Bis zu 12.000 Mitarbeiter geplant

Tesla-Gigafactory in Grünheide: Erste Rohbau-Arbeiten können beginnen

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
    schließen

Der kalifornische Elektroauto-Hersteller Tesla plant in Grünheide den Bau einer großen Fabrik. Doch nun wurden die Pläne geändert. Geht dem E-Auto-Hersteller die Puste aus?

  • Seit Donnerstag sind die geänderten Bauunterlagen für die Tesla-Gigafactory in Grünheide einsehbar
  • Der kalifornische E-Autobauer plant offenbar nun an manchen Stellen eine Nummer kleiner
  • Unter anderem sollen diese Produktionsteile in dem Werk in Grünheide entfallen

Update vom 14. Juli 2020: Der US-Elektroautohersteller Tesla kann mit dem Bau des Fundaments für seine Fabrik in Grünheide bei Berlin loslegen – auch wenn die komplette umweltrechtliche Genehmigung noch aussteht. Das Brandenburger Landesumweltamt habe grünes Licht für die Zulassung des vorzeitigen Beginns von Gründungs- und Fundamentarbeiten gegeben, so das Landwirtschafts- und Umweltministerium in Potsdam. Auch Erd- und Rohbauarbeiten sowie der Bau von Verkehrsflächen auf dem Gelände seien möglich, nicht aber Arbeiten oberhalb von Pfahlgründungen und unterhalb des Grundwasserleiters – das ist ein Gesteinskörper mit Hohlräumen, der Grundwasser leiten kann. Tesla (Video: Tesla Model 3 verliert dieses Bauteil in Pfütze – „wie ein riesiger Fallschirm“) muss Auflagen etwa zum Gewässerschutz einhalten. In Grünheide sollen ab Juli 2021 maximal 500.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band rollen. Der kalifornische E-Autobauer rechnet für die erste Gigafactory in Europa mit bis zu 12.000 Mitarbeitern – vorgesehen ist ein Drei-Schicht-Betrieb.

Grünheide – Mal abgesehen vom Coronavirus war die Tesla-Gigafactory in Grünheide nahe Berlin eines der heißesten Themen der letzten Monate. Der E-Autobauer aus Kalifornien plant in Grünheide den Bau eines Werks mit einer Fertigungskapazität von bis zu 500.000 Fahrzeugen pro Jahr. Tesla hatte jedoch Änderungen beantragt – nun sind die geänderten Unterlagen einen Monat lang einsehbar. So wie es aussieht, ist der von Elon Musk geleitete Autobauer (Tesla verkauft jetzt rote Shorts: Das steckt hinter dem kuriosen Preis der kurzen Hosen) nun zumindest teilweise etwas defensiver bei seinem Vorhaben.

Tesla-Gigafactory in Grünheide: Gegenwind von Umweltschützern

Als Elon Musk im November 2019 den Bau einer Gigafactory in Deutschland verkündete, war das eine Sensation. Als jedoch bekannt wurde, dass am Standort Grünheide ein rund 150 Hektar großer Kiefernwald gerodet werden soll, kam es zu größern Protesten gegen das Projekt von Tesla („Kurzzeitiger Systemfehler“: Deutscher bestellt versehentlich 27 Tesla Model 3).

Nur wenige Tage nach Beginn der Rodungen wurden die Arbeiten vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gestoppt. Das Gericht hatte Eilanträgen der Umweltverbände Grüne Liga Brandenburg und Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern stattgegeben. Im Februar 2020 die Kehrtwende: Das Oberverwaltungsgericht wies die Beschwerde der Umweltverbände endgültig zurück und genehmigte die Fortsetzung der Rodungsarbeiten für den Bau der Gigafactory von Tesla (US-Qualitätsstudie zu Neuwagen: Tesla landet auf dem letzten Platz).

Die Pläne für den Bau der Gigafactory in Grünheide wurden nochmal geändert und liegen nun zur Einsicht aus.

Von der Baustelle in Grünheide gibt es auf YouTube beeindruckende Drohnen-Aufnahmen des 13-jährigen Silas Heineken mit dem Pseudonym „Tesla Kid“. Nachdem es bei einem seiner Drohnenflüge über das Gelände zu einem Polizei-Einsatz gekommen war, hatte der Jugendliche Tesla-Chef Elon Musk persönlich um eine offizielle Erlaubnis gebeten. Begleitet von einem riesigen Social-Media-Echo hatte Tesla Kid am Ende auch tatsächlich den Segen von Elon Musk bekommen. Hier sind die Aufnahmen:

Tesla-Gigafactory in Grünheide: Geht dem E-Autobauer etwa die Luft aus?

Seit Donnerstag sind nun geänderte Bauunterlagen für die Fabrik öffentlich einsehbar. Offenbar wird die Gigafactory in Grünheide nur noch eine statt – wie bislang geplant – zwei Etagen haben. Auf der Website für Umweltverträglichkeitsprüfungen der Länder heißt es: „Reduzierung der Höhe des Produktionsgebäudes in großen Teilen von 24 m auf 15,2 m“ – davon ausgenommen sind demnach aber die Lackiererei und das Presswerk.

Laut den geänderten Unterlagen wird es in Grünheide nun auch keine Batteriefertigung geben. Und auch die Kunststofffertigung wurde gestrichen. Geht Tesla (Tesla trotzt Krise: Bald einer von nur noch 10 Autoherstellern auf der Welt?) also bei dem Projekt die Luft aus?

Die Bauarbeiten auf dem Gelände der künftigen Gigafactory in Grünheide sind bereits im Gange.

Tesla-Gigafactory: Änderungen beim Trinkwasserbedarf

Schwer zu sagen: Denn im Gegenzug wurde beispielsweise die Kapazität der Gießerei (hier werden Aluminium-Gussteile hergestellt) laut den Unterlagen erhöht. Außerdem soll nun die Art des Fundaments geändert werden: Hier sind nun sogenannte Pfahlgründungen geplant. Neu in den Planungen sind außerdem der Bau einer Umspannstation, eines Feuerwehrgebäudes und Gefahrstofflagers. Eine Sache die den Umweltschützern wenig gefallen dürfte: Laut den neuen Plänen soll auch mehr Wald gerodet werden, nämlich 193 statt 154 Hektar

Auf dem Gelände sind schon erste Fortschritte erkennbar.

Auch beim Wasserbedarf gibt es laut den ausliegenden Unterlagen Änderungen: Der Bedarf an öffentlichem Trinkwasser soll auf einen stündlichen Spitzenwert von 233 Kubikmetern sinken. An Abwasser sollen pro Stunde nicht mehr als 151 Kubikmeter ins öffentliche Netz eingeleitet werden. Der maximalen Trinkwasserbedarf pro Jahr wird in den Unterlagen auf rund 1,42 Millionen Kubikmeter beziffert, die jährliche Höchstmenge an Abwasser auf rund 925.000 Kubikmeter.

Geplant ist die Inbetriebnahme der Gigafactory bereits für Juli 2021. Produziert werden soll in Grünheide zunächst das Tesla Model Y (Qualitätsprobleme beim Model Y: Worüber sich Tesla-Kunden massiv beschweren), später soll auch das Model 3 hier gefertigt werden. Aus Sicht von Elon Musk bleibt zu hoffen, dass seinem Vorhaben nicht ein ähnliches Schicksal droht wie dem immer noch im Bau befindlichen Flughafen Berlin-Brandenburg, der nur rund 30 Kilometer liegt – der hätte nämlich schon im Jahr 2011 eröffnen sollen.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema