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Tesla Gigafactory Grünheide: Störfall-Ärger – Umweltschützer kündigen Blockade an

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Von: Christian Schulz

Neuer Ärger für die Tesla Gigafactory in Grünheide: Umweltschützer kündigen Blockade an – wegen Störfall-Potenzial. Auch Elon Musk persönlich gerät ins Visier von Aktivisten.

Berlin – Die Schwierigkeiten für Tesla-Boss Elon Musk und seinen US-amerikanischen Elektroauto-Hersteller reißen nicht ab: In Sachen endgültiger Baugenehmigung für die bereits seit geraumer Zeit im Bau befindliche Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide drohen größere Schwierigkeiten – und nun auch neue zusätzliche Verzögerungen. Denn trotz der möglicherweise extremen Anfälligkeit der Anlage für lebensgefährliche Störfälle hat das Landesumweltamt des Bundeslandes Brandenburg dem Unternehmen den Probebetrieb erlaubt. Das bringt zahlreiche Umweltschutz-Aktivisten auf die Palme und dazu, auf die Barrikaden zu gehen: Sie wollen die Inbetriebnahme der Gigafactory blockieren. Zusätzlich wird Elon Musk auch auf einer anderen Baustelle Feuer gemacht: Aufgrund seines Verhaltens wird er von Internet-Hackern bedroht – die knallhart mit ihm abrechnen.

Die Baustelle der Tesla Gigafactory in Grünheide, dazu ein Feuerwehreinsatz auf einem Firmengelände (Symbolbild)

Giftige Wolken am Horizont? Ein Störfallgutachten stellt der Tesla Gigafactory in Grünheide ein verheerendes Zeugnis aus. (Symbolbild) © Patrick Pleul/Steven Hutchings/dpa

Tesla Gigafactory Grünheide: Störfall-Ärger – Umweltschützer wollen Betrieb blockieren

Was ist los in Grünheide? Ein Störfallgutachten spricht von möglichen Explosionen und giftigen Gasen. Wie der selbsternannte „Technoking of Tesla“ und sein Unternehmen damit umgehen, könnte für das Schicksal der Gigafactory entscheidend sein. Vor den Toren der deutschen Hauptstadt Berlin soll nach den Vorstellungen von Tech-Milliardär Elon Musk (49) eigentlich noch im Jahr 2021 mit der Produktion des Crossover-SUV Tesla Model Y begonnen werden. Allerdings mehren sich Berichte, dass der Start der Riesenfabrik der Kalifornier sich zum Leidwesen des Firmenchefs deutlich verschieben wird. Zum Teil ist von sechs Monaten und mehr an Verzögerung die Rede. Mittlerweile sehen Experten sogar die finale Genehmigung der europäischen Prestige-Fabrik des E-Autobauers in Gefahr.

Der Grund: Der Antrag zur Genehmigung des gigantischen Bauvorhabens im brandenburgischen Forst muss laut Landesumweltamt erneut öffentlich ausgelegt werden, weil Tesla mit der Gigafactory auch gleich die größte Batteriefabrik der Welt errichten möchte – und dies in den bisherigen Antrag einbeziehen will. Doch ein von Elon Musk und Tesla in Auftrag gegebenes Störfallgutachten stellt der Gigafactory Berlin-Brandenburg ein desaströses Zeugnis aus. Die Untersuchung der Experten ermittelt die Wahrscheinlichkeit von ernsten Unfällen. Laut Recherchen des Internet-Portals „Business Insider“ und des ZDF-Magazins „Frontal 21“ geht aus dem Gutachten hervor, dass die Gigafactory besonders anfällig für Störfälle sein könnte. Vor allem zwei Katastrophenszenarien sind in Grünheide relevant – die Ausbreitung von explosiven Gaswolken und der Austritt von giftigem Reizgas.

Eine Luftaufnahme der Baustelle der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide

In Grünheide sollen künftig neben E-Autos auch Batterien gefertigt werden – das würde maximal 40.000 Arbeitsplätze bedeuten. © Soeren Stache/dpa

Tesla Gigafactory Grünheide: Probebetrieb trotz Explosionsgefahr – Umweltschützer entsetzt

Aktuell hat das brandenburgische Landesumweltamt Tesla jedoch den Testbetrieb von Alu-Schmelzen, Druckguss-Maschinen, Karosseriebau und Lackiererei erlaubt. Ein Fakt, der angesichts des brisanten Störfallgutachtens durchaus merkwürdig anmutet: Denn dieses warnt vor schweren Gefahrenquellen in eben diesen Bereichen. (Tesla-Autopilot: Kalifornien ermittelt wegen FSD-Funktion – Täuschung durch Elon Musk?)

Die großen Umweltverbände NABU, BUND und Grüne Liga sind regelrecht entsetzt. NABU-Chefin Christiane Schröder empört sich gegenüber der Zeitung: „Wir erwarten, dass die Tests so lange ausgesetzt werden, bis die eklatanten Mängel im Störfall-Konzept nachgebessert sind. Sonst prüfen wir rechtliche Schritte!“ Auch Heinz-Herwig Mascher, der Boss der Grünen Liga, wettert: „Tesla muss erklären, wie Tests mit Chemikalien im Wasserschutzgebiet möglich sind. Wenn Umweltminister den Probebetrieb dennoch erlaubt, ist mit unserem Widerspruch zu rechnen!“ Das klingt mindestens nach neuen Klagen, viel Arbeit für die Gerichte und weiteren erheblichen Verzögerungen – vielleicht aber auch nach mehr. (Tesla verliert Geld mit E-Autos: Trotzdem Rekordgewinn – mit diesen Tricks bessert Elon Musk die Bilanz auf)

Tesla Gigafactory Grünheide: Elon Musk schimpft über Deutschland und seine Bürokratie

Der ganze Terz rund um die Tesla Gigafactory in Grünheide geht Multimilliardär Elon Musk jedenfalls gehörig auf die Nerven – und lässt ihn des Öfteren aus der Haut fahren. Auch bei seinem jüngsten Blitzbesuch in Berlin und Brandenburg hat sich der exzentrische CEO nicht zurückgehalten – sondern losgepoltert: Der Tesla-Boss nutzte die Chef-Visite zu einer harschen Schelte gegen die deutsche Bürokratie und Verfahrensweisen, die seiner Ansicht nach das Riesenprojekt des kalifornischen E-Auto-Herstellers im brandenburgischen Wald lähmen. Der bekennende Workaholic ist der Meinung, dass man in einem derart engen Regelkorsett nicht arbeiten könne: „Irgendwann darf man gar nichts mehr.“ Dass er und sein Konzern von der deutschen Politik enorme Hilfestellungen – auch finanzieller Art – erhalten, lässt er hingegen unerwähnt. (Tesla-Boss Elon Musk: Riesen-Ärger wegen TV-Beitrag über Grünheide – „Schande über ZDF Info!“)

Ein Hacker mit der für Anonymous typischen Guy-Fawkes-Maske und als Einklinker Tesla-Boss Elon Musk (Symbolbild)

In einem Anklage-Video droht ein Hacker mit der für Anonymous typischen Guy-Fawkes-Maske Tesla-Boss Elon Musk. (Symbolbild) © YouTube (YAC News), Susan Walsh/dpa

Tesla Gigafactory Grünheide: Anonyme Aktivisten drohen Elon Musk mit Konsequenzen

Von einer ganz anderen Warte droht Elon Musk auch persönlich gewaltiger Ärger: Hacker haben ihn ins Visier – und zumindest verbal bereits ins Kreuzfeuer – genommen. In einer eindeutigen Video-Botschaft drohen sie dem Tech-Milliardär mit schwerwiegenden Konsequenzen. Sein Verhalten, scheinbar aus purer Laune heraus per Twitter Börsenkurse zu beeinflussen, werde nicht ohne Folgen bleiben, heißt es. Daran schließen sich schlimmste Vorwürfe gegen den Tesla-CEO an. Anlass für die heftige Attacke waren extreme Kursschwankungen von Kryptowährungen in Folge von Musk-Tweets. Durch die Turbulenzen haben viele Menschen viel Geld verloren. Die anonymen Aktivisten unterstellen Elon Musk, die Märkte absichtlich manipuliert zu haben. Der steinreiche Unternehmer habe mit seinen „Spielchen mit den Kryptomärkten“ zahlreiche Leben mutwillig zerstört. Der Tesla-Boss wird als „narzisstisch reicher Kerl“ bezeichnet, dessen Antriebsfeder die Sucht nach Aufmerksamkeit sei.

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