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Nach Kritik von Volkswagen-Betriebsrat – Herbert Diess ändert Reisepläne

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Von: Simon Mones

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Volkswagen-Chef Herbert Diess wurde wegen seiner USA-Reise heftig vom Betriebsrat kritisiert. Nun hat er seine Pläne geändert.

Update vom 28.10.2021, 09:28 Uhr: Der globale Chipmangel macht Volkswagen schwer zu schaffen. So könnten im Wolfsburger Stammwerk so wenig Auto wie zuletzt 1958 produziert werden. Dabei ist die Nachfrage nach VW-Elektroautos so groß, dass deren Mitarbeiter bei ihren Dienstwagen wieder auf Verbrenner umsteigen müssen.

Der Betriebsrat sieht die Schuld vor allem bei der Führungsebene um Herbert Diess und hat diesen daher zur Betriebsversammlung geladen – der ersten seit zwei Jahren. Doch der Volkswagen-Chef hielt an einer länger geplanten USA-Reise fest und zog damit den Unmut des Betriebsrats auf sich.

Nach Kritik von Volkswagen-Betriebsrat – Herbert Diess ändert Reisepläne

„Herbert Diess zieht die Investoren an der Wall Street der eigenen Belegschaft vor – dieses Verhalten ist beispiellos in der Geschichte unseres Konzerns und zeigt einmal mehr, dass der Konzernvorstandsvorsitzende selbst in dieser Krise weder Empathie noch Gespür für die Situation der Belegschaft hat“, schrieb Betriebsratschefin Daniela Cavallo in einem Statement. (Volkswagen gegen Tesla: Akku-Test – dieses Modell zieht den Kürzeren)

Eine Aussage, die bei Herbert Diess offenbar Eindruck hinterlassen hat, denn wie ein Sprecher gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, wurde die USA-Reise nun doch abgesagt. Stattdessen werde der VW-Chef an der Betriebsversammlung am 4. November teilnehmen und sich dort den Fragen der Mitarbeiter stellen. Dass Diess nun doch zur Betriebsversammlung kommt, nahmen die Arbeitnehmervertreter positiv auf. Der VW-Chef habe offenbar seinen Fehler eingesehen und korrigiert, das sei vorbildlich und im Sinne der Werte des Konzerns.

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen-AG, spricht bei einem Festakt zum Produktionsstart des VW ID.3.
VW-Chef Herbert Diess hat nach der heftigen Kritik des Betriebsrats seine Reisepläne geändert. © Sebastian Willnow/dpa

Erstmeldung vom 22.10.2021, 15:46 Uhr: Wolfsburg – Wer sich zurzeit einen Neuwagen kaufen möchte, sollte lange Wartezeiten einkalkulieren. Der Grund: Immer wieder kommt es wegen des globalen Chipmangels in den Fabriken der Autohersteller zu Produktionsausfällen und Kurzarbeit.

Volkswagen trifft die Situation offenbar besonders hart. Im Werk in Wolfsburg könnten so wenig Autos wie zuletzt 1958 produziert werden, wie die „Zeit“ berichtet. Schon im vergangenen Jahr hatte der Automobilkonzern in seinem Stammwerk weniger als eine halbe Million Autos gebaut – zum ersten Mal seit 60 Jahren. (Chipmangel: Jetzt hat auch Opel eine Hiobsbotschaft für viele Mitarbeiter)

Volkswagen leidet unter Chipmangel: „Es müsste schon ein Wunder geschehen“

In diesem Jahr könnte es nun also noch schlimmer kommen. „Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn wir das Vorjahresniveau bis Jahresende erreichen sollten“, so ein Insider gegenüber der „Zeit“. Betriebsratschefin Daniela Cavallo sieht die Schuld dafür vor allem beim Management.

Ein Volkswagen-Logo wird montiert. (Symbolbild)
Volkswagen könnte in diesem Jahr so wenig Autos bauen wie zuletzt 1958. (Symbolbild) © Volkswagen

„Von der Führung eines Weltkonzerns darf man schon erwarten, in der Lage zu sein, den Einkauf so zu organisieren, dass verlässlich Autos gebaut werden“, stellte die 46-Jährige klar. In der Führungsetage von Volkswagen sieht man das naturgemäß anders und weist die Kritik deutlich zurück. (Volkswagen hält am Verbrennungsmotor fest – ein teurer Fehler?)

Volkswagen leidet unter Chipmangel: Betriebsratschefin fehlt klarer Plan

„Die weltweiten Verwerfungen in Bezug auf die Produktion und Nachfrage von Halbleitern infolge der Pandemie sowie weiteren äußeren Umständen waren schlicht nicht vorhersehbar“, erklärt ein VW-Sprecher. Anderenfalls hätten sowohl der Autobauer selbst als auch dessen Zulieferer gegengesteuert.

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Eine Erklärung, mit der sich Daniela Cavallo nicht zufriedengibt. Die Betriebsratschefin argumentiert, dass BMW und Toyota deutlich besser durch die Chipkrise kämen. Zudem fehle ihr ein klarer Plan, denn noch im Juli sei in der Führungsebene von einer Aufholjagd im zweiten Halbjahr die Rede gewesen. Davon sei inzwischen nicht mehr viel übrig. (Elektroauto bei „Löwenzahn“: Peter Lustig prophezeit Boom – vor knapp 40 Jahren)

Volkswagen leidet unter Chipmangel: Es besteht Gesprächsbedarf

Überhaupt hat der Betriebsrat Gesprächsbedarf, nachdem Herbert Diess jüngst einen Abbau von 30.000 Stellen ins Gespräch gebracht hatte. Daher soll es erstmals seit zwei Jahren wieder eine Betriebsversammlung geben, zu der auch der VW-Boss geladen wurde. „Selbstverständlich erwarte ich, dass Herbert Diess am 4. November zu unserer Betriebsversammlung kommt, den Bericht des Unternehmens gibt und sich vor der versammelten Belegschaft unseren Fragen stellt“, so Daniela Cavallo zur „Zeit“. (Chipmangel bremst Autoindustrie aus – drohen uns längere Lieferzeiten?)

Dieser werde sich zu diesem Zeitpunkt jedoch auf einer USA-Reise befinden und dort das VW-Werk in Chattanooga in Tennessee besuchen – hier fertigt VW das SUV Atlas und die Nordamerika-Variante des Passat. Auch ein Treffen mit Investoren in New York sei geplant. „An den Reiseplänen ändert sich nichts. Die Einladung des Betriebsrats kam einfach zu kurzfristig“, so ein Sprecher. Dennoch sei Diess der Austausch mit der Belegschaft wichtig und daher bereits entsprechende Veranstaltungen in Vorbereitung.

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