Von Gericht verurteilt

Tesla soll Unfallschäden an Model-S-Gebrauchtwagen verschleiert haben – die Strafe fällt hoch aus

  • Christian Schulz
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Elektro-Autobauer Tesla soll an einem Unfallwagen herumgeschweißt und das Model S ohne Hinweis auf die eklatanten Mängel verkauft haben. Ein Gericht verurteilt den Konzern.

Peking (China) – Weil Elektroauto-Hersteller Tesla strukturelle Vorschäden an einem gebrauchten Tesla Model S, das in China verkauft wurde, verschleiert haben soll, muss der US-Konzern von Tech-Milliardär Elon Musk den Käufer des Elektroautos entschädigen. Dies entschied laut einem Bericht des chinesischen Portals Caixin ein Pekinger Gericht.

Tesla soll Unfallschaden an gebrauchtem Model S verschleiert haben – so hoch ist die Strafe

Das Gericht in der Hauptstadt Chinas forderte Tesla demnach auf, dem Käufer des Tesla Model S umgerechnet etwa 144.000 Euro Schadenersatz zu zahlen. Die Richter seien zuvor zu dem Schluss gekommen, dass einige wesentliche Teile der Limousine nach einem vorangegangenen Unfall einfach wieder zusammengeschweißt worden seien. Da dies vom Gericht als Betrug gewertet wurde, verhängte es die hohe Geldstrafe. Gemäß des chinesischen Verbraucherschutzgesetzes müssen Unternehmen den dreifachen Kaufpreis eines Produkts erstatten, wenn festgestellt wird, dass sie die Ware auf betrügerische Art und Weise verkauft haben. (Altmaier sagt Tesla „beträchtliche Förderung“ zu: Wie viele Steuermillionen kassiert Elon Musk?)

Auf Teslas entsprechender Website stehe, dass jeder von dem E-Auto-Konzern verkaufte Gebrauchtwagen „eine interne Inspektion bestanden und eventuell leichte Reparaturen durchlaufen hat, um für den Wiederverkauf vorbereitet zu werden“. Gebrauchte Fahrzeuge würden jedoch „keinerlei Anzeichen von strukturellen Reparaturen“ aufweisen. Lediglich einige „kosmetische Gebrauchsspuren“ seien zu erwarten, heiße es von Seiten des kalifornischen Autobauers. (Elon Musk: Tesla-Chef zieht um – wird der Multimilliardär dadurch noch reicher?)

Tesla Model S: Auf den ersten Blick machen auch die meisten Gebrauchtwagen dieses Modells einen guten Eindruck.

Tesla soll Unfallschaden an Model S verschleiert haben – C-Säule und Kotflügel zusammengeschweißt

Der Besitzer hatte die gebrauchte Tesla Model S Limousine im Juni 2019 für umgerechnet 48.000 Euro erworben. Anschließend stellte der Chinese fest, dass die C-Säule und der hintere Kotflügel des Elektrofahrzeugs mehrfach auseinandergenommen und wieder zusammengeschweißt worden waren. Daraufhin verklagte der Mann Tesla auf Schadensersatz. (VW-Chef Herbert Diess wegen Tesla unter massivem Druck – so will er das Steuer rumreißen)

Eine vom Pekinger Gericht angeordnete Bewertung durch Sachverständige ergab, dass die Reparaturen möglicherweise die Fahrfähigkeit des E-Autos beeinträchtigen könnten. Aufgrund der Expertise der Gutachter kam das Gericht zu der Ansicht, dass der Kaufpreis des Gebrauchtwagens auf umgerechnet etwa 10.350 Euro hätte gesenkt werden müssen. (Tesla-Flotte mit gravierenden Mängeln: Taxi-Firma verlangt Riesen-Entschädigung)

Tesla bestritt im Rahmen des Verfahrens, dass es an dem betreffenden Fahrzeug strukturelle Schäden gegeben habe. Anhand der Gerichtsprotokolle sei jedoch ersichtlich, dass der Konzern zugegeben habe, dass das Tesla Model S im Januar 2019 in eine „geringfügige Kollision“ verwickelt gewesen sei. Dies habe einige Reparaturen erfordert. Gegenüber dem chinesischen Portal Caixin teilte das Unternehmen von Elon Musk mit, dass es gegen das Urteil Berufung einlegen wird. (Elon Musk will’s wissen: Größte Batteriefabrik der Welt und eigener Tesla nur für uns)

Tesla soll Unfallschaden an Model S verschleiert haben – immer wieder Klagen über Qualitätsmängel

Bereits in der Vergangenheit hatte Tesla mit zum Teil erheblichen Problemen bei der Qualitätskontrolle zu kämpfen. Im Oktober des Jahres 2020 fuhr der Käufer eines nagelneuen Tesla Model Y die Autobahn entlang – als sich urplötzlich das Dach des Autos löste und in hohem Bogen davon flog. Exakt das Gleiche passierte jüngst einem Tesla-Besitzer in China.

Zuvor waren verstörende Bilder aufgetaucht, auf denen zu sehen war, dass Tesla manchen Kunden – offensichtlich in Ermangelung anderer Materialien – Pfusch-Konstruktionen mit Baumarktteilen untergejubelt hatte. Die vielfache Kritik an der Fertigungsqualität des Elektroauto-Herstellers scheint eine unendliche Geschichte zu sein. Sie führt kuriosen Anekdoten – wie der eines Mannes, der seinen neuen Tesla aufgrund der „furchtbaren Qualitätskontrolle“ gegen einen gebrauchten VW Golf R Verbrenner tauschte.

Rubriklistenbild: © Tesla

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