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Auch VW verkündet Aus für Verbrenner: Bald ist endgültig Schluss

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Von: Christian Schulz

Volkswagen bereitet den endgültigen Abschied vom Verbrennungsmotor vor. Das macht Vertriebsvorstand Klaus Zellmer mehr als deutlich – und nennt auch einen Zeitpunkt.

Wolfsburg – Dass die Europäische Union vor einer weiteren Verschärfung ihrer Klimaziele steht, hat auch erhebliche Auswirkungen auf Deutschlands größten Automobilkonzern Volkswagen. Nach neuen Überlegungen der EU sollen die CO2-Emissionen in der Staatengemeinschaft bis zum Jahr 2030 um 60 Prozent reduziert werden – statt, wie bislang vorgesehen, um 55 Prozent. Bis 2035 könnte der Grenzwert sogar auf null sinken. Das entspräche faktisch einem Verbot des Verbrennungsmotors. (Striktes Verbrenner-Verbot? Mehrheit der Deutschen lehnt Grünen-Forderung ab)

Der Grund für die Verschärfung: Mit den bisherigen Grenzwerten wird es unmöglich sein, die 2015 von der internationalen Klimakonferenz formulierten Pariser Klimaziele zu erreichen. Die weltweite Vereinbarung sieht vor, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken – das geht aber nur mit harten Einschnitten. Auch die Transformation der Autoindustrie muss daher schneller voranschreiten. VW und sein Vorstandsvorsitzender Herbert Diess haben davon ganz klare Vorstellungen – und wollen sich vom Verbrenner verabschieden. (Deutsche Autoindustrie befürchtet Verbrenner-Aus 2025: „Arbeitslosigkeit, wie wir sie noch nie gehabt haben“)

Ein VW-Mitarbeiter entfernt eine Schutzfolie vom Volkswagen-Logo eines VW-ID.3-Elektroautos.
E-Offensive: Auch Volkswagens VW-Kernmarke will sich schon bald vom Verbrennungsmotor verabschieden. © Jens Büttner/dpa

Auch Volkswagen verkündet Verbrenner-Aus: Bald ist endgültig Schluss

Laut VW-Vertriebschef Klaus Zellmer sei Volkswagen auf eine Verschärfung der Gesetzeslage, die in Deutschland möglicherweise über die EU-Vorgaben hinausgehen könnte, vorbereitet. Bis zum Jahr 2030 wolle der Wolfsburger Autobauer den Anteil Batterie-elektrischer Fahrzeuge (= Elektroautos) an seinem europäischen Gesamtabsatz auf bis zu 70 Prozent erhöhen. Das wären zehn Prozent mehr, als der Gesetzgeber dann mutmaßlich vorschreibt. Allerdings werde es auch Märkte geben, in denen bereits früher nur noch E-Autos erlaubt sein dürften – beispielsweise in den skandinavischen Ländern. Andererseits weist Zellner darauf hin, dass es ebenso Märkte gebe, in denen vollelektrische Pkw ökologisch nur wenig Sinn ergäben – weil Strom dort auch längerfristig vor allem aus Kohle gewonnen werde. Daher plädiert er hinsichtlich Verbrennern und Elektrofahrzeugen für einen „gewissen Spielraum“. (Toyota-Bosse überraschen mit Absage: Keine Zukunft für E-Mobilität?)

Nichtsdestotrotz wolle auch VW schon bald weg vom Verbrennungsmotor. Im Gegensatz zur Konzernschwester Audi, die bereits ab 2026 nur noch Stromer neu auf den Markt bringen und 2033 die letzten Verbrenner vom Band rollen lassen will, möchten die Wolfsburger mit dem Verbrenner-Ruhestand noch etwas warten. In Europa wolle Volkswagen bis 2035 vollständig aus dem Geschäft mit Benzinern und Dieseln aussteigen. Anschließend sollen die wichtigen Absatzmärkte USA und China folgen. Lediglich in Südamerika und Afrika werde es aufgrund völlig anderer Rahmenbedingungen „noch ein gutes Stück länger“ dauern. Bis zum Jahr 2050 soll allerdings die gesamte VW-Flotte klimaneutral unterwegs sein. (Anti-VW-Protest: Greenpeace-Aktivist stürzt in Stadion – Scharfschützen einsatzbereit?)

Klaus Zellmer, der VW-Vorstand für Marketing und Vertrieb, steht vor einem Volkswagen-Modell.
Klaus Zellmer ist seit 2020 VW-Vorstand für Marketing und Vertrieb. Davor arbeitete er 23 Jahre für Konzerntochter Porsche. © Bernhard Huber/VW

Volkswagen verkündet Verbrenner-Aus: Werden Benziner und Diesel optimiert?

Wie Klaus Zellmer im Interview mit dem Münchner Merkur* erklärt, müsse Volkswagen sich als globaler Volumenhersteller an unterschiedliche Geschwindigkeiten der unausweichlichen Transformation in verschiedenen Weltregionen anpassen. Wettbewerber, die vor allem in Europa verkauften, hätten den Vorteil, deutlich weniger Komplexität meistern zu müssen. VW sei fest entschlossen, seine ambitionierte E-Offensive mit Null-Emissions-Kampagnen wie „Way to Zero“ voranzutreiben – wolle dabei aber seine Kunden mitnehmen und sich an vor Ort gegebenen Voraussetzungen orientieren. (Herbert Diess als Tesla-Boss: Wollte Elon Musk dem VW-Chef die komplette Leitung übergeben?)

Der VW-Vertriebschef betont, dass die Verbrenner-Technologie daher noch viele Jahre benötigt werde. Unabhängig von ökologischen und politischen Überlegungen in Europa. Aus diesem Grund werde Volkswagen auch in Zukunft in die Optimierung von Benzin- und Dieselantrieben investieren. Wobei dies bei Letzterem hinsichtlich der Einführung der Euro-7-Abgasnorm eine besondere Herausforderung darstelle. Trotzdem gebe es Anforderungen und Gegebenheiten, bei denen gerade diese Fahrzeuge noch immer stark nachgefragt würden – meistens von Unternehmen und Vielfahrern. (Neue Anklage im VW-Dieselskandal: Hat Ex-Boss Martin Winterkorn alle belogen?)

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