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Elektroautos und kein Zurück: EU macht Schluss mit Verbrennern ab 2035

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Von: Marcus Efler

Einige Autohersteller sind vorgeprescht, jetzt schafft die EU-Kommission Tatsachen für alle: Ab 2035 dürfen Neuwagen keine Verbrenner mehr haben. Elektro-Gegnern bleibt nur eine Hoffnung.

Update vom 14.07.2021, 16:35 Uhr: Jetzt ist es amtlich: Die EU-Kommission hat ihr Klimapaket „Fit for 55“ vorgestellt. Dabei verkündete Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ab dem Jahr 2035 ein Verbot von Neuwagen, die Kohlendioxid emittieren. Doch es soll noch eine Überprüfungsklausel geben. Demnach werde alle zwei Jahre analysiert, wie die Hersteller voranschreiten. 2028 soll dann ein großer Prüfbericht folgen. Theoretisch könne das Datum 2035 noch verschoben werden. Über die Umsetzung der Vorschläge müssen nun die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament beraten. Aus Sicht der EU-Kommission ist Eile geboten, um Industrie und Verbrauchern möglichst viel Zeit für die Umstellungen und Reduktionen zu geben. Bundesumweltministerin Svenja Schulze kündigte an, dass Deutschland schnell mit der Arbeit beginnen wird. Die Bundesregierung werde die Vorschläge der EU-Kommission nun gründlich, aber auch zügig und konstruktiv prüfen, erklärte die SPD-Politikerin. (Mit Material der dpa)

Erstmeldung vom 13.07.2021, 09:46 Uhr: Brüssel – Besonders lange ist er noch nicht her, der Start der Elektromobilität. Klar, schon 1898 konstruierte Ferdinand Porsche den batteriegetriebenen Egger-Lohner C 2, aber der verschwand auch schnell wieder. Wie so viele andere frühe Versuche, bei Autos Sprit durch Strom zu ersetzen. Tesla dagegen kam, um zu bleiben: Nicht mal 20 Jahre ist es her, dass das Start-up seine Karriere zum mit Abstand wertvollsten Autohersteller der Welt begann. (Deutsche Autoindustrie befürchtet Verbrenner-Aus 2025: „Arbeitslosigkeit, wie wir sie noch nie gehabt haben“)

Elektroautos und kein Zurück: Verbietet die EU Verbrennungsmotoren jetzt ganz?

Dann ging es zügig. Als Volvo vor einigen Jahren den Umschwung zum Elektromotor beschloss, galt das noch als Sensation. Als Audi kürzlich das Verbrenner-Aus beschloss, war das schon fast erwartet worden. Eine spätere, ähnliche Entscheidung von Stellantis-Tochter Opel oder VW lösten nur noch müdes Achselzucken aus. Und bald wird es ganz amtlich. Denn was die Grünen für Deutschland fordern, wird wahrscheinlich bald europaweit beschlossen: das Verbot von Autos mit Benzin- und Dieselmotoren. Die Diskussionen sind geführt, die Schlachten geschlagen, und das Elektroauto – ob mit Akku oder Brennstoffzelle – fährt als Sieger vom Platz. Jedenfalls in Europa, auf anderen Kontinenten wie Asien und Südamerika wird das noch dauern. (Elektroautos doch nicht so sauber? Forscher sehen viel größere CO2-Belastung)

Abgase im Stadtverkehr (Symbolbild)
Auto-Abgase sollen bald der Vergangenheit angehören. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Elektroautos und kein Zurück: Ab 2035 soll es keine neuen Verbrenner mehr geben

Vom Jahr 2035 an, so berichten es mehrere Quellen aus dem Brüsseler Umfeld, will die EU-Kommission die Kohlendioxid-Emissionen im Straßenverkehr auf null senken. Das ist ein wichtiger Baustein im Plan der EU, bis zum Jahr 2050 komplett CO2-neutral zu wirtschaften. Seit 2020 gilt noch die erste Etappe des Fahrplans, nach der die verkauften Fahrzeuge eines Konzerns durchschnittlich nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer emittieren dürfen (Flottenverbrauch). Ein Zwischenschritt könnten 60 Prozent Reduktion bis 2030 sein, um weitere fünf Jahre später dann komplett emissionsfrei zu fahren. (EU-Gerichtshof tadelt Regierung: Autos sollen noch weniger Schadstoffe ausstoßen)

Elektroautos und kein Zurück: Nur ein Klacks für die Strategien der Autohersteller

Das hört sich noch nach vielen Jahren an, aber in den Zeiträumen, für die Autohersteller ihre Strategien und Lebenszyklen ihrer Modelle ausrichten, ist das ein Klacks. Die Entscheidung hat sofortige Auswirkungen: Wenn eine Automarke heute beschließen würde, ein Auto mit Dieselmotor neu zu entwickeln, ist es frühestens 2025 serienreif. Um sich zu rentieren, müsste es sieben Jahre, also bis 2032, produziert werden. Auf der Straße unterwegs wäre es dann normalerweise bis mindestens 2045. In einer Zukunft also, in der es eigentlich nur noch minimale CO2-Emissionen in Europa geben soll. (Toyota-Bosse überraschen mit Absage: Keine Zukunft für E-Mobilität?)

Elektroautos und kein Zurück – sind E-Fuels eine ernstzunehmende Alternative?

Nach dieser Rechnung ist es nur logisch, dass die EU jetzt auf das Gas- oder besser das Strompedal tritt und auch die letzten noch zögernden Hersteller zum Verbrenner-Stop zwingen will. Eine Hintertür bleibt allerdings noch offen: Motoren, die klimaneutralen Treibstoff, sogenannte E-Fuels wie Wasserstoff oder Methanol, verbrennen, könnten auch langfristig erlaubt bleiben. Toyota oder BMW beispielsweise wollen sich noch nicht so eindeutig wie etwa Volkswagen auf akkugetriebene Pkw festlegen. Und bei Lkw ist das Rennen um den besten klimafreundlichen Treibstoff ohnehin noch völlig offen. Die EU kann also vieles beschließen – welche Art von Fahrzeugen in der Zukunft, gut 150 Jahre nach dem benzingetriebenen Patent-Motorwagen von Carl Benz und Porsches elektrischem Egger-Lohner, unsere Straßen wirklich befahren, das ist noch lange nicht entschieden.

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