Dividende gekürzt

Volkswagen: Corona-Krise schickt Konzern in tiefrote Zahlen

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Die plötzliche Vollbremsung der Autoindustrie in der Corona-Krise hat deutliche Spuren hinterlassen. Vor allem der Volkswagen-Konzern ist tief in die roten Zahlen gerutscht.

  • Die Produktionsstopps verschlangen Rücklagen
  • Die Volkswagen AG kürzt nun die Dividende für die Anleger
  • Porsche und Audi kommen besser weg als die Kernmarke Volkswagen

Wolfsburg – Vor Steuern schreibt die Volkswagen AG im ersten Halbjahr 2020 einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro, wie die Wolfsburger mitteilten. Zum Vergleich: 2019 hatte die der Konzern im gleichen Zeitraum noch einen Gewinn von 9,6 Milliarden Euro eingefahren. Weil die Bänder allerdings vor allem im März und April 2020 lange still standen und in Europa sowie Nordamerika deshalb kaum Autos verkauft werden konnten, sackte der Umsatz um 23 Prozent auf 96 Milliarden Euro ab.

Die weitere Entwicklung kann derzeit nicht eingeschätzt werden, heißt es. Aus diesem Grund will das Management von Volkswagen den Dividendenvorschlag um 1,70 Euro auf 4,86 Euro je Vorzugsaktie kürzen, um die Kasse zu schonen. Stammaktionäre bekommen nur jeweils 6 Cent weniger. Beim operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen lag Volkswagen mit einem Minus von 0,8 Milliarden Euro leicht besser als von Analysten geschätzt, berichtet tagesschau.de. 2019 hatte Volkswagen hier noch 10 Milliarden Euro verdient (Autoindustrie: Deutscher Pkw-Markt historisch schwach – doch ein Segment zieht richtig an).

Produktionsstopps verbrennen enorme Summen

Im zweiten Quartal flossen trotz aller Sparmaßnahmen im Automobilgeschäft des Konzerns netto rund 2,3 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln ab (zum Vergleich: Der aktuelle Börsenwert von Volkswagen beträgt 66,85 Milliarden Euro). VW hatte Maßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung ergriffen, die der Konzern nun trotz allem als erfolgreich bezeichnet. Sie hätten die Auswirkungen der Krise verringert. Volkswagen hatte die Produktion seit Mitte März über Wochen stillgelegt, weil in den Autohäusern keine Autos verkauft werden konnten. Dementsprechend wurden Einkäufe bei den Zulieferern auf Eis gelegt, um die eigenen Lagerkapazitäten nicht zu überschreiten. Alleine in Deutschland wurden Zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Ähnliche Maßnahmen ergriff der Konzern ebenfalls mit vielen seiner Marken im Ausland. Zusätzliche finanzielle Belastungen für den Konzern ergeben sich nach wie vor auch durch die Nachwehen des Dieselskandals. Im zweiten Quartal 2020 beliefen sich diese auf 687 Millionen Euro. Damit wachsen die Kosten für den 2015 aufgedeckten Abgasbetrug auf insgesamt rund 32 Milliarden Euro (Volkswagen: Wolfsburg zeigt Interesse an der Übernahme eines strauchelnden Riesen).

Volkswagen AG
SitzWolfsburg
Gründung1937
ChefHerbert Diess
MarkenVolkswagen, Audi, Porsche, Bugatti, Lamborghini, Seat, Škoda
Verkaufte Fahrzeuge 201911 Millionen

Coronakrise: Audi und Porsche kommen finanziell glimpflich davon

Herbe Verluste fuhren einige der Konzernmarken ein. Die Kernmarke Volkswagen verzeichnete im zweiten Quartal einen Umsatzeinbruch von mehr als der Hälfte auf 9,6 Milliarden Euro, der operative Verlust lag bei fast zwei Milliarden Euro. Audi wurde hier weniger hart getroffen, dennoch sank der Umsatz um fast die Hälfte auf 8 Milliarden Euro. Das bereinigte operativen Ergebnis zeigt einen Verlust von fast 0,7 Milliarden Euro auf (Audi AG: Voraussichtlich letzte Hauptversammlung im Juli oder August – aber diesmal ist alles anders).

Porsche hingegen konnte mit 600 Millionen Euro sogar noch einen (zwar im Vergleich zum Vorjahr nur halb so hohen) operativen Gewinn verbuchen. Der Umsatz der Stuttgarter fiel um ein Sechstel. (Mit Material von Ralf Loweg/global press)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte(dpa

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