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E-Auto-Verkaufszahlen: Zieht ein deutscher Konzern an Tesla vorbei?

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Von: Christian Schulz

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Eine jüngst verbreitete Statistik der weltweiten Verkaufszahlen von elektrifizierten Autos erstaunt: Denn nicht mehr Tesla steht an der Spitze – sondern ein deutscher Autokonzern.

Wolfsburg – Gemeinhin gilt US-Elektroauto-Hersteller Tesla als das Maß aller Dinge auf dem E-Auto-Markt. Doch seine führende Stellung könnte das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk schon bald verlieren. Zumindest wenn man einer kürzlich veröffentlichten Statistik zum Absatz von elektrifizierten Autos im vierten Quartal des Jahres 2020 Glauben schenkt: Ihr zufolge hat ein deutscher Autobauer seinen Anteil an den weltweiten Verkaufszahlen verdoppelt – und ist an den Amerikanern vorbeigezogen. Doch die Sache hat einen Haken. (Elon Musk möchte Spitzengespräch mit Wladimir Putin: Worüber will der Tesla-Boss auf Clubhouse reden?)

E-Auto-Verkaufszahlen: Zieht ein deutscher Konzern an Tesla vorbei?

Während angesichts der Furcht vor dem vollständigen Aus des Verbrennungsmotors im Jahr 2025 gleich der Abgesang auf die deutsche Autoindustrie angestimmt wurde, kommt aktuell wieder Hoffnung auf – trotz Corona-Krise, harter Sparmaßnahmen, die einem Kahlschlag gleichkommen, und neuen Sondersteuern, die besonders Fahrzeuge deutscher Hersteller betreffen. Einen weiteren Anlass zur Hypothese, dass es so schlimm wie befürchtet dann doch nicht kommen wird, soll offensichtlich ein bestimmter Blickwinkel auf die Entwicklung der Verkaufszahlen des vergangenen Jahres liefern. Das Ganze wirkt jedoch irgendwie befremdlich.

VW-Chef Herbert Diess (links) und Tesla-CEO Elon Musk (rechts)
VW-Chef Herbert Diess (l.) und Tesla-Boss Elon Musk (r.) liefern sich ein Duell um die Vorherrschaft auf dem Automarkt der Zukunft. © dpa/Volkswagen AG

Denn die Zahl der weltweit abgesetzten „elektrifizierten Autos“ zeigt vermeintlich Bemerkenswertes: Sie erweckt den Eindruck, die meisten Elektroautos hätten nicht etwa Elon Musk und Tesla abgesetzt – auch wenn Anleger des Unternehmens innerhalb weniger Jahre so viele Millionen gescheffelt haben, dass sie nie wieder arbeiten müssen – sondern der Volkswagen-Konzern. Die Auswertung der Verkaufszahlen im vierten Quartal 2020über die auch der Münchner Merkur berichtet* – stammt von der US-Consulting-Firma AlixPartners. Laut deren Statistik konnte Tesla insgesamt 181.000 vollelektrische Automobile an den Kunden bringen – während es den verschiedenen Konzernmarken des VW-Imperiums gelungen ist, 192.000 strombetriebene Fahrzeuge zu verkaufen. (VW Golf 8 explodiert nach wenigen Kilometern: Der Volkswagen ist nur zwei Tage alt)

Weltweiter E-Auto-Verkauf: Plug-in-Hybride in Statistik begünstigen Volkswagen

Dies führt jedoch in die Irre, da in den Begriffen „elektrifiziert“, „vollelektrisch“ und „strombetrieben“ der verwirrende Faktor liegt, der Europas größten Autokonzern Volkswagen begünstigt. Der „Automotive-Electrification-Index“ von AlixPartners operiert mit einer Auslegung, die den Wolfsburgern in die Karten spielt: In der Wertung des Beratungsunternehmens werden nämlich auch Plug-in-Hybride gezählt – also nicht nur reine Elektroautos. Dies bedeutet, dass auch die Verkaufszahlen populärer Modelle wie des VW Golf 8 GTE, des VW Tiguan eHybrid oder des VW Passat GTE in die Statistik einfließen. Obwohl sie neben einem Strom-Triebwerk auch einen regulären Verbrennungsmotor an Bord haben. (Dreister Dieb klaut brandneue VW im Volkswagen-Stammwerk – ganz easy mit dem Sattelschlepper)

Ein klarer Nachteil für Tesla. Schließlich tauchen in der Produktpalette des Unternehmens von Elon Musk keine Hybrid-Pkw auf. Egal wo auf der Welt – Markenzeichen der Kalifornier ist, dass sie ausschließlich reine Elektrofahrzeuge bauen. Zählt man nur diese „echten“ E-Autos, schneidet Tesla nach wie vor am besten ab – auch wenn ein neues Mini-Elektroauto auf dem Riesenmarkt China das Tesla Model 3 schlägt und sich an die Spitze der Verkaufscharts setzt. Hauptgrund hierfür dürfte vor allem der unschlagbare Winzig-Preis sein.

Ein rotes Tesla Model S Elektroauto fährt auf einer kurvigen Landstraße.
Verlieren das Tesla Model S und seine Modell-Kollegen ihre Vormachtstellung auf dem E-Auto-Markt der Zukunft? © Tesla

Hinzu kommt, dass unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns – mit VW, Audi, Porsche, Škoda und Seat – gleich mehrere prestigeträchtige Autohersteller versammelt sind. Alle von ihnen ändern ihren Kurs zunehmend in Richtung elektrifizierter Autos – und führen bereits derzeit diverse Hybrid-Varianten in ihren Baureihen. Mit deren Verkaufszahlen lässt sich die Statistik leicht in die Höhe treiben. Die Entwicklung hin zu reinen E-Autos ist allerdings noch lange nicht abgeschlossen – auch wenn VW-Vorstands-Boss Herbert Diess sie aufgrund der erbitterten Konkurrenz von Tesla und Elon Musk massiv voranzutreiben versucht. (VW-Boss Herbert Diess brutal unter Druck – wegen Tesla und Elon Musk: So will er das Steuer rumreißen)

Weltweiter E-Auto-Verkauf: Tesla weiter führend – Volkswagen versucht zu überholen

Teil von „Mission T“, der Modell-Offensive, die zum Angriff auf Teslas Vormachtstellung bläst und den VW-Konzern fit für das kommende Elektro-Zeitalter machen soll, ist der kontinuierliche und gezielte Ausbau des Angebots an vollelektrischen Automobilen. Dies lässt sich an der Volkswagen-Hausmarke erkennen: Zum elektrischen Golf-Pendant VW ID.3 gesellen sich allein 2021 das Kompakt-SUV VW ID.4 sowie der Crossover VW ID.5, ein SUV-Coupé. Zudem ist eine Erweiterung der Produktpallette nach unten in Form eines E-Polo angedacht, die sogar die Umweltschützer von Greenpeace jubeln lässt. Wer auf dem E-Auto-Markt der Zukunft das Rennen macht, ist also keineswegs entschieden. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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