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Striktes Verbrenner-Verbot? Mehrheit der Deutschen lehnt Grünen-Forderung ab

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Von: Christian Schulz

Die Grünen nehmen kein Blatt vor den Mund: Im Wahlprogramm 2021 fordern sie ein baldiges Verbrenner-Verbot. Die Meinung der Deutschen dazu? Hängt davon ab, wann es kommen soll.

Berlin – Der Verbrennungsmotor spielt in der Debatte um eine Verkehrswende in Deutschland eine zentrale Rolle. Geht es nach den Forderungen, die im Wahlprogramm der Grünen für die Bundestagswahl 2021 stehen, soll der Verbrenner so schnell es geht endgültig abgeschafft werden. (Autofahrverbot ab 22 Uhr: Darum bedeutet die Corona-Notbremse Ausgangssperre fürs Auto)

Der Automobilbranche – und damit Deutschlands Schlüsselindustrie – graut beim Gedanken an ein kurzfristiges Verbot, das vor allem die Zulieferer knallhart träfe. Nichtsdestotrotz wurde natürlich längst erkannt, dass an der technologischen Transformation kein Weg vorbeiführt – und so machen sich die Hersteller auf den zukunftsweisenden Weg in Richtung flächendeckende Elektromobilität. Dass diese mit Riesenschritten herannaht, ist unverkennbar – man muss dazu nur über den großen Teich schauen und sich die Popularität von US-Elektro-Autobauer Tesla und seinem exzentrischen Boss Elon Musk vor Augen halten. Aber werden wirklich bald sämtliche Verbrenner von unseren Straßen verschwinden – weil sie es müssen? Und was denken die Deutschen darüber? (Deutsche Autoindustrie fürchtet Verbrenner-Aus 2025: „Arbeitslosigkeit, wie wir sie noch nie gehabt haben“)

Striktes Verbrenner-Verbot? Mehrheit der Deutschen lehnt Grünen-Forderung ab

Nun, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt kann sich der größere Teil der Verkehrsteilnehmer hierzulande ein erzwungenes Aus für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht vorstellen: Die Mehrheit der Deutschen lehnt es ab, die Neuzulassung von Verbrennern ab einem bestimmten Zeitpunkt pauschal zu verbieten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Exklusiv-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von „Tagesspiegel Background“. Der Erhebung zufolge sprechen sich gut 55 Prozent der Befragten gegen ein konkretes Datum aus, ab dem Autos mit Verbrennungsmotor nicht mehr zugelassen werden sollen. (VW Power Day: Volkswagen kopiert Tesla – sogar Fabriken heißen wie bei Elon Musk)

Aktivisten von Greenpeace protestieren während des Autogipfels vor dem Kanzleramt. (Symbolbild)
Neben den Grünen fordert auch Greenpeace ein schnelles Aus für den Verbrenner – die Mehrheit der Deutschen sieht das nach wie vor anders. (Symbolbild) © Annette Riedl/dpa

Lediglich 22 Prozent der Befragten befürworten, dass bereits ab 2030 gar keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden dürfen – wie es die Grünen in ihrem Wahlprogramm kompromisslos fordern. Doch auch für die Jahre 2035 oder 2040 gibt es überraschend wenig Zustimmung. Für 2035 stimmten nur sieben Prozent der Befragten, rund fünf Prozent sehen 2040 als mögliches Ausstiegsdatum. (Bund fährt viel zu wenig E-Autos: Andreas Scheuers Verkehrsministerium liegt weit hinten)

Steht das Verbrenner-Verbot bevor? So stehen die Wähler der einzelnen Parteien dazu

Beim Antwortverhalten lassen sich deutliche Muster erkennen – die sich je nach Parteipräferenz stark unterscheiden. Die Anhänger der Grünen, von denen der gute alte Verbrennungsmotor kaum Gnade zu erwarten hat, sprechen sich mit 55,1 Prozent für das Ausstiegsdatum 2030 aus – oder sogar noch früher. Allerdings wollen sich immerhin auch 19,5 Prozent der potenziellen Grünen-Wähler nicht auf eine fixe Jahreszahl festlegen. Das überrascht zunächst – dürfte aber mit dem schleichenden Wandel der grünen Wählerklientel zusammenhängen. (Scheinheilig? Rasender grüner Umweltminister brettert mit 180 km/h durch Tempolimit: „Hatte es eilig“)

Bei den Sympathisanten der Linken liegen diese beiden doch unterschiedlichen Pole mit 44,4 und 37 Prozent schon recht nahe beieinander. Bei der zumindest der Tradition nach Industriearbeiter-nahen SPD-Klientel kippt es dann: Hier halten sich Befürworter und Gegner in etwa die Waage – 30,5 Prozent wollen das frühe Exit-Datum, doch ein größerer Anteil von 39,5 Prozent will sich gar nicht festlegen. Noch klarer wird es im konservativen Teil des Parteienspektrums und am rechten Rand: Bei Wählern von CDU/CSU, FDP und AfD sind es zwischen 65 und 86 Prozent, die ein festgelegtes Datum für ein Verbrenner-Aus ablehnen. (Mit Material der dpa)

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