Ein alter Bekannter

Volkswagen: Wolfsburg zeigt Interesse an der Übernahme eines strauchelnden Riesen

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Die Corona-Krisen hat viele Unternehmenssparten in die Bredouille gebracht. Ein dem Volkswagen-Konzern nur zu gut bekanntes Unternehmen war aber auch schon vor der Pandemie im Krisenmodus. Jetzt denkt man in Wolfsburg wohl darüber nach, sich den sterbenden Riesen erneut einzuverleiben.

  • Der französische Autovermieter Europcar gehörte schon einmal zum VW-Konzern
  • Der Börsenwert des Unternehmens nahm in den letzten Jahren rapide ab
  • Ein Rückkauf zum Schnäppchenpreis macht für Volkswagen durchaus Sinn – einige Synergieeffekte kämen für VW wie gerufen

Wolfsburg – Der Autobauer Volkswagen wirft Insidern zufolge ein Auge auf den mit der Wirtschaftsflaute ringenden Autovermieter Europcar. Die Wolfsburger erwägten eine Offerte für die Franzosen, wenngleich die Überlegungen noch in einem sehr frühen Stadium seien, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Erst 2006 verkaufte Volkswagen den Autovermieter an den französischen Finanzinvestor Eurazeo, der sich die Übernahme mitsamt aller Schulden von Europcar mehr als 3 Milliarden Euro kosten ließ. In den letzten Jahren fiel der Börsenwert der „Europcar Mobility Group" jedoch rapide. An der Börse ist das Unternehmen aktuell nur noch rund 390 Millionen Euro wert. 2017 waren es noch rund 2,2 Milliarden Euro gewesen. Ein Rückkauf wäre ein aktuell also nahezu ein Schnäppchen für Volkswagen. (Volkswagen: Arteon-Facelift: Neue Karosserievariante und Plug-in-Hybrid)

Zuletzt hatten ausbleibende Buchungen den amerikanischen Anbieter Hertz in die Insolvenz getrieben und auch Sixt aus Oberbayern durchlebt gerade das schlechteste Quartal seiner Geschichte. Europcar wurde in der Corona-Krise vom französischen Staat über Wasser gehalten. Nichtsdestotrotz beschleunigt man beim Autovermieter die schon länger laufende Suche nach einem Investor. Volkswagen ist Insidern zufolge wohl schon in Übernahmegesprächen mit Europcar. Volkswagen habe sich an das Unternehmen gewandt, um das Interesse zu bekunden und der üblichen Sorgfaltspflicht („Due Diligence“) nachzukommen. Wie aus der Branche verlautet, will Volkswagen vor einem Kauf die Bücher des Autovermieters einsehen. (Volkswagen: Wolfsburg strafft die Modellpalette: Welche Baureihen streicht VW?)

Volkswagen
SitzWolfsburg
Gründung1937
ChefHerbert Diess
Bekannte ModellePolo, Golf, Passat, Tiguan
Verkaufte Fahrzeuge 20196,278 Millionen

Doch das Unternehmen aus Paris hat wohl auch Alternativen. Angeblich soll neben VW auch der Finanzinvestor Apollo Global Management aus New York Interesse haben. Europcar ist indes hoch verschuldet. Die Nettoverschuldung soll bei mehr als einer Milliarde Euro liegen.

Europcar
SitzParis
Gründung 1949
ChefCaroline Parot (CEO)
Mitarbeiterca. 12.000
Umsatz2,929 Milliarden (2018)

Volkswagen: Nützliche Synergieeffekte mit Europcar

Für Volkswagen (Ex-Chef von VW und Porsche: Matthias Müller kassiert 2700 Euro Rente – pro Tag!) könnte der Rückkauf einige nützliche Synergieeffekte in Gang bringen. Mit der Europcar-Flotte würde man sich einen direkten Abnehmer für die eigenen Elektroautos ins Haus holen. Außerdem hat sich die Europcar Mobility Group zuletzt auch im Carsharing engagiert, unter anderem mit dem stationsbasierten Angebot Ubeeqo. Volkswagen könnte den Anbieter mit seinen eigenen Angeboten kombinieren. Die Wolfsburger hatten jüngst ihren „Free-Floating-Carsharing“-Dienst We Share ins Leben gerufen. Dieser kämpft aber ebenso wie auch der aus der Car 2 Go- und Drive Now-Fusion hervorgegangene Konkurrent Share Now mit hohen Kosten. Die Corona-Krise hat zudem die Expansionspläne ordentlich durcheinandergebracht. We Share ist bislang nur in Berlin verfügbar. (Mit Material der dpa)

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