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Volkswagen-Insider bestätigt: Ende beim VW Passat – auch diese Baureihe ist unsicher

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Von: Christian Schulz

Nach fast 50 Jahren stehen beim VW Passat einschneidende Änderungen bevor – dies bestätigt ein Volkswagen-Insider. Auch eine andere Baureihe stehe auf der Kippe. Neues Elektroauto soll Kunden abholen.

Wolfsburg – Volkswagen gestaltet seine Modellpalette weiterhin in Richtung Elektromobilität um. Im Zuge dessen hat sich der Konzern zu einer Neuwagenflotte ohne CO2-Emissionen ab 2040 bekannt. Bereits 2030 soll jeder zweite Neuwagen ein Elektroauto sein. VW-Boss Herbert Diess bezeichnet diese Entwicklung als alternativlos – und bemüht sich, sie voranzutreiben. So blies Herbert Diess jüngst zum Angriff auf Tesla und Elon Musk – auch wenn er sich mitten in einem heftigen Machtkampf mit dem Betriebsrat befindet, was die Transformation des Konzerns betrifft.

Die Front eines auf der Landstraße fahrenden VW Passat

Der legendäre VW Passat: Als Limousine wird er verschwinden – vom Variant wird es noch eine neue Generation geben. © Volkswagen

Volkswagen-Insider bestätigt: Ende beim VW Passat – das sind die Gründe

Als Teil des Wandels weg vom Verbrennungsmotor und hin zu alternativen Antriebsarten will Volkswagen seine vollelektrische ID-Familie zukünftig um einen günstigen Kleinwagen erweitern. Das Fahrzeug soll unterhalb des VW ID.3 angesiedelt sein und in der Basisversion um die 20.000 Euro kosten. Der Klein-ID soll in etwa die Größe eines VW Polo haben und 2023 kommen. Da das Vorhaben innerhalb des Konzerns hohe Priorität genießt, wurde es zeitlich vorgezogen.

Ein möglicher VW ID.2 würde das E-Auto-Portfolio nach unten erweitern. Auf den VW ID.3 folgt im Jahr 2021 zunächst das Kompakt-SUV VW ID.4. Danach setzen der VW ID.5 – ein Crossover aus SUV und Limousine mit bis zu 470 Kilometern Reichweite – und der größere VW ID.6 die Serie fort. Im Jahr 2023 kommt der Kombi VW Aero B hinzu, der bis zu 700 Kilometer weit fahren soll. (Freche Kopie des VW ID.3 aus China: Der Didi D1 sieht aus wie das Original)

Das Interesse an reinen Elektroautos ist durch die im Sommer erweiterten Kaufprämien weiter gewachsen. Der letzte Autogipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zudem beschlossen, die staatliche Absatzförderung für E-Autos bis Ende 2025 zu verlängern – für das gleiche Jahr befürchtet die deutsche Autoindustrie bereits das Ende des Verbrennungsmotors. Auch aus diesem Grund muss Volkswagen in die Offensive.

In seiner aktuellen Investitionsplanung kündigt der VW-Konzern allein für die kommenden fünf Jahre Ausgaben von 150 Milliarden Euro an. Fast die Hälfte davon soll in E-Mobilität und Digitales fließen. Unter anderem soll auch ein E-Oberklassemodell entstehen. Es handelt sich dabei um den vielzitierten „Tesla-Fighter“, mit dem der Mutterkonzern unter dem Dach der Marke Audi das US-Unternehmen Tesla von Elon Musk angreifen will. (Hier fahren Herbert Diess und Elon Musk den neuen VW ID.3: „Keine Renn-Maschine“)

VW-Chef Herbert Diess (links) und Tesla-CEO Elon Musk (rechts)

VW-Chef Herbert Diess (l.) und Tesla-CEO Elon Musk (r.) liefern sich ein ungleiches Duell um die Vorherrschaft auf dem Automarkt der Zukunft. © picture alliance/dpa/Volkswagen AG

Volkswagen-Insider bestätigt: Ende beim VW Passat – schuld sind SUV und Elektroautos

Nun lässt ein Bericht des Magazins „Automotive News“ aufhorchen: Wie es heißt, wolle Volkswagen den VW Passat in Europa beerdigen – zumindest als Limousine. Auch das Modell für den nordamerikanischen Markt, das in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee hergestellt wird, stehe vor dem Aus. Beide Passat-Versionen würden wohl nach 2023 verschwinden.

Zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer für Fans des VW Passat gibt es noch: Denn Volkswagens ebenso legendäre wie erfolgreiche Mittelklasse soll nicht komplett sterben – vorerst. Denn vom Kombi VW Passat Variant wird es eine Nachfolge-Generation (B9) geben. Der neue Variant für Europa sei auch schon so gut wie fertig entwickelt. (VW-Boss Herbert Diess ungewöhnlich selbstkritisch: „Da sind wir wirklich Anfänger“)

Branchenkenner gehen davon aus, dass der VW-Konzern mit diesem Schritt ebenfalls eine „Kannibalisierung“ zwischen VW Passat und Škoda Superb eindämmen möchte. Vom Škoda ist bekannt, dass er aufgrund des größeren Platzangebots und des günstigeren Preises den Passat einiges an Kundschaft kostet. Der größte Feind des VW Passat ist allerdings nicht der Škoda Superb – es sind die immer weiter steigende Popularität von SUV und der gleichzeitige Fokus Volkswagens auf den zügigen Ausbau seiner Elektrosparte. (VW-Elektroauto-Paradies auf griechischer Insel – wieso nicht bei uns?)

VW-Pkw-Chef Ralf Brandstätter steht vor einem Prototypen des elektrischen VW Aero B.

Der Chef der VW-Pkw-Sparte Ralf Brandstätter zeigt sich mit einem seriennahen Prototypen des elektrischen VW Aero B. © Volkswagen

Volkswagen-Insider bestätigt: Ende beim VW Passat – kontinuierlich zurückgehende Absatzanteile

Eine mit den Planungen des VW-Konzerns vertraute Person bestätigt jetzt gegenüber 24auto.de, dass die VW Passat Limousine in Europa auslaufen wird. Das aktuelle Facelift der Baureihe B8 ist also das letzte verfügbare Modell. Und nicht nur das: Als weiteres Opfer von Herbert Diess‘ Strategie stehe auch der VW Arteon auf der Kippe, der unter diesem Namen seit 2017 produziert wird, gerade erst ein Facelift und noch dazu eine neue Modellvariante („Shooting Brake“) bekommen hat. Auch der im Vergleich zum Passat elegantere Mittelklassewagen könnte nach der aktuellen Generation eingemottet werden – sowohl das viertürige Coupé als eben auch der Shooting Brake. Letzterer würde dann nicht mal mehr ein Facelift erhalten. (VW-Boss Herbert Diess im Golf 8 GTI – Kritik im Netz: „Aus der Zeit gefallen“)

Gründe sind die kontinuierlich zurückgehenden Absatzanteile der sehr klassischen Limousinen-Bauform, so der Insider. Dieser Umstand macht angesichts des enormen Kostendrucks eine Neuentwicklung in diesem Bereich unwirtschaftlich. Da der nächste VW Passat Variant dem VW Arteon Shooting Brake sehr ähnlich werden wird, ist Volkswagen also regelrecht dazu gezwungen, den Arteon auf den Prüfstand zu stellen – obwohl der Shooting Brake erst seit November 2020 verkauft wird. Diesbezüglich denkt VW, dass insbesondere der kommende Elektro-Kombi VW Aero B viele Kunden abholen wird, die bisher zu Passat oder Arteon gegriffen haben.

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