Billige Zusatz-PS

Tesla kämpft gegen Hacker: Update soll Drittanbieter-Tuning stoppen

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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So manchem Tesla-Kunden sind die hauseigenen Leistungs-Updates zu teuer: Sie greifen lieber zu günstigen Hacks von Drittanbietern. Doch das gefällt Tesla natürlich gar nicht.

  • Bei Tesla-Modellen lassen sich gegen Gebühr Zusatzfunktionen freischalten
  • Ein kanadischer Anbieter hat eine solche Funktion nun gehackt und bietet sie günstiger an als der Hersteller
  • Doch nun schlägt der Elektroauto-Hersteller aus Kalifornien zurück

Palo Alto – In der Automobilindustrie zeichnet sich aktuell ein Trend ab, den nicht jeder toll findet: Extras wie Sitzheizung oder Laserlicht werden künftig wohl überwiegend standardmäßig im Fahrzeug verbaut – und lassen sich dann später per Software gegen eine Gebühr freischalten („Functions on Demand“ nennt sich das Ganze). Es vereinfacht für die Hersteller die Produktion und stellt langfristige Einnahmen durch die Extra-Zahlungen beziehungsweise Abo-Gebühren sicher. Beim US-amerikanischen Autobauer Tesla gibt es das schon lange: Eine Batterie mit einer bestimmten Kapazität wird im Auto verbaut, aber durch Software auf eine bestimmte Prozentzahl begrenzt – gegen Geld gibt es dann mehr Energie. Dieses Geschäftsgebaren hat nun die kanadische Firma Ingenext auf den Plan gerufen. Sie „hackt“ die Teslas und verkauft das „Update“ deutlich günstiger als der von Elon Musk gelenkte E-Autobauer. Doch dem will Tesla nun offenbar einen Riegel vorschieben.

Tesla kämpft gegen Hacker: Ingenext bietet „Acceleration-Boost“ rund 900 US-Dollar günstiger an

Für Teslas Model 3 Dual Motor ist beispielsweise ein sogenannter „Acceleration-Boost“ erhältlich: Für 2.000 US-Dollar (rund 1.700 Euro) bekommt das Fahrzeug 50 Zusatz-PS, dadurch beschleunigt der Stromer etwa eine halbe Sekunde schneller von null auf 100 km/h. Ingenext bietet diese Option für nur rund 1.100 US-Dollar (rund 930 Euro) an: Das sogenannte „Boost 50 module“ wird im Beifahrer-Fußraum des Tesla (Tesla: Neue Mega-Maschine für Produktion – doch eine Frage beschäftigt das Netz) unterhalb des Handschuhfachs angedockt. Obendrein gibt es gleich noch ein paar andere Funktionen wie den „Drift-Mode“. Liest man allerdings das Kleingedruckte auf der Ingenext-Website, wird klar, dass man sich doch eher in der Grauzone bewegt: „Das Modul Boost 50 ist per Ferndiagnose nicht zu erkennen. Wenn Sie jedoch ein Service-Center besuchen oder wenn ein Techniker zu Ihnen nach Hause kommt, wird empfohlen, das Gerät vorher zu entfernen. Der Ein- und Ausbau dauert nur wenige Minuten.“

Any Boost50 buyers here? Just updated to 2020.32.2 and saw this message after the update. Other than the alert that hasn’t gone away I haven’t had any problems with driving - still am yet to visit a Supercharger though. from r/TeslaModel3

Tesla kämpft gegen Hacker: Ingenext warnt Kunden, das Update vorerst nicht zu installieren

Dass Tesla solche Praktiken sauer aufstoßen, liegt auf der Hand. Offenbar hat der kalifornische E-Autobauer (Mann tauscht brandneuen Tesla gegen gebrauchten Golf – „Billigauto mit teurer Batterie“) nun ein Update veröffentlicht, das den „Hack“ der Kanadier zumindest bemerkt, wie ein Reddit-User berichtet. Aktuell werden die Nutzer des Hack-Adapters nur gewarnt und auf mögliche Risiken hingewiesen. Die Fahreigenschaften bleiben erhalten – doch das könnte sich natürlich in Zukunft ändern. Wie Guillaume André, der Gründe von Ingenext, gegenüber dem Portal „Electrek“ erklärt, habe er seinen Kunden bereits eine Warnung geschickt, das Tesla-Update nicht aufzuspielen – bislang hätten dies nur drei Ingenext-Kunden getan. Aktuell arbeite man an einem Patch, der es Ingenext-Kunden ermöglicht, das Tesla-Update ohne Schwierigkeiten aufzuspielen. Dafür brauche man allerdings „ein bis zwei Wochen“.

Eine kanadische Firma bietet „Hacks“ für das Model 3 von Tesla an. (Symbolbild)

Vermutlich wird sich das Ganze zu einem dauerhaften Katz-und-Maus-Spiel zwischen Tesla (Tesla Model 3 verliert dieses Bauteil in Pfütze – „wie ein riesiger Fallschirm“) und Ingenext entwickeln: Während die eine Seite die eigene Software sicherer gegen Einflussnahme von außen macht, arbeitet die andere wieder an neuen Hacks. Und weil – wie eingangs erwähnt – viele Hersteller künftig auf freischaltbare Zusatzfunktionen setzen werden, dürften wir einen solchen Schlagabtausch zwischen Hersteller und Drittanbieter bald noch viel häufiger erleben.

Rubriklistenbild: © Tesla

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