Besitzer verunsichert

Tesla streicht Garantien radikal zusammen – traut Elon Musk der eigenen Qualität nichts zu?

US-Unternehmer Elon Musk macht ein nachdenkliches Gesicht.
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Die jüngsten Änderungen von Teslas Garantiebestimmungen machen stutzig: Traut Elon Musk etwa seinen eigenen E-Autos nicht?
  • Christian Schulz
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Tesla hat die Garantien für seine Gebrauchtwagen drastisch gekürzt. Der Schritt verunsichert viele Tesla-Fahrer: Traut Elon Musk der Qualität seiner eigenen E-Autos nicht?

Palo Alto (Kalifornien) – Dass Tesla den Umfang der Garantien für gebrauchte Modelle erheblich reduziert hat, lässt viele Tesla-Fahrer grübeln: Ist die Garantiekürzung ein Indiz dafür, dass der US-Konzern seine eigene Fertigungsqualität infrage stellt?

Fakt ist: Das gebrauchte Tesla Model S und das Tesla Model X aus Elon Musks E-Autoschmiede erhalten nicht länger dieselbe großzügige Garantie wie bisher. Damit werden der langfristige Besitz von E-Autos des kalifornischen Herstellers oder der Erwerb von gebrauchten Tesla-Fahrzeugen wohl ein heikles und vieldiskutiertes Thema.

Tesla kürzt Garantien radikal – traut Elon Musk der eigenen Qualität nicht?

Im Gegensatz zu konventionell angetriebenen Autos sind die Elektromobile einfach noch nicht lange genug auf dem Markt, um Langzeitanalysen in Sachen Haltbarkeit und Verschleiß anzustellen. Es bleibt also weiter unklar, was genau passiert, wenn sich die gefahrenen Kilometer häufen. Erste Anzeichen und Erfahrungen sprechen zwar dafür, dass ein durchschnittliches Tesla Model S wohl etwa 1,2 Millionen Kilometer laufen könnte. Zumindest ist Tesla selbst felsenfest davon überzeugt. Aus diesem Grund ging das Unternehmen von Elon Musk im letzten Jahr sogar so weit, keine jährlichen Wartungs- und Servicepläne an seinen Fahrzeugen mehr zu empfehlen: Überflüssig, weil zu zuverlässig – zumindest laut Angaben des US-Konzerns. (Tesla-Update „aus Versehen“ kostet Model-3-Fahrer über 4.000 Dollar)

Tesla hatte vor dieser weitreichenden Entscheidung Milliarden von Kilometern realer Fahrdaten von Tesla-Modellen aus aller Welt gesammelt. Durch den Abgleich mit internen Studien zu Fahrzeugzuverlässigkeit, Haltbarkeit und Sicherheit stellte das Unternehmen angeblich fest, dass es seine Kunden nicht zur regelmäßigen Wartung bitten muss. (Tesla-Autopilot: Das Assistenzsystem von Elon Musk bremst auch für Cheeseburger)

Tesla Model X: Das E-Auto fällt vor allem durch seine extravagante Flügeltür-Konstruktion auf.

Tesla kürzt Garantien radikal – der Schritt wirft viele Fragen auf

All dies lässt den jüngsten Schritt der Kalifornier, nämlich die erhebliche Verkürzung der Garantie für gebrauchte Tesla-Modelle in den USA, durchaus seltsam anmuten. Ob das dem selbstbewussten Vertrauen in Qualität und Langlebigkeit der von Teslas Fabriken hergestellten Elektroautos widerspricht, bleibt unklar – allerdings erweckt es zumindest den Anschein, als sei dies der Fall. Wozu sonst dieser radikale Schnitt in Sachen Gebrauchtwagengarantie? (Tesla Model Y: Besitzer deckt neue Pfusch-Konstruktion mit Baumarktteilen auf)

Wie das Portal „Electrek“ berichtet, gewährte Tesla in den USA bislang auch auf gebrauchte SUV des Tesla Model X oder Limousinen des Tesla Model S kulante zwei bis vier Jahre Herstellergarantie. Wenn ein Fahrzeug weniger als vier Jahre alt war und zum Zeitpunkt des Kaufs weniger als 80.500 Kilometer gefahren wurde, wurde eine beschränkte Garantie von eben diesen vier Jahren beziehungsweise 80.500 Kilometern gewährt. Wenn ein E-Auto bereits länger genutzt wurde oder bis zu sechs Jahre alt war, galt die beschränkte Garantie für bis zu 2 Jahre nach dem Kauf beziehungsweise bis zu insgesamt 161.000 gefahrenen Kilometern. (Neuer Tesla Model Y: Glasdach macht Abflug – gleich am ersten Tag)

Nun wurde vor dem anstehenden Finanzbericht für das dritte Quartal 2020 die Gebrauchtwagengarantie auf pauschal nur noch ein Jahr beziehungsweise 16.100 Kilometer reduziert. Ein heftiger Abschlag. Im Endeffekt bedeutet dies, dass im Vergleich zu den vorher gültigen Garantien nur mehr ein Fünftel der Kilometerleistung oder ein Viertel der Lebensdauer abgedeckt sind, wenn man beispielsweise ein Tesla Model S von 2017 mit rund 64.000 gefahrenen Kilometern kauft. Ein gebrauchter Tesla von 2019 wäre daher die viel bessere Wahl, da zumindest auf den Großteil der Garantie noch Anspruch bestünde. Eine enttäuschende Nachricht für alle, die durch den Kauf eines etwas älteren Fahrzeugs sparen möchten. (Tesla-Autopilot: Elon Musk kündigt spektakulären Beta-Test an – doch es gibt einen Haken)

Tesla Model S: Auch für gebrauchte Elektrofahrzeuge dieses Modells hat Tesla seine Garantien reduziert.

Tesla kürzt Garantien radikal – Glaubwürdigkeit von Elon Musks Firma leidet

Mit der Garantiekürzung schaffen Elon Musk und Tesla neue Unwägbarkeiten. Denn bereits zuvor machte eine Klausel der Garantiebestimmungen viele Tesla-Besitzer stutzig. Darin heißt es: „Sämtliche erkennbaren Veränderungen der Batterieleistung aufgrund von Software-Updates fallen nicht unter die Batterie- und Antriebseinheit-Garantie.“ (Baustopp bei Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg: Der Grund ist kaum zu glauben)

Die neueste Änderung erfolgt übrigens unmittelbar, nachdem Tesla sein siebentägiges Rückgaberecht aufgehoben hat. Ein weiterer Punkt, der das Vertrauen der Verbraucher eindeutig schwächt. Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich die drastischen Änderungen auf den Verkauf von neuen und gebrauchten Tesla-Modellen auswirken und ob diese auch für Europa gelten. Eindeutige Antworten von Tesla auf Fragen rund um diese Änderungen sind nicht zu erwarten – der US-Konzern hat seine PR-Abteilung vor Kurzem abgeschafft.

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