkulierbar zu halten: So startet die Automarke Ende des Jahres ein Abo-Modell, wie es manche Konkurrenten schon bieten. Für einen monatlichen Fixpreis sind dann bei den Elektromodellen ID.3 und ID.4 sämtliche Kosten (außer Strom) inbegriffen – also neben der Nutzungsgebühr für das Auto auch Zulassung, Hauptuntersuchung, Wartung, Inspektionen, Versicherungen und Steuern.

VW ID.3, fahrend
Künftig im Abo: der VW ID.3 © Ingo Barenschee/VW

Mit mindestens 499 Euro pro Monat ist dieses Angebot allerdings kein Preiskracher – auf Leasing-Vergleichsportalen tauchen die Stromer auch schon mal für unter 100 Euro im Monat auf. Und den Strom muss der Fahrer schließlich ohnehin selbst bezahlen. Und zwar deutlich mehr als die genannten fünf Cent pro Kilowattstunde.

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