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Tesla verliert Geld mit E-Autos: Trotzdem Rekordgewinn – so bessert Elon Musk die Bilanz auf

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Von: Christian Schulz

Tesla vermeldet Rekordgewinn: Der Ertrag konnte auf das 27-fache gesteigert werden. Die E-Autos allerdings machen Verlust – Elon Musk kompensiert es auf anderen Wegen.

Palo Alto (Kalifornien) – Elektroautobauer Tesla hat zu Beginn des Jahres 2021 seinen bisher höchsten Quartalsgewinn eingefahren. Das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk (49) verdiente im ersten Vierteljahr 438 Millionen US-Dollar (362 Millionen Euro) – nach nur 16 Millionen US-Dollar (13,25 Millionen Euro) im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Eine Steigerung auf das 27-Fache! Und ein absoluter Unternehmens-Rekord. Das Pikante daran: Es sind weiterhin nicht die E-Autos mit denen die Kalifornier ihr Geld verdienen – im Gegenteil: Mit dem Bau und Absatz der vollelektrischen Fahrzeuge macht der Konzern weiterhin Verlust – doch der trickreiche Elon Musk bessert mit anderen Geschäften die Bilanz auf. Trotz neuerlicher schwerer Probleme in China und bei der Gigafactory in Grünheide. Was steckt dahinter?

Ein Tesla Model X SUV steht vor dem Gebäude eines Tesla-Händlers.
Tesla steigert seinen Verdienst im ersten Quartal 2021 auf das 27-Fache. Am Verkauf von E-Autos liegt das nicht – pro verkauftem Fahrzeug verlor der Konzern 810 Euro. © David Zalubowski/dpa

Tesla verliert Geld mit E-Autos: Trotzdem Rekordgewinn – so bessert Elon Musk die Bilanz auf

Zunächst herrscht bei Teslas europäischem Prestige-Projekt, der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide, weiterhin maximale Unklarheit, ob und wann es grünes Licht der zuständigen Behörden für den Produktionsstart geben könnte. Denn ein konkreter Zeitpunkt für eine Entscheidung zur abschließenden Genehmigung der Fabrik steht nach wie vor nicht fest. „Das erste Auto rollt dann vom Band, wenn die endgültige Genehmigung vorliegt – und das Werk fertiggebaut ist“, betont Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). (Tesla-Boss Elon Musk: Riesen-Ärger wegen TV-Beitrag über Grünheide – „Schande über ZDF Info!“)

In Teslas Geschäftsbericht für das erste Quartal steht erstmals vielsagend, das Projekt sei auf Kurs, „spät im Jahr 2021“ mit Produktion und Auslieferungen zu beginnen. Der US-Konzern wollte eigentlich schon im Juli 2021 mit der Gigafactory Berlin-Brandenburg an den Start gehen. Ab dann sollten in Grünheide jedes Jahr bis zu 500.000 Elektroautos vom Band laufen. Produziert von rund 12.000 Mitarbeitern. In einer möglichen vierten Ausbaustufe sollen auf dem riesigen Betriebsgelände bis zu 40.000 Beschäftigte arbeiten – weil auf dem riesigen Gelände nicht nur ein eigenes Tesla-Modell für Europa gebaut werden, sondern auch die größte Batteriefabrik der Welt entstehen soll.

Die Baustelle der Tesla Gigafactory Berlin Brandenburg in Grünheide und Elon Musk (Symbolbild)
Teslas Gigafactory im brandenburgischen Grünheide ist beinahe fertig. Doch für Elon Musk gibt es neuen Ärger. (Symbolbild) © Patrick Pleul/Britta Pedersen/dpa

Genau da liegt das Problem: Denn Tesla möchte dazu erhebliche Teile des Genehmigungsantrags für die Gigafactory ändern – und dies geht weder einfach noch schnell. Wahrscheinlich wird der Branchenprimus in Sachen E-Autos daher erst Monate später mit der Produktion beginnen können als vom ehrgeizigen Tesla-Boss geplant. Bislang baut Tesla in Grünheide lediglich mit vorläufigen Genehmigungen – auf eigenes Risiko. Erst kürzlich hatten sich Elon Musk und Tesla bitter über die deutsche Politik und Langsamkeit der deutschen Bürokratie beklagt, die Bundesregierung angegriffen – und dabei sogar eine erstaunliche Allianz mit der Deutschen Umwelthilfe geschmiedet.

Tesla-Rekordgewinn: Konzern verliert Geld mit E-Autos – rund 810 Euro pro Fahrzeug

Der Umsatz des Unternehmens stieg im ersten Quartal 2021 massiv – um 74 Prozent (!) – auf 10,4 Milliarden US-Dollar (8,6 Milliarden Euro). Ein wichtiger Geldbringer war jedoch abermals der Handel mit Abgaszertifikaten, die andere Autobauer benötigen, um ihre Emissionsbilanz aufzubessern – und so gesetzliche Vorgaben etwa in Kalifornien oder Europa zu erfüllen. Dies brachte 518 Millionen US-Dollar (428 Millionen Euro) ein. Auch 24auto.de hat bereits ausführlich darüber berichtet, dass Tesla seine Gewinne nicht mit dem Verkauf von E-Autos erzielt – sondern Elon Musks Firma auf andere Weise ihr Geld verdient. Außerdem profitiert die Bilanz von Elon Musks Investition in die Kryptowährung Bitcoin, mit der das Unternehmen im Februar Schlagzeilen gemacht hatte. Tesla hatte sich für 1,5 Milliarden US-Dollar (1,25 Milliarden Euro) mit Bitcoins eingedeckt, dann selbige im Wert von rund 300 Millionen US-Dollar (248 Millionen Euro) wieder verkauft und daran 101 Millionen US-Dollar (84 Millionen Euro) verdient.

Ohne diese Einnahmen aus Emissions- und Bitcoinhandel, die zusammen 619 Millionen US-Dollar (512 Millionen Euro) einbrachten, hätte Tesla in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 unter dem Strich also 181 Millionen US-Dollar (150 Millionen Euro) verloren. In diesem Zeitraum haben die Kalifornier 184.877 E-Autos verkauft – im Vergleich zum Vorjahr immerhin mehr als eine Verdopplung und eine neuen Bestmarke in der Geschichte der 2003 gegründeten Firma. Das bedeutet aber, dass Tesla in Q1 pro verkauftem Auto rund 980 US-Dollar (810 Euro) Verlust gemacht hat. (Herbert Diess als Tesla-Boss: Wollte Elon Musk dem VW-Chef die komplette Leitung übergeben?)

Tesla-Rekordgewinn: Konzern verliert Geld mit E-Autos – PR-Probleme in China und den USA

Besonders auf dem wichtigen Markt China war die Nachfrage hoch – auch wenn Tesla hier zuletzt ebenfalls mächtig Ärger hatte. Ein junge Frau klagte den amerikanischen E-Autobauer bei einem Wut-Protest auf der Automobilmesse „Auto Shanghai 2021“ medienwirksam an – und behauptete, die Bremsen des Autos ihrer Eltern seien defekt gewesen. Nachdem Tesla das zurückwies, warfen chinesischen Behörden Elon Musks Konzern Arroganz vor – und die Firma entschuldigte sich eilig bei chinesischen Kunden.

Eine im Rahmen der Automobilmesse „Auto Shanghai 2021“ protestierende Frau steht auf dem Dach eines Tesla Model 3.
Eklat auf der „Auto Shanghai 2021“: Eine protestierende Frau steht auf dem Dach eines Tesla Model 3 und schreit ihre Wut heraus. © Screenshot YouTube (Mr. P - Nio Videos)

Im Rahmen der Präsentation der Quartalszahlen kam auch ein mysteriöser tödlicher Tesla-Crash mit einem Model S in Texas zur Sprache, bei dem der Tesla-Autopilot eine Rolle gespielt haben soll. Ein Tesla Model S war gegen einen Baum geprallt und ausgebrannt, beide Insassen starben. Die Polizei fand einen der Männer im Beifahrersitz und einen auf der Rückbank – und ging davon aus, dass zum Zeitpunkt des Unfalls niemand am Steuer saß. Das löste neue Debatten um Teslas Vorkehrungen gegen einen Missbrauch des Fahrassistenzsystems „Autopilot“ aus. (Tesla-Geständnis: Autonomes Fahren weit entfernt – doch Elon Musk verspricht „Full Self Driving“ für alle)

Das Ganze schlug derart hohe Wellen, das sich Tesla-Boss Elon Musk persönlich in die öffentliche Diskussion und laufenden Ermittlungen einschaltete: Der CEO verkündete, dass der Autopilot nach bisher verfügbaren Daten beim Unfall nicht aktiviert gewesen sei. Dementsprechende Berichte seien „vollkommen falsch“. Allerdings steht Tesla steht wegen der Bezeichnung „Autopilot“ schon lange unter Druck. Kritiker finden, dass der Name eine Übertreibung ist, die zu fahrlässiger Nutzung einlade. Die nächste Evolutionsstufe des Programms nennt Tesla sogar „Full Self-Driving“ (dt.: „komplettes Selbstfahren“) – obwohl es nach gängigen Kriterien lediglich ein Assistenzsystem bleibt. (Mit Material der dpa)

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