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Tesla-Boss Elon Musk sauer auf deutsche Bürokratie – „Irgendwann darf man gar nichts mehr“

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Von: Christian Schulz

Elon Musk ledert los: Der Tesla-CEO nutzt seine Chef-Visite auf der Problem-Baustelle der Gigafactory in Grünheide für eine Attacke auf die deutsche Bürokratie.

Update vom 19.05.2021, 10:24 Uhr: Bei seinem Blitzbesuch der Tesla Gigafactory in Grünheide bei Berlin hat sich Tesla-CEO Elon Musk nicht zurückgehalten. Der selbsternannte „Technoking of Tesla“ nutzte die überraschende Chef-Visite zu einer Schelte gegen die deutsche Bürokratie und Verfahrensweisen – die seiner Ansicht nach das Riesenprojekt des kalifornischen E-Auto-Herstellers im brandenburgischen Wald über Gebühr lähmen.

Es ist nicht schwer zu erraten, dass der exzentrische Workaholic offenbar der Meinung ist, dass man in einem derart eng empfundenen Regelkorsett nicht arbeiten könne. Daher spart der Tech-Milliardär auch nicht mit Ratschlägen: „Ich denke, es wäre besser, wenn es weniger Bürokratie gäbe. Eine Gesellschaft sammelt mit der Zeit immer mehr Regeln an – und irgendwann darf man gar nichts mehr.“ Gegenüber RTL sagte er, es müsse einen aktiven Prozess geben, der einige dieser Regeln wieder entfernt. Auch wenn Elon Musk weiterhin betont, an den Standort Deutschland zu glauben, wünsche er sich eine effizientere und unternehmerfreundlichere Haltung. Dass er und sein Konzern von der deutschen Politik enorme Hilfestellungen – auch finanzieller Art – erhalten, lässt er hingegen unerwähnt. (Tesla Gigafactory Grünheide: Bricht Störfall-Gutachten der Riesenfabrik das Genick?)

Trotzdem gibt sich Elon Musk im Gespräch mit dem TV-Sender zuversichtlich, was den Fortschritt des Mega-Projekts angeht. „Es sieht so aus, als könnten wir Ende des Jahres mit der Produktion beginnen.“ Eine Hintertür lässt sich der gewiefte Geschäftsmann allerdings offen: Es sei schwierig, präzise Vorhersagen zu machen. Ursprünglich sollten bereits im Juli die ersten Tesla-Modelle vom Band rollen – der Termin wurde im April auf Ende 2021 verschoben. Das Problem: Es fehlt weiterhin eine endgültige Baugenehmigung – für das Elektroauto-Werk wie auch die angeschlossene Batteriefabrik. Bislang baut Tesla die Gigafactory Berlin-Brandenburg mit vorläufigen Genehmigungen auf eigenes Risiko. Geht das schief, müsste im Extremfall die gesamte Baustelle zurückgebaut werden.

Gigafactory Grünheide: Tesla-Boss Elon Musk zu Chef-Visite auf Problem-Baustelle

Erstmeldung vom 17.05.2021, 17:08 Uhr: Berlin – Tesla-Chef Elon Musk hat es offensichtlich nicht mehr ausgehalten. Der selbst ernannte „Technoking of Tesla“ wollte sich persönlich ein Bild vom Baufortschritt der neuen europäischen Prestige-Fabrik des kalifornischen E-Auto-Herstellers im brandenburgischen Grünheide machen. Die Arbeiten an der südöstlich von Berlin im Forst gelegenen Gigafactory Berlin-Brandenburg, die zusätzlich einmal die größte Batteriefabrik der Welt beherbergen soll, gehen zum Leidwesen des 49-jährigen Tech-Milliardärs nur schleppend voran. Die Produktion des Automobilwerks wird wohl erst mehrere Monate später als ursprünglich geplant starten können. Die äußerst ambitionierten Fertigungsziele des ehrgeizigen Firmenbosses sind so nicht zu erreichen. Das wurmt den exzentrischen Tesla-CEO natürlich enorm. Jetzt wollte er offenbar selbst nach dem Rechten sehen. Doch was ist der genaue Grund? (Tesla Gigafactory Grünheide: Elon Musk muss Start verschieben – Minister entschärft)

Tesla-Chef Elon Musk auf der Baustelle der Tesla Gigafactory in Grünheide mit Schutzhelm im Arm.
Pokerface? Bei seinem Besuch auf der Baustelle der Tesla Gigafactory in Grünheide lässt sich Elon Musk betont relaxt ablichten. © Christophe Gateau/dpa

Zumindest dazu gab Elon Musk gegenüber der Öffentlichkeit zunächst keine Stellungnahme ab. Fakt ist: Elektro-Autobauer Tesla wollte ursprünglich bereits im Juli 2021 mit der Produktion des Tesla-SUV Model Y in Grünheide beginnen. Es droht jedoch ein weitaus späterer Start: Der Antrag zur Genehmigung des Vorhabens muss laut Landesumweltamt erneut öffentlich ausgelegt werden, weil Tesla eine gigantische Batteriefabrik in den bisherigen Antrag einbeziehen will. Das man derart riesige Bauvorhaben in Deutschland nicht einfach so hinzufügen oder bestehende Bauprojekte einfach umwidmen kann, ist für das US-Unternehmen und seinen CEO offensichtlich Neuland. Und dafür bezahlt man eben Lehrgeld. Auch wenn das natürlich keiner gerne macht – und erst recht keiner gerne zugibt. (Tesla Cybertruck cruist durch New York: Elon Musk enthüllt seine Krankheit im TV – bei „Saturday Night Live“)

Daher versucht Elon Musk gegenzusteuern, wo er eben kann: Teilweise sogar mit Attacken auf die Bundes- und Landesregierung, die ihn und seinen Autohersteller eigentlich nach Kräften fördern. Auch schmiedet er zuweilen sogar äußerst merkwürdige Allianzen – wie etwa mit der Deutschen Umwelthilfe. Vor einigen Wochen hatte Tesla das Genehmigungsverfahren rund um die Fabrik kritisiert und sich insbesondere unzufrieden damit gezeigt, dass es noch keinen Zeitplan für die Entscheidung über eine endgültige Genehmigung gebe. Bisher baut der Konzern lediglich auf Basis von vorläufigen Genehmigungen. (Altmaier sagt Tesla „beträchtliche Förderung“ zu: Wie viele Steuermillionen kassiert Elon Musk?)

Die Baustelle der Tesla Gigafactory Berlin Brandenburg in Grünheide und Elon Musk (Symbolbild)
Teslas Gigafactory im brandenburgischen Grünheide soll fertig gestellt werden. Doch für Elon Musk wartet vorher jede Menge Ärger. (Symbolbild) © Patrick Pleul/Britta Pedersen/dpa

Gigafactory Grünheide: Tesla-Boss Elon Musk – viele Probleme, keine Treffen mit der Politik

Wie genau es in Grünheide weitergeht und mit welchen Verzögerungen wirklich zu rechnen ist, steht in den Sternen. In Teslas Geschäftsbericht für das erste Quartal heißt es, das Projekt sei noch immer auf Kurs, bis Jahresende mit der Produktion in Brandenburg und ersten Auslieferungen nach Europa zu beginnen. (Tesla-Boss Elon Musk: Riesen-Ärger wegen TV-Beitrag über Grünheide – „Schande über ZDF Info!“)

Elon Musk traf relativ kurzfristig in Deutschland ein. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium wurde nach eigenen Angaben erst wenige Tage zuvor über den Kurzbesuch des Starunternehmers informiert. Können die Politiker aufdecken, was der konkrete Anlass der Chef-Visite des Tesla-Bosses ist? Viel ist ihnen jedenfalls nicht zu entlocken: Der Zweck des Besuchs sei hauptsächlich „technischer Natur“ – politische Treffen etwa mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) oder ihm seien nicht geplant, twitterte dessen Parteifreund und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach. So viel ist jedoch sicher: In Grünheide warten auf einen der reichsten Männer der Welt gewaltige Probleme. (Tesla-Boss Elon Musk in Sorge: Verhindern Eidechse und Natter die Gigafactory Berlin-Brandenburg?) (Mit Material der dpa)

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