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Tesla-Boss Elon Musk: Riesen-Ärger wegen TV-Beitrag über Grünheide – „Schande über ZDF Info!“

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Von: Christian Schulz

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Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ hat sich Teslas Gigafactory in Grünheide vorgenommen. Und dabei Tweets von Elon Musk verkürzt. Der Tesla-Boss ist außer sich – und giftet zurück.

Berlin – In der öffentlichen Diskussion um die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg ist zusätzlicher Streit entbrannt. Allerdings an einer ganz neuen Front. Aufgrund eines aktuellen Medienberichts zu der Elektroauto-Fabrik liefert sich Tesla-Boss und Tech-Milliardär Elon Musk ein heftiges Scharmützel mit dem TV-Magazin „Frontal21“. Der erzürnte Konzernlenker fährt dabei ebenso aus der Haut wie seine Anhänger und die Betreiber des Blogs „Tesmanian“. Sie alle werfen der im ZDF und seinem Spartenkanal ZDFinfo ausgestrahlten Sendung nicht nur tendenziöse Berichterstattung vor – sondern sogar Manipulation mittels bewusst verfälschter Musk-Tweets. Elon Musk scheut sich dabei nicht, den Verbal-Hammer auszupacken – und wettert: „Schande über ZDF Info!“ Was ist geschehen?

Tesla-CEO Elon Musk bei einem Besuch der Gigafactory-Baustelle in Grünheide (Symbolbild)
Versteht die Welt nicht mehr: Tesla-CEO Elon Musk fragt sich, was das ZDF von ihm will – und wütet los. (Symbolbild) © Patrick Pleul/dpa

Tesla-Boss Elon Musk: Riesen-Ärger wegen TV-Beitrag über Grünheide – „Schande über ZDF Info!“

Tesla-Fans sehen vor allem das finanzielle Engagement von Elon Musk in einer strukturschwachen Region Deutschlands gering geschätzt: Die Investitionen für Teslas erstes europäisches Werk in Grünheide vor den Toren der Hauptstadt Berlin belaufen sich angeblich auf gigantische sechs Milliarden Euro. So berichtet es zumindest „Frontal 21“ in seiner 43-minütigen Dokumentation „Turbo, Tempo, Tesla – Elon Musk in Brandenburg.“ Eine Sprecherin des Brandenburger Wirtschaftsministeriums bestätigt eine entsprechende Anfrage: „Die Größenordnung stimmt.“ Tesla selbst möchte zum Investitionsvolumen nach wie vor keine Angaben machen. (Tesla gesteht: Autonomes Fahren in weiter Ferne – aber Elon Musk verspricht „Full Self Driving“ für alle)

Die derzeit im Bau befindliche Gigafactory Berlin-Brandenburg – um die es dank ausgebliebener Garantiezahlungen und fehlender Genehmigungen immer wieder Zoff gibt – soll eigentlich bereits im Juli die Produktion aufnehmen. Nach dem festen Willen von Elon Musk sollen ab dann pro Jahr 500.000 E-Autos in Grünheide vom Band laufen. Zuletzt drohten allerdings gravierende Umweltschutzgründe den ambitionierten Zeitplan der Kalifornier in Verzug zu bringen – oder das Projekt im Extremfall sogar ganz zu Fall zu bringen. Zusätzlich will der exzentrische Tesla-CEO Elon Musk auf dem riesigen Gelände inmitten des Brandenburger Forsts auch die weltgrößte Batteriefabrik errichten. In für gewöhnlich gut unterrichteten Branchenkreisen war immer wieder von Investitionen im mittleren einstelligen Milliardenbereich die Rede – allerdings noch ohne die Batteriezellenfertigung.

Für anhaltende Aufregung sorgt in diesem Zusammenhang die seit Monaten andauernde Debatte um Grundwasserverseuchung und vor allem den hohen Wasserverbrauch des brandenburgischen Tesla-Werks. Denn auch das ZDF-Magazin „Frontal 21“ widmete sich erneut diesem heiklen Gesichtspunkt. „Die Trinkwasserversorgung wird geopfert – auf dem Gabentisch der Wirtschaftspolitik“, echauffierte sich der Chef des Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE), André Bähler, gegenüber den ZDF-Journalisten. Er befürchte, dass es durch das Mega-Projekt der Elektroauto-Fabrik zu drastischen Einschränkungen beim Trinkwasser kommen werde. (Tesla mit Bitcoin bezahlen: Elon Musk ermöglicht Autokauf per Digitalwährung – aber nicht überall)

Ein mit einer deutschen Übersetzung versehener Tweet von Elon Musk
Darum geht es: Die Redakteure des ZDF-Magazins „Frontal 21“ haben deutsche Übersetzungen von Musks Tweets gekürzt. © Twitter (@alex_avoigt)

Tesla-Boss Elon Musk stocksauer über deutschen TV-Bericht: Gibt es in Grünheide nicht genug Wasser?

Zwar ist für die erste Ausbaustufe von Teslas Riesen-Baustelle die Belieferung durch den WSE gesichert – doch für weitere stehe vor Ort nicht genügend Wasser zur Verfügung, klagt André Bähler. Auch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel kommt in der ZDF-Sendung zu Wort – und bestätigt dies: Wie er sagt, würden mit Hochdruck andere Optionen geprüft – wenn auch dort nicht genügend Wasser vorhanden sei, könne es sein, dass sich das ehrgeizige Musk-Projekt nicht realisieren lasse. Tesla-Chef Elon Musk hingegen bestritt in einer Stellungnahme an „Frontal 21“ jegliche möglichen Wasserprobleme: „Im Grunde sind wir nicht in einer sehr trockenen Region. Die Bäume dort würden nicht wachsen, wenn es kein Wasser gäbe. Wir sind ja hier nicht in der Wüste“, zitiert der öffentlich-rechtliche TV-Sender den Multimilliardär. (Elon Musk lädt Wladimir Putin zum Spitzengespräch: Worüber mag der Tesla-Boss auf Clubhouse reden?)

Die dazu bisher bekannten Fakten: Elektroauto-Branchenprimus Tesla veranschlagt für das europäische Prestige-Werk im „Autoland“ Deutschland bei voller Auslastung von 500.000 Fahrzeugen einen maximalen Wasserverbrauch von 1,4 Millionen Kubikmetern pro Jahr. Wohlgemerkt handelt es sich hierbei um den geschätzten Maximalbedarf unter ungünstigen Konditionen – im regulären Betrieb soll der Verbrauch jedoch laut des E-Autobauers deutlich niedriger sein. So zumindest die Behauptung. Für das gesamte Gigafactory-Areal, das Tesla mit der Zeit kräftig ausbauen möchte, setzt der Konzern einen theoretischen Höchstwert von 3,6 Millionen Kubikmetern Wasser pro Jahr an. (Tesla erzielt erstmals Gewinn – aber nicht durch Autoverkäufe: So verdient Elon Musks Firma ihr Geld)

Tesla-Boss Elon Musk stocksauer über deutschen TV-Bericht: Heftige Vorwürfe gegen das ZDF

Der Hammer-Vorwurf von Elon Musk und seinen Anhängern gegen das ZDF-Magazin „Frontal 21“: Angeblich habe die Redaktion der Sendung eine Twitter-Botschaft des Tesla-Chefs aus dem Januar 2020 ganz bewusst und mit niederen Motiven manipuliert – um ein tendenziöses und für das US-Unternehmen unvorteilhaftes Narrativ zu etablieren. Stein des Anstoßes sind dabei deutsche Übersetzungen, die von den Journalisten in die original Musk-Tweets hineinmontiert wurden. (Tesla Roadster: Elon Musk will E-Auto schweben lassen – mit Raketen-Power von SpaceX)

Ein deutscher Tesla-Fan aus der Musk-Bubble auf Twitter klagte diese Vorgehensweise vehement an – und bezeichnete einzelne der gezeigten Tweets auf Englisch als „seriously doctored“ (dt.: „schwerstens bearbeitet“). Damit nicht genug: der Twitter-User zeterte weiter, „ZDF Info & die gesamte Redation sollte sich schämen“. Auch der engagierte Tesla-Blog „Tesmanian“ berichtete ausführlich über die Affäre. Das alles führte zu einem heftigen verbalen Schlagabtausch. Schließlich erklärte ZDFinfo in einer Twitter-Antwort, die Aussagen Elon Musks zwar gekürzt zu haben – inhaltlich sei jedoch alles korrekt widergegeben worden.

An einem bestimmten Punkt der Auseinandersetzung in dem Social-Media-Netzwerk schaltete sich sogar der selbst ernannte „Technoking of Tesla“ Elon Musk höchstselbst ein – und griff „Frontal 21“ mit oben zitierten harten Worten an: „Wow, shame on ZDFinfo!“ Als Konter auf diese heftige Medienschelte forderte die Redaktion der TV-Sendung den Top-Manager dazu auf, sich einem Interview zu stellen. Es blieb nicht der einzige Konter: „Wir haben uns nichts ausgedacht, wir haben einen Teil nicht zu Ende zitiert“, verteidigte die an dem Bericht beteiligte Frontal-Redakteurin Manka Heise die umstrittene Kürzung der Twitter-Ausrisse. (Mit Material der dpa)

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