Gesamtes Projekt in Gefahr?

Tesla-Boss Elon Musk in Sorge: Verhindern Eidechse und Natter die Gigafactory Berlin-Brandenburg?

  • Christian Schulz
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Die Gigafactory in Grünheide baut Tesla mit vorzeitigen Zulassungen. Durch Einwände von Umweltaktivisten gerät Elon Musks Mega-Projekt ins Stocken. Was das bedeutet, ist unklar.

Berlin/Grünheide – Aufgrund von Einwänden zahlreicher Kritiker und Umweltschützer kommt es möglicherweise zu erheblichen Verzögerungen des für 2021 geplanten Starts der neuen Gigafactory von US-Elektro-Autohersteller Tesla in Grünheide bei Berlin – oder gar zu einem grundsätzlichen Baustopp. Gegen Elon Musks Riesenprojekt vor den Toren der Hauptstadt sprechen aus Sicht von Anwohnern und Aktivisten eine Vielzahl von Gründen – unter anderem Zauneidechse und Schlingnatter.

In den Wäldern vor Berlin könnten Zauneidechse und Schlingnatter Tesla-Boss Elon Musk einen Strich durch die Rechnung machen. (Symbolbild)

Tesla-Boss Elon Musk in Sorge: Verhindern Eidechse und Natter die Gigafactory Berlin-Brandenburg?

Auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) rechnet mit einem Zeitverzug bei der Gigafactory Berlin-Brandenburg – betont aber im Wirtschaftsausschuss des Landtags: „Ich habe nach wie vor keine offiziellen Hinweise des Unternehmens, dass sich der Produktionsstart verzögert.“ Falls es dazu komme, liege der Grund aus seiner Sicht in den öffentlichen Anhörungen und der Bearbeitung der Einwände von Umweltaktivisten und Bürgern. (Tesla erzielt erstmals Gewinne – aber nicht durch Autoverkäufe: So verdient Elon Musks Firma ihr Geld)

Der kalifornische E-Auto-Hersteller will nach Plänen von Tesla-CEO Elon Musk eigentlich schon diesen Sommer in dem riesigen Werk in Grünheide mit der Produktion von Elektroautos beginnen. Weil die umweltrechtliche Genehmigung für die Gigafactory durch das Land Brandenburg nach wie vor aussteht, baut Tesla in einzelnen Schritten – über vorläufige Zulassungen. Eine weitere der bei Naturschützern umstrittenen Vorab-Genehmigung erteilte das Brandenburger Landesamt für Umwelt zuletzt für den Vorab-Einbau schwerer Maschinen. Der Zeitpunkt für die Entscheidung über eine endgültige Genehmigung ist weiter offen – ebenso wie die Entscheidung selbst. Gerade Letzteres dürfte Tesla-Boss Elon Musk und den Managern seines Elektroauto-Konzerns die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. (Altmaier sagt Tesla „beträchtliche Förderung“ zu: Wie viele Steuermillionen kassiert Elon Musk?)

Jackpot Berlin-Brandenburg? Trotz umfangreicher finanzieller Unterstützung von Bund und Ländern könnten Tesla-CEO Elon Musk langsam Zweifel kommen.

Tesla-CEO Elon Musk in Sorge: In Grünheide könnte jede Menge Geld versenkt werden

Ob der exzentrische Tech-Milliardär, der unlängst Jeff Bezos (Amazon) und Bill Gates (Microsoft) überholte und zum reichsten Menschen der Welt aufstieg, dies einfach so hinnehmen wird, darf bezweifelt werden. Sieht er sich doch als Visionär in ganz anderen Sphärenund möchte ein Spitzengespräch mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin führen. Aus Sicht des gebürtigen Südafrikaners, der mit rechtlichen Hürden in Deutschland und Europa bislang keine Erfahrungen hat, sind die Vorgänge in Grünheide jedenfalls mehr als ärgerlich. Einen Bauleiter der Riesenprojekts hat er bereits hochkant gefeuert.

Elon Musks großes Problem: Der Bau der Tesla-Gigafactory, neben der zusätzlich die größte Batteriefabrik der Welt entstehen soll, ist bereits weit fortgeschritten. In dem gigantischen Projekt steckt viel Tesla-Geld – ebenso wie umfangreiche staatliche Investitionen in den Standort Brandenburg. Doch Umweltschützer und Anwohner befürchten gleichermaßen, dass die Autofabrik erhebliche negative Folgen für die Natur in den Wäldern entlang der Spree hat. Daher sind mehrere Brandenburger Behörden noch immer mit der Prüfung unzähliger Einwände gegen das Tesla-Vorhaben beschäftigt. Dabei müssen sie eine acht (!) Tage lange Anhörung aus dem Herbst 2020 berücksichtigen. (Elon Musk will Tesla Roadster schon 2022 schweben lassen – mithilfe von Raketen-Kräften)

In Grünheide sollen neben E-Autos auch Batterien gefertigt werden. Das würde 10.000 weitere Arbeitsplätze bedeuten – aber auch erhebliche Umwelteinflüsse.

Elon Musk und Tesla in Sorge: Aktivisten laufen Sturm – wegen Zauneidechse und Schlingnatter

Zwei Umweltverbände wollen den Bau einer Anschlussstelle der Autobahn A 10 für das Werk stoppen. Der Naturschutzbund (NABU) und die Grüne Liga in Brandenburg legten Widerspruch gegen die Ausnahme von Verboten im Bundesnaturschutzgesetz ein – wegen des Artenschutzes der Zauneidechse. Das geht aus einem Schreiben an die Naturschutzbehörde Oder-Spree hervor. Die Ausgleichsmaßnahmen für Zauneidechsen reichten nicht aus, heißt es – außerdem werde die streng geschützte Schlingnatter überhaupt nicht berücksichtigt. Ebenso legten sie Widerspruch beim Brandenburger Landesamt für Umwelt ein – gegen die vorzeitigen Zulassungen für den Weiterbau der Gigafactory. (Multi-Millionär in acht Jahren: Anleger durch Tesla-Aktie steinreich – jetzt kündigt er den Job)

Tesla möchte sich zu schwebenden Verfahren und der ausstehenden Grundsatz-Entscheidung ebenso wenig äußern wie zu der Frage, ob es bereits definitive Verzögerungen im ambitionierten Zeitplan der Gigafactory gibt – und falls ja, was dies bedeuten würde. Es dürfte jedoch klar sein, wie wenig dem Elektroauto-Konzern die Vorgänge in Brandenburg in sein Europa-Konzept passen. Gerade angesichts massiver Kritik und gravierender Sicherheitsprobleme, die – auch in Deutschland – den Rückruf von mehr als 140.000 Tesla Model S und Tesla Model X erfordern. Darüber, welche Konsequenzen all dies möglicherweise hervorrufen könnte, lässt sich nur spekulieren. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © dpa/Hannibal Hanschke / Imago/blickwinkel

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