Technisch kein Problem

Tesla Supercharger bald auch für andere Marken – provoziert Elon Musk Stau an Schnelllade-Stationen?

  • Christian Schulz
    vonChristian Schulz
    schließen

Tesla-Boss Elon Musk will fremde Marken an seinen Supercharger-Ladesäulen Strom zapfen lassen. Bis dato ist das nicht möglich – führt es in Kürze zu Stau an den Schnellladern?

Palo Alto (Kalifornien) – Der exzentrische Tesla-CEO Elon Musk hat mal wieder einen rausgehauen. Ganz wie es seine Art ist – knapp, direkt und quasi nebenbei auf Twitter. In Bezug auf die unternehmenseigenen Ladestationen des kalifornischen Elektroauto-Herstellers sagte der jüngst zum zweitreichsten Menschen der Welt aufgestiegene Tech-Milliardär: „Tesla Supercharger werden für andere Elektroautos zugänglich gemacht.“ Was das im Detail zu bedeuten hat, bleibt aus verschiedenen Gründen spannend.

An Supercharger-Ladesäulen werden künftig auch andere E-Autos laden können – verkündete Tesla-CEO Elon Musk auf Twitter.

Elon Musk will Tesla Supercharger auch für andere E-Autos zugänglich machen – warum erst jetzt?

Auslöser der überraschend definitiv klingenden Ansage von Elon Musk war eine direkt an den Tesla-Boss gerichtete Twitter-Anfrage des bekannten YouTubers Marques Brownlee (13,2 Millionen Abonnenten). Dieser hatte im Jahr 2018 von Musk höchstpersönlich eine Führung im Tesla-Stammwerk in Fremont inklusive eines Interviews mit dem Macher bekommen. Marques Brownlee wollte unbedingt von Elon Musk wissen, warum nicht auch andere Autohersteller auf das weit verbreitete Supercharger-Netz von Tesla zurückgreifen. (VW-Chef Herbert Diess heftig unter Druck – wegen Tesla und Elon Musk: So will er das Steuer rumreißen)

Und der Tesla-Chef antwortete tatsächlich – wenn auch nicht auf alle Einzelfragen des YouTubers. Elon Musk informierte, dass Anfragen in dieser Richtung durchaus vorhanden seien. Sie befänden sich allerdings noch in einem „Kind low key“-Zustand – seien also noch nicht so weit fortgeschritten, als dass man hier schon etwas verkünden könne. Bestimmte Elektrofahrzeuge oder Hersteller nannte Musk nicht. Der Konzernboss schloss aber mit Aussage, dass der Zugang zu den Supercharger-Ladestationen auch für andere Marktteilnehmer kommen werde. (Wieder Bau-Stopp für Tesla Gigafactory Grünheide: 100 Millionen Euro einfach nicht überwiesen)

YouTuber Marques Brownlee führte seinen Gedanken weiter und konnte gar nicht verstehen, warum auch nur ein einziger Hersteller auf die Chance verzichten würde, die Tesla Supercharger zu nutzen. Dass der Grund hierfür eher nicht bei komplizierten technischen Problemen zu suchen sein dürfte, zeigte sich im Sommer auch in Deutschland. Wie 24auto.de berichtete, konnten urplötzlich beliebige E-Autos an neuen V3-Supercharger-Säulen laden – nach Angaben von Tesla wegen eines Software-Fehlers. Das Problem: Das überraschend funktionierende Laden war für alle kostenfrei – die Frage der korrekten Abrechnung also vollkommen ungeklärt.

Letztlich dürften es also andere Motive sein, die bislang dafür gesorgt haben, dass die Supercharger ausschließlich von Tesla selbst und dessen Fahrzeugmodellen genutzt werden. Teilweise haben die Beweggründe sicher auch mit Marketing-Erwägungen und der Außendarstellung der konkurrierenden Autohersteller zu tun. Ein Twitter-Nutzer gibt beispielsweise zu bedenken: „Wie würde es aussehen, wenn Mercedes damit werben würde, dass ein neues E-Auto jetzt auch bei Tesla laden könne – weil das eigene Netz Mist ist?“ (Ladesäulen-Irrsinn: Pärchen im Porsche Taycan braucht neun Stunden für nur 210 Kilometer)

Bald soll man an den Supercharger-Ladestationen nicht mehr nur Tesla-Elektroautos sehen.

Elon Musk will Tesla Supercharger auch für andere E-Autos zugänglich machen – Beobachter skeptisch

Rein technisch wäre es für Tesla vermutlich ein Leichtes, seine Supercharger-Ladesäulen für andere Hersteller von Elektrofahrzeugen freizugeben. In Europa setzt der US-Konzern ohnehin auf den CCS-Standard, der von den europäischen Autobauern forciert wurde – und nicht wie in den USA auf den hauseigenen Tesla-Ladeanschluss. Die Anschlüsse der E-Autos und die Supercharger wären also auf dieser Seite des großen Teichs bereits kompatibel. (Wallbox: So finden Sie den richtigen Lader für Ihr Zuhause – so viel Geld gibt’s vom Staat)

Allerdings hegen Branchenkenner und Experten erhebliche Zweifel daran, dass Tesla einmal in größerem Stil E-Autos der Konkurrenz Zugang zu seinen Stromquellen gewährt. Denn das breitgefächerte Supercharger-Ladenetz gilt nicht umsonst als ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Unternehmens von Elon Musk. Letzen Endes entscheiden sich haufenweise Kunden gerade deshalb für einen Tesla, weil das Ladenetz des reinen E-Autobauers vergleichsweise gut ausgebaut ist. Würde Tesla seine Schnellladestationen massenhaft mit anderen teilen, würde der Konzern einen zentralen Wettbewerbsvorteil aufgeben. Denn andere Autohersteller haben bis dato nichts annähernd Vergleichbares zu bieten. (Tesla Autopilot noch mal auf kurvigster Straße der Welt: Lernt das System tatsächlich, wenn ...?)

Bei Tesla-Besitzern fällt das Echo auf Elon Musks vielsagende Ankündigung auf Twitter eher verhalten aus. Manche Tesla-Fahrer befürchten, dass sie zukünftig mit ihren Modellen längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Sollten die Öffnungspläne in die Tat umgesetzt werden, rechnen sie mit Staus und einer Überlastung der Ladestationen.

Rubriklistenbild: © Tesla

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare