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Scheinheilig? Rasender grüner Umweltminister brettert mit 180 km/h durch Tempolimit: „Hatte es eilig“

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Von: Christian Schulz

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) sitzt in einem elektrisch betriebenen Renault ZOE. (Symbolbild)
„Ich fahre mit Öko-Strom“: Ein schöner Slogan – mit einem Elektroauto war der Umweltminister jedoch nicht unterwegs. (Symbolbild) © Uli Deck/dpa

Die Grünen fordern schon lange ein striktes Tempolimit von 130 km/h – und zwar überall. Jetzt entpuppt sich ein grüner Umweltminister ungeniert als hemmungsloser Raser – im Verbrenner.

Stuttgart – Nach seiner drastischen Tempoüberschreitung steht Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller im Kreuzfeuer der Kritik. Ein grüner Raser, der ein striktes Tempolimit fordert – dann aber so schnell fährt, wie es ihm passt? Und das auch noch als Minister? Obendrein in einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Mit seinem Gasfuß hat Untersteller sich und die Grünen in eine unangenehme Lage manövriert: Viele Menschen zweifeln an seiner Glaubwürdigkeit – und an der seiner Partei.

Grüner Umweltminister rast mit 177 km/h durch Tempolimit: „Ich hatte es eilig“

Der Grünen-Politiker und Befürworter eines generellen Tempolimits von 130 Stundenkilometern in Deutschland hat ein echtes Problem: Die Polizei hat ihn auf der A8 bei Heimsheim mit viel zu hoher Geschwindigkeit erwischt – und gestoppt. Der grüne Umweltminister war mit 177 Sachen von Stuttgart kommend in Richtung Karlsruhe unterwegs. Nicht in seinem Dienstwagen, einem Audi e-tron, sondern im flotten Privat-Audi – einem Verbrenner. Auf dem betreffenden Streckenabschnitt ist allerdings nur Tempo 120 erlaubt. Das heißt: Franz Untersteller war satte 57 km/h zu schnellkein Kavaliersdelikt, sondern ein heftiger Geschwindigkeitsverstoß. (Unfall von Winfried Kretschmann: Mädchen († 1) erliegt seinen schweren Verletzungen)

Die peinliche Raser-Affäre führt nicht nur zu einem erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust des grünen Temposünders – sie ruft umgehend zahlreiche Kritiker auf den Plan. Zwar dürften auch viele Grünen-Anhänger entsetzt über ihren Umweltminister sein und viele Wähler ähnlich denken – besonders lautstark artikuliert sich aber naturgemäß der politische Gegner. Der Chef der FDP-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, Hans-Ulrich Rülke, fordert den Rücktritt Unterstellers: „Auch für Grüne müssen die Maßstäbe gelten, die sie an andere anlegen.“ SPD-Fraktionschef Andreas Stoch meint: „Das gibt ein unmögliches Bild ab, wenn der Umweltminister sich nicht an die Regeln hält. Je höher die Geschwindigkeit, desto höher der Ausstoß an CO2 und Stickoxiden.(Klimakiller Dienstwagen? Umwelthilfe: Diese Politiker sind die größten Klimasünder)

Grüner Umweltminister rast mit 177 km/h durch Tempolimit: „Das ist grüne Doppelmoral pur“

Auch die Junge Union hält Franz Untersteller für nicht mehr tragbar. „Ein Umweltminister, der ein allgemeines Tempolimit fordert und dann selbst so viel zu schnell ist, hat sämtliche Glaubwürdigkeit verspielt und sollte zurücktreten“, so Philipp Bürkle, der Landeschef der Nachwuchsorganisation des Koalitionspartners CDU: „Wasser predigen und Wein saufen – das ist grüne Doppelmoral pur.“ (Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch fliegt Kurzstrecke – will aber Diesel-Fahrverbote durchsetzen)

Der Umweltminister weist sämtliche in Richtung politische Konsequenzen oder gar Rücktritt gehenden Forderungen vehement zurück. Er selbst sieht seine Glaubwürdigkeit nicht beschädigt: „Wenn ich mit erhobenem Zeigefinger als Moralapostel Politik machen würde, wäre das vielleicht so. Aber das tue ich nicht.(Aus für Verbrennungsmotor schon 2025? Die deutsche Autoindustrie fürchtet sich)

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, r.) unterhält sich mit Umweltminister Franz Untersteller.
Umweltminister Franz Unstersteller (l.) bringt auch Baden-Württembergs grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (r.) in Schwierigkeiten. © Bernd Weißbrod/dpa

Grüner Umweltminister rast mit 177 km/h durch Tempolimit: Glaubwürdigkeit und Führerschein weg

Zur Erklärung des Tempoverstoßes führt der erwischte Grünen-Politiker an, dass er seinen Sohn besuchen wollte, der mit zwei Kindern in Frankfurt lebt: „Ich war unterwegs zu meiner Familie und hatte es eilig. Ich habe die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht beachtet – die Straßenlage hat es aber erlaubt, schnell zu fahren“, so Franz Untersteller gegenüber der Bild. Eine relativ offensive Aussage eines Umweltministers. Er will sie allerdings nicht als Rechtfertigung verstanden wissen: „Das ist natürlich kein Kavaliersdelikt, wenn man so deutlich über der vorgeschriebenen Geschwindigkeit unterwegs ist. Das darf mir nicht passieren.(Oberbürgermeister von Plauen crasht Dienst-Audi – „hab halt geträumt“)

Die Konsequenzen des Vorfalls sind für Franz Untersteller nicht nur politisch unangenehm. Aufgrund des krassen Verkehrsverstoßes erhält der Umweltminister vier Wochen Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg und ein Bußgeld in Höhe von 240 Euro, wie auch heidelberg24.de berichtet.* Auch damit, dass ihm viele Mitbürger nun ein gehöriges Maß an Heuchelei unterstellen, wird der Grüne – dessen Partei aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes für ein Tempolimit von 130 km/h in Deutschland eintritt – wohl leben müssen. Der alternative Verkehrsclub VCD zeigt sich jedenfalls enttäuscht: Wer als Führungsperson für einen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel werbe, müsse als Vorbild vorangehen. „Man hat eine gewisse Verantwortung, das auch zu leben, wofür man eintritt“, so VCD-Landeschef Matthias Lieb. (Mit Material der dpa) heidelberg24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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