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VW-Boss Herbert Diess warnt nachdrücklich: Chipmangel „werden wir spüren“

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Von: Christian Schulz

Der Chipmangel trifft Autobauer auf der ganzen Welt: Auch Volkswagen muss sich strecken, um nicht weitere Produktionseinbußen zu riskieren. VW-Chef Herbert Diess warnt unmissverständlich.

Wolfsburg – Der erhebliche Mangel an Elektronik-Chips mit wichtigen Halbleitern dürfte die gesamte Autoindustrie nach Einschätzung von VW-Chef Herbert Diess noch eine ganze Weile beschäftigen. Mikroprozessoren sind derzeit ein knappes und daher äußerst umkämpftes Gut – insbesondere bei den Autoherstellern. Egal ob Volkswagen, Audi oder Ford – bei zahlreichen Autobauern fallen aufgrund von Chipmangel Schichten aus. Entweder weil die begehrten Chips einfach nicht aufzutreiben sind – oder verspätet in der Produktion eintreffen.

Der ausbleibende Nachschub belastet die Autoindustrie zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Schließlich steckt sie mitten in einer umfassenden Transformation hin zur Elektromobilität und hat in der Corona-Krise erhebliche Umsatzverluste hinnehmen müssen. Jetzt wo die Nachfrage nach Autos wieder anzieht, fehlen die Chips – viel zu oft stehen die Bänder still. Für manche Rohstoffe sei die Lage wegen erhöhter Preise und Lieferengpässen ebenfalls angespannt, so der Top-Manager. Insgesamt habe sich die konjunkturelle Entwicklung in vielen Ländern nach dem Corona-Tief im Jahr 2020 jedoch wieder erholt – laut den Quartalszahlen auch bei Volkswagen. Trotzdem warnt Herbert Diess. (Chipmangel lähmt Autoindustrie: Deshalb fehlen wichtige Halbleiter-Bauteile)

Herbert Diess, VW-Konzernchef, steht am Montageband für die Produktion des Elektroautos VW ID.3.
Weitere Produktions-Stopps drohen: Der Mangel an Elektronik-Chips wird die Autoindustrie spürbar belasten, warnt VW-Boss Herbert Diess. © Jens Büttner/dpa

VW-Boss Herbert Diess: Chipmangel wird Volkswagen-Werke beschäftigen – „Das werden wir spüren“

„Die größten Risiken sehen wir bei den Halbleitern“, erklärte Diess. „Es gibt eine grundsätzliche Knappheit bei Chips, die wir wegen der vielen vernetzten Geräte in den Fahrzeugen brauchen. Das wird unsere Volkswagen-Werke auch in den nächsten Monaten, wenn nicht Jahren, weiter beschäftigen.“ Zuletzt seien Probleme durch das Feuer beim japanischen Produzenten Renesas und den Schneesturm in Texas hinzugekommen. „Da sind mehrere Halbleiterfabriken für mehrere Wochen ausgefallen“, sagte der VW-Konzernchef. „Das werden wir spüren.“ (Chipmangel lähmt Autoindustrie – werden die Lieferzeiten jetzt noch länger?)

Nicht einfach sei derzeit zudem der Rohstoffeinkauf: „Bei vielen Materialien - Stahl zum Beispiel, aber auch bei Edelmetallen etwa für den Katalysator - merken wir Preisanstiege.“ Verglichen mit der Situation, in der man wegen ausbleibender Teile „ein ganzes Auto mit seinem Deckungsbeitrag“ verliere, wiege dies aber weniger schwer. VW sichere sich überdies gegen allzu starke Kurzfrist-Schwankungen ab. (Tachonadel statt Digitalanzeige im Auto – darum kommt das Analog-Cockpit zurück)

Besonders im zweiten Quartal 2020 waren Produktion und Verkäufe der Autobranche weltweit abgesackt. Werke mussten zeitweilig schließen, viele Verbraucher scheuten die Ausgaben für ein neues Auto. Es laufe inzwischen deutlich besser, meinte Diess. „Aber Corona ist für uns alles andere als vorbei. Wir müssen natürlich mit Covid-19 weiter umgehen.“ Vielerorts habe man die Situation nun im Griff - „auch in Südamerika und Tschechien, wo wir große Corona-Wellen hatten“, so der VW-Chef. „Aber es gibt auch in einigen Regionen Europas viele Händler, die noch geschlossen sind. Mit den Impfungen gehen wir davon aus, dass sich die Situation ab dem Sommer deutlich entspannen wird.“ (Kommt das Verbrenner-Verbot? Mehrheit der Deutschen lehnt Grünen-Forderung ab)

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen-AG
Der Corona-Einbruch trifft die globalen Lieferketten, Halbleiterfabriken fallen aus. „Das werden wir spüren“, glaubt Diess. © Sebastian Willnow/dpa

VW-Boss Herbert Diess: Klimaziele nachgeschärft – „Umsätze werden mit Software erzielt werden“

Der Konzern will mit Hilfe des weiteren Hochlaufs der E-Mobilität seinen CO2-Ausstoß drücken, für spätestens 2050 wird Klimaneutralität angepeilt. Die Kernmarke VW Pkw schärfte jüngst ihre Zwischenziele bis 2030 nach, auch Standorte sollen ihre Emissionen stärker senken. (Deutsche Autoindustrie fürchtet Verbrenner-Aus 2025: „Arbeitslosigkeit, wie wir sie noch nie gehabt haben“)

Zum angepassten Ziel der Bundesregierung, Deutschland solle möglichst schon 2045 bilanziell CO2-neutral sein, meinte Diess: „Das bringt positive Dynamik in den Klimaschutz. Wir sind für diese Entwicklung nach wie vor gut vorbereitet. Wir haben sehr große Vorleistungen getroffen, haben stark in Elektrifizierung, die Umstellung unserer Werke und neue Technologien zur CO2-Reduzierung investiert.“ Entschlossener Klimaschutz in allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft sei der einzig gangbare Weg. (VW Power Day: Volkswagen kopiert Tesla – sogar die Fabriken heißen wie bei Elon Musk)

Der VW-Chef stimmt sich in Klimafragen mit weiteren Top-Managern und Verbänden in Europa ab. Neben der Erweiterung des Angebots an E- und Hybridautos plant der Konzern mit „Trinity“ und „Artemis“ bis zur Mitte des Jahrzehnts zusätzliche Großprojekte für neu konzipierte Modelle. „Wir konzentrieren uns jetzt im Umbruch der Autobranche schon sehr viel stärker auf die zweite Hälfte des Jahrzehnts, auf autonomes Fahren und auf Software“, erklärte Diess. „Ein großer Teil der Umsätze wird jenseits von 2030 mit Software erzielt werden.“ (Mit Material der dpa)

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