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VW-Boss Herbert Diess ungewöhnlich selbstkritisch: „Da sind wir wirklich Anfänger“

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Von: Sebastian Oppenheimer

In einem YouTube-Video räumt VW-Chef Herbert Diess Schwächen bei seinem Autokonzern ein – und holt sich Tipps von Microsoft-CEO Satya Nadella.

Wolfsburg – Über lange Zeit gestand man im Volkswagen-Konzern Schwächen nur ungern ein – möglicherweise einer der Gründe, die schließlich zum Dieselskandal führten. Wenn mal Probleme ans Licht kamen, dann zumeist unfreiwillig, wie beispielsweise in dem legendären YouTube-Video, in dem der damalige VW-Chef Martin Winterkorn (73) auf der IAA 2011 neidvoll einen Hyundai i30 unter die Lupe nimmt (Ex-VW-Chef Winterkorn: „Da scheppert nix“ – das legendäre Video vom Messerundgang). Der aktuelle Volkswagen-Lenker Herbert Diess (61) ist dagegen allem Anschein nach bemüht, dies zu ändern. In einem YouTube-Video bekennt sich der Top-Manager nun zu Schwächen und holt sich Tipps von Microsoft-Chef Satya Nadella (53).

VW-Chef Herbert Diess übt Selbstkritik: „Da sind wir wirklich Anfänger“

Wie es scheint, kämpft VW-Chef Herbert Diess mit internen Widerständen gegen Veränderung – zumindest könnte man seine Fragen an den Microsoft-Chef so interpretieren. Letzterer musste selbst grundlegende Veränderungen durchboxen. „Welche Hebel hast du in Bewegung gesetzt? Da wird es sicher Widerstand gegeben haben, nicht jeder wird sich dir angeschlossen haben“, will Herbert Diess wissen. Satya Nadella erklärt, dass die Menschen zwar gerne von Veränderung reden würden, aber sich selbst nicht verändern wollten: „Wir wollen, dass die andere Person sich verändert. Das ist die menschliche Natur.“ Seiner Ansicht nach zeichneten sich gute Führungskräfte dadurch aus, dass sie Klarheit in unsichere Situationen brächten. Außerdem müssten sie in einer immer eingeschränkteren Welt Wege zum Erfolg aufzeigen können. (Hier fahren Herbert Diess und Elon Musk den neuen VW ID.3: „Keine Renn-Maschine“)

VW-Chef Herbert Diess: „Wir sind viel zu langsam“

„Wenn ich dir so zuhöre, scheint es so, als ob es dir wirklich leichtgefallen ist, diese Veränderungen herbeizuführen“, erklärt Herbert Diess. Von sich wolle er nicht behaupten, dass es ihm schwerfalle, diese Veränderungen herbeizuführen – aber: „Wir sind viel zu langsam.“ Auch wenn man Fortschritte mache. Und der VW-Chef gesteht noch mehr Schwächen ein: „Wir beschäftigen uns mit Software und Computern, da sind wir wirklich Anfänger.“ Bisher würde man viel mit externen Anbietern zusammenarbeiten, alles sei sehr fragmentiert. „Wir müssen uns dramatisch verändern“, stellt Herbert Diess klar. Hin zu einem Unternehmen, das völlig anders funktioniere. „Es wird wahrscheinlich fünf bis zehn Jahre dauern, bis es so weit ist.“ (VW ID.3: Software total unausgereift – diese 22 Fehler nerven richtig)

VW-Chef Herbert Diess: „... wären nicht in der Lage, das Spiel zu kontrollieren“

Und dann gibt der VW-Chef noch einen kleinen Ausblick im Bezug auf Google-Produkte. „So wie ich dich verstehe, würdest du uns also nicht empfehlen, uns mit Google zusammenzuschließen, um Android Auto ins Fahrzeug zu integrieren und uns dann auf ausgezeichnete Dienstleistungen zu verlassen“, sagt Herbert Diess. „Das wäre vermutlich das, was einige Leute hier im Raum in Betracht ziehen würden. Denn wir wären wahrscheinlich sehr schnell dadurch.“ Wahrscheinlich würde man aus Kundenperspektive auch exzellente Dienste anbieten, „aber wir würden auch sehr abhängig werden und wären nicht in der Lage, das Spiel zu kontrollieren.“

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