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Verbrenner-Aus: Italien will Ausnahme – Armutszeugnis für Ferrari

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Von: Marcus Efler

Italien und Frankreich wollen Extrawürste beim EU-weiten Verbrenner-Verbot. Dahinter steckt mehr als nur die Sorge, den Elektro-Umstieg nicht zu schaffen.

Brüssel – Das war fast zu erwarten: Kaum hat die EU-Kommission ab 2035 das Aus für Verbrennungsmotoren beschlossen, die Schadstoffe emittieren, geht das Geschachere um Verwässerungen und Ausnahmen los. Denn die Mitgliedstaaten der EU müssen dem ehrgeizigen Projekt noch zustimmen. Das dürfte bis zu zwei Jahre dauern und noch einige Änderungen an dem konsequenten Ausstiegsszenario nach sich ziehen. (E-Fuels: Retten synthetische Kraftstoffe den Verbrennungsmotor?)

Verbrenner-Aus: Italien will Ausnahme – ein Armutszeugnis für Ferrari

So arbeiten südeuropäische Länder bereits an einer Aufweichung. Besonders schnell hat sich Italiens Umweltminister Roberto Cingolani (59) geäußert: Er möchte eine Ausnahmegenehmigung vom Verbrenner-Verbot für Sportwagen-Hersteller, da deren Autos nur „eine Nische“ seien, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Schließlich habe Ferrari im vergangenen Jahr nur etwa 9.100 Modelle verkauft, die Volkswagen-Marke Lamborghini rund 7.400. „Diese Autos benötigen eine spezielle Technologie und Batterien für den Übergang“, lamentierte der Italiener, der übrigens früher Verwaltungsratsmitglied bei Ferrari war.

Ferrari 296 GTB, stehend (Symbolbild)
Auf ewig mit Benzinmotor? Ferraris Hybridmodell 296 GTB (Symbolbild) © Ferrari

Umso skurriler mag es erscheinen, dass der Politiker dem renommierten Sportwagenbauer nicht zutraut, in 14 Jahren Sportwagen mit Akku-Antrieb zu entwickeln. Andere traditionsreiche Marken wie Porsche haben das längst hingekriegt und auch ein Start-up wie der kroatische Hersteller Rimac könnte Ferrari zeigen, wie das geht. Tatsächlich ist auch nicht anzunehmen, dass der Minister italienische Ingenieure für so viel unfähiger hält als deutsche oder kroatische – hier geht’s wohl eher um die traditionsreiche Unsitte des Schutzes vor zu viel Konkurrenz. (Ferrari: Misst dieses neue Modell die Körpertemperatur der Insassen?)

Verbrenner-Aus: Italien will Ausnahme – aus Angst vor Elektro-Konkurrenz?

Denn als Hersteller rein elektrischer Sportwagen würden Ferrari und Lamborghini nur zwei Hersteller unter vielen sein: Start-ups, die hochmotorisierte Stromer anbieten, dürften die Etablierten bald gehörig unter Druck setzen. Eindrucksvolles Beispiel ist die junge bayerische Manufaktur Elegend, die mit ihrem 816 PS starken, dem Audi Ur-quattro nachempfunden EL1 in die Serienfertigung geht. Bei röhrenden Verbrennungsmotoren, wie sie manche Autofans als „emotional“ empfinden, macht den Italienern aber so schnell keiner was vor, hier hätten Ferrari und Co. ein Verkaufsargument. (Lamborghini Countach: Neuauflage mit Hybrid-Modul – spektakuläres Design)

Verbrenner-Aus: Italien will Ausnahme – und Frankreich kämpft für Hybride

Noch weniger nachvollziehbar ist dagegen der Vorstoß Frankreichs, Autos mit Plug-in-Hybrid-Antrieb länger zu erlauben – obwohl diese Übergangstechnologie in der Praxis nur sehr bedingt Kohlendioxid einspart und entsprechend umstritten ist. Außerdem sind Stellantis (Mutterkonzern etwa von Citroën, Peugeot und Opel) sowie das Bündnis Renault-Nissan-Mitsubishi bei Akku-Autos eigentlich recht gut unterwegs und müssen das Verbrenner-Verbot nicht fürchten.

Jedenfalls weckt die Bettelei nach Ausnahmen schon Begehrlichkeiten bei den Autoherstellern. So unterstützt BMW-Chef Oliver Zipse den Vorstoß der Italiener – vor allem in seiner Eigenschaft als Präsident des europäischen Automobilherstellerverbands (ACEA). Und schließlich gehört auch BMW zu jenen Autobauern, die noch nicht den Komplett-Umstieg auf Elektroautos angekündigt haben.

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