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Tesla Gigafactory Grünheide: Geschwärzter Bauantrag – was verschweigt Elon Musk?

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Von: Christian Schulz

Der geänderte Bauantrag für die Tesla Gigafactory in Grünheide ist 11.000 Seiten stark. Kritikern liefert er nur spärliche Informationen – denn entscheidende Stellen sind geschwärzt. Was verschweigt Elon Musk?

Berlin – In Sachen endgültiger Baugenehmigung für die bereits seit letztem Jahr im Bau befindliche Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide drohen Elektroauto-Hersteller Tesla größere Schwierigkeiten – und zusätzliche Verzögerungen. Denn der immense Wasserverbrauch und die möglicherweise extreme Anfälligkeit der Anlage für gefährliche Störfälle treiben Umweltschutz-Aktivisten auf die Barrikaden. Der Antrag zur Genehmigung des gigantischen Bauvorhabens musste erneut öffentlich ausgelegt werden, weil Tesla mit der Gigafactory auch gleich die größte Batteriefabrik der Welt errichten möchte. Dadurch wird aber eine erneute öffentliche Anhörung nötig, die es in sich haben dürfte. Denn jetzt zeigt sich: Beträchtliche Stellen des abgeänderten Bauantrags werden geheim gehalten – und sind geschwärzt!

Tesla Gigafactory Grünheide: Geschwärzter Bauantrag – was will Elon Musk verheimlichen?

Nach Vorstellung von Tech-Milliardär Elon Musk (49) soll noch im Jahr 2021 vor den Toren der deutschen Hauptstadt mit der Produktion des Crossover-SUV Tesla Model Y begonnen werden. Allerdings wird sich der Start der Riesenfabrik der Kalifornier zum Leidwesen des Firmenchefs wohl deutlich verschieben. Zum Teil ist von sechs Monaten und mehr Verzögerung die Rede. Mittlerweile sehen Experten sogar die finale Genehmigung der europäischen Prestige-Fabrik des E-Autobauers in Gefahr. Denn ein von Elon Musk und Tesla in Auftrag gegebenes Störfallgutachten stellt der Gigafactory Berlin-Brandenburg ein desaströses Zeugnis aus. Vor allem zwei Katastrophenszenarien sind in Grünheide relevant – die Ausbreitung von explosiven Gaswolken und der Austritt von giftigem Reizgas.

Eine Luftaufnahme der Baustelle der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide
In Grünheide sollen künftig neben E-Autos auch Batterien gefertigt werden – das würde viele Tausend neue Arbeitsplätze bedeuten. © Soeren Stache/dpa

Momentan baut Tesla in Grünheide ausschließlich mit vorläufigen Baugenehmigungen für einzelne Bauabschnitte. Doch aktuell hat das brandenburgische Landesumweltamt auch den Testbetrieb von Alu-Schmelzen, Druckguss-Maschinen, Karosseriebau und Lackiererei erlaubt. Die großen Umweltverbände NABU, BUND und Grüne Liga sind regelrecht entsetzt – und wollen wegen des Störfall-Ärgers sowohl den Probebetrieb als auch den neuen Bauantrag blockieren. Das klingt nach neuen Klagen, viel Arbeit für die Gerichte und weiteren erheblichen Verzögerungen – vielleicht aber auch mehr. Ungeachtet dessen fordert Tesla weitere Vorab-Genehmigungen und begründet dies mit öffentlichem Interesse an 12.000 neuen Jobs und einer „Beschleunigung der Energiewende“.

Elon Musk selbst droht währenddessen von einer ganz anderen Warte gewaltiger Ärger: Anonyme Hacker haben ihn ins Visier genommen. In einer eindeutigen Video-Botschaft rechnen sie mit dem Tech-Milliardär ab – und drohen ihm mit schwerwiegenden Konsequenzen.

Tesla Gigafactory Grünheide: Geschwärzter Bauantrag – kaum Transparenz

Die Neufassung des Bauantrags für die Gigafactory Berlin-Brandenburg umfasst satte 11.000 Seiten. Wohl dem, der da noch den Überblick behält. Grund für neue Aufregung rund um den geänderten Bauantrag der E-Auto- und Batteriefabrik liefern unzählige geschwärzte Stellen. Teilweise sind über die Hälfte einer Seite unkenntlich gemacht. Wesentliche Informationen werden dem Leser so vorenthalten. (Tesla-Boss Elon Musk: Riesen-Ärger wegen TV-Beitrag über Grünheide – „Schande über ZDF Info!“)

Eine geschwärzte Anlage zur Darstellung der Prozesse in der Tesla Batteriefabrik aus dem veröffentlichten Bauantrag
Eine Anlage zur Darstellung der Prozesse in der geplanten Tesla Batteriefabrik: veröffentlicht ja, aber in weiten Teilen geschwärzt © Tesla

Konkret wird Elon Musks neuer Gigafactory-Plan nur an wenigen Stellen: Tesla skizziert zwar die Produktion seiner neuen Li-Ion-Trockenzellen im angedachten Batteriewerk, belässt allerdings vieles ganz bewusst im Vagen – oder hält es gleich ganz geheim. Kaum zu glauben: Die Geheimniskrämerei betrifft mittlerweile sogar die veranschlagten Kosten des Bauvorhabens. Im vorherigen Bauantrag bezifferte Tesla diese noch mit etwa 700 Millionen Euro für den Rohbau und rund 1,1 Milliarden Euro für das Gesamtprojekt. Jetzt gilt auch hier – alles geschwärzt! Dabei entscheiden die Kosten über die Höhe der üppigen staatlichen Fördermittel aus Steuergeldern. Wie sich interessierte Bürger und Anwohner angesichts derart vieler zensierter Stellen des äußerst umfangreichen Bauantrags auch nur annähernd ein Bild davon machen sollen, was Tesla in Grünheide wirklich vorhat, bleibt ein Rätsel.

Tesla Gigafactory Grünheide: Geschwärzter Bauantrag – Einwände bis 16. August

Bis zum 17. Juli können die öffentlich ausgelegten Unterlagen in der Außenstelle Frankfurt/Oder des brandenburgischen Landesamtes für Umwelt (LfU), bei der Gemeinde Grünheide, dem Amt Spreenhagen, der Stadt Erkner und beim Landkreis Oder-Spree in Beeskow eingesehen werden. Außerdem sind sie hier im Internet nachzulesen.

Jeder Kritiker kann gegen das Mega-Projekt Einwände erheben – bis einschließlich 16. August. Am 13. September findet dann eine erneute öffentliche Anhörung in der Stadthalle Erkner statt – und Umweltschützer könnten das Vorhaben zu Fall bringen. Der Zeitpunkt einer endgültigen Entscheidung steht weiter in den Sternen. Doch Elon Musk und Tesla halten unbeirrt am Beginn der Produktion noch in diesem Jahr fest.

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