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Elektro-Gipfel von US-Präsident Joe Biden: Tesla und Elon Musk außen vor

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Von: Marcus Efler

E-Autos aus den USA? Kommen meist von Tesla. Trotzdem war Elon Musk nicht zu einem Elektro-Gipfel ins Weiße Haus geladen – darum musste Tesla draußen bleiben.

Washington, D.C. (USA) – Dass US-Präsident Joe Biden, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger, durchaus ein Fan und Förderer der Elektromobilität ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen – so kann er sich durchaus vorstellen, einen Stromer als Dienstlimousine „The Beast“ zu nutzen. Allerdings gelten die traditionellen amerikanischen Automarken nicht gerade als führend, was die Elektrifizierung ihrer Modellpalette betrifft, und müssen hier zunehmend Konkurrenz durch europäische und chinesische Hersteller fürchten. Also tat Biden das, was Staatsmänner gerne tun, wenn sie Bewegung in eine Sache bringen wollen: Er berief einen Elektroauto-Gipfel ein, um sich mit Top-Automanagern seines Landes über Zukunftsfähigkeit und politische Rahmenbedingungen auszutauschen. Geladen waren Führungskräfte von General Motors, Ford und Stellantis – zu dem französisch-italienisch dominierten Konzern gehören auch die US-Marken Chrysler, Dodge und Jeep. (Ford F-150 Lightning: Elektrischer Pick-up zum Kampfpreis – nur nicht bei uns)

Elektro-Gipfel von US-Präsident Joe Biden: Tesla und Elon Musk außen vor

Auffällig war allerdings, welcher Hersteller fehlte: Tesla. Die Firma aus Palo Alto ist bekanntlich nicht nur der größte E-Auto-Hersteller der Welt, sondern auch deren wertvollster Konzern überhaupt. Darüber hinaus entstehen über die Hälfte der Teile eines Tesla-Modells tatsächlich in den USA, während etwa General Motors drei Viertel der Komponenten für seinen Chevrolet Bolt – inklusive der Akkus – aus Südkorea importiert. Tesla-Chef Elon Musk wäre also der perfekte Gast im Weißen Haus gewesen, um mit Biden ein wenig über E-Mobilität zu plauschen und zu erklären, wo es auf politischer oder eigener Seite noch hakt. (E-Auto von General Motors brennt ab: GM will Schaden nicht bezahlen)

US-Präsident Joe Biden (Symbolbild)
Sie nicht, mein Herr: US-Präsident Biden mag Elon Musk nicht dabei haben. (Symbolbild) © Susan Walsh/dpa

US-Präsident Biden bittet zum Elektro-Gipfel – Tesla-Fans reagieren mit Unverständnis

Aber Elon Musk war nicht willkommen. Was unter dessen Fans denn auch zu garstigen Kommentaren in den sozialen Medien führte: „Vielleicht hätte Tesla einen Platz an dem Tisch, wenn Elon Musk die Fertigung nach Mexiko verlegt hätte, so wie es Ford beim Mach-E getan hat“, kommentierte einer. In die Diskussion schaltete sich auch Elon Musk selbst in Form eines Tweets ein: „Eigenartig, dass Tesla nicht eingeladen wurde.“ Außerdem erwähnte der Tesla-CEO die Vollbeschäftigung in der Bay Area bei San Francisco, wo Tesla seinen Hauptsitz hat: „Die Leute in unserem Werk haben mehrere andere Job-Angebote. Sie würden sofort gehen, wenn sie schlecht behandelt würden.“ (Tesla-Chef Elon Musk: Mitarbeiter eiskalt abserviert – „nichts für schwache Nerven“)

Tesla-Chef Elon Musk besucht Fabrik-Baustelle in Grünheide (Symbolbild)
Regelt die Dinge lieber auf seine Art: Gewerkschafts-Gegner Elon Musk, hier auf der Tesla-Baustelle in Grünheide (Symbolbild) © Christophe Gateau/dpa

US-Präsident Biden bittet zum Elektro-Gipfel – Eintritt nur mit Gewerkschaft

Womit Musk bei dem Grund wäre, warum er bei Biden nicht willkommen ist: Anders als die anderen Hersteller, bei denen amerikanische Gewerkschaften wie die mächtige UAW (United Auto Workers) stark engagiert sind, wehrt sich der Tesla-CEO gegen jede Art von Arbeitnehmer-Vertretung. Laut Medienberichten werden Mitarbeiter, die sich gewerkschaftlich organisieren wollen, stark unter Druck gesetzt. Und das nicht nur in den USA: Auch bei der gerade entstehenden Gigafactory in Grünheide liegen Tesla und die IG Metall im Clinch. So bemängelt die Gewerkschaft, dass es dort „weder einen Betriebsrat, noch eine Jugend- und Auszubildendenvertretung oder eine Schwerbehindertenvertretung“ gebe.

Bidens Vorgänger hätte die Kapitalisten-Attitüde vielleicht sogar geschätzt. Aber der derzeitige US-Präsident mag es sich offenbar mit der Basis seiner Demokratischen Partei nicht verscherzen. So geriet der Elektroauto-Gipfel dann eben zum Old-School-Treffen. Und in der US-Autoindustrie geht es wohl weiter wie bisher: Die einen reden, ein anderer handelt.

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