Wandel in Wolfsburg

Volkswagen: Diese vier Gründe führten zur Entmachtung von Herbert Diess

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Für Herbert Diess rückt im VW-Konzern Ralf Brandstätter an die Spitze der Kernsparte. Es ist ein Machtentzug nach den sich zuletzt häufenden Pannen.

  • Herbert Diess (61) verliert seine Allmachtsstellung im Volkswagen-Konzern
  • Ralf Brandstätter übernimmt die leitung der Kernmarke Volkswagen
  • Zuletzt hatte es einige peinliche Stolpersteine für Herbert Diess gegeben

Wolfsburg – Nach heftiger Kritik an seiner Führung und einer Häufung von Baustellen in den vergangenen Wochen legt VW Konzernchef Herbert Diess das Kerngeschäft der Hauptmarke in andere Hände: Der neue starke Mann bei der wichtigsten Sparte heißt ab dem 1. Juli Ralf Brandstätter. Herbert Diess kümmert sich dagegen künftig in erster Linie um die Steuerung der allgemeinen Strategie im weltgrößten Autokonzern.

Zuletzt war Herbert Diess in Bezug auf die Kernmarke innerhalb des eigenen Hauses stark unter Druck geraten. Es hatte gravierende Technik- und Kommunikationsprobleme gegeben, bei denen er aus Sicht vieler Kritiker keine allzu gute Figur machte. Vor allem aus Belegschaft und Betriebsrat war zu hören, Herbert Diess müsse die anhaltenden Schwierigkeiten in der Produktion des Golf 8 und beim neuen E-Auto ID.3 zur Chefsache machen und mehr Präsenz zeigen. Hinzu kam gegenüber dem ganzen Management Kritik an der Aufarbeitung des Shitstorms um ein rassistisches Golf-Werbevideo im Internet. Die einflussreichen Vertrauensleute der IG Metall erklärten, Mitarbeiter zeigten sich „massiv besorgt“ wegen des Bildes, das VW abgebe.

Volkswagen: Die größten Stolpersteine für Herbert Diess

  • Die großen Probleme beim neuen Golf 8, zusätzlich zum schon eingeleiteten freiwilligen Rückruf für das „eCall“-System scheint ein durch das KBA angeordnerter Rückruf inzwischen wahrscheinlich
  • auch beim ID.3 hakt es bei der Software, der Launch steht schon jetzt unter keinem guten Stern
  • der rassistische Golf-8-Werbespot
  • die große Unzufriedenheit des mächtigen Betriebsrates mit seinem Führungsstil

Doch auf Twitter zeigen sich viele User auch enttäuscht, die Diess als Macher in Sachen E-Mobilität sahen. Ein Nutzer zieht sogar einen großen Vergleich: „Echt so schade. Diess war schon fast so etwas wie unser deutscher #Elon ! Die Marke war wieder sympathisch geworden.“

Volkswagen: Lieferstopp beim Golf 8 und Probleme mit dem ID.3

Diess war vorgeworfen worden, zu schnell zu viel ändern zu wollen. So ließen sich Probleme mit der komplett neuen Golf Elektronik trotz zahlreicher Taskforces nicht ganz abstellen. Dann gab es noch einen – inzwischen wieder aufgehobenen – Lieferstopp wegen Störungen beim Nothilfeassistenten. Betriebsratschef Bernd Osterloh war den Manager schon im März offen angegangen: „Die Folgen dieser unrealistischen Planungen sind ein völlig überzogener Druck auf die Kolleginnen und Kollegen an den Montagelinien.“ 2019 konnten nicht einmal zehn Prozent der ursprünglich angepeilten 100 000 Golf 8 gebaut werden.

Beim elektrischen ID.3, mit dem VW einen Golf-Nachfolger im Massenmarkt aufbauen und eine E-Serie mit Milliardeninvestitionen begründen will, hakt es ebenfalls. Das Modell aus dem Werk Zwickau, das ab Mitte Juni zu bestellen sein soll, kommt zunächst nur mit einem abgespeckten Funktionsumfang. Grund: Software-Verzögerungen.

Volkswagen: Mitarbeiter beschämt über Instagram-Video zum Golf 8

Der Porsche/Piëch-Clan stärkte Herbert Diess auch nach dem strafrechtlichen Deal im Verfahren um mögliche Marktmanipulation in der Dieselkrise den Rücken, ebenso das Land Niedersachsen als nach der Familie zweitgrößter VW-Aktionär. In den Werken waren aber auch ganz andere Töne zu hören. Diess müsse endlich dezidiert die zahlreichen Probleme anpacken, forderten Belegschaftsvertreter. Öffentlich schwärmte der Chef beim Golf von einem der besten Anläufe, die es je gegeben habe. Das brachte ihm bei so manchem Mitarbeiter an der Linie Kopfschütteln ein.

Die Vertrauenskörper-Leitungen der deutschen VW-Werke, die eine Art Scharnier zwischen dem Betriebsrat und den in der IG Metall organisierten Belegschaftsmitgliedern sind, nannten das heftig umstrittene Instagram-Video zum Golf als weiteres Problem. „Für uns ist das Maß inzwischen unerträglich“, schimpften sie. „Mittlerweile ist ein Zustand erreicht, in dem sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen für ihren Arbeitgeber schämen und ihn teilweise verleugnen.“

Mit Material von dpa

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau

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