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Wut-Protest gegen Tesla in China: Frau tickt bei Auto Shanghai 2021 aus – wegen tödlicher Gefahr

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Von: Christian Schulz

Eine im Rahmen der Automobilmesse „Auto Shanghai 2021“ protestierende Frau steht auf dem Dach eines Tesla Model 3.
Eklat auf der „Auto Shanghai 2021“: Eine protestierende Frau steht auf dem Dach eines Tesla Model 3 und schreit ihre Wut heraus. © Screenshot YouTube (Mr. P - Nio Videos)

Auf der Messe „Auto Shanghai 2021“ kommt es zum Eklat. Eine Frau wütet auf dem Dach eines Tesla Model 3 – und macht dem E-Auto-Hersteller schwere Vorwürfe.

Shanghai (China) – Die chinesische Automobil-Messe „Auto Shanghai 2021“ ist kaum gestartet, da kommt es bereits zu einem aufsehenerregenden Zwischenfall. Am Messestand von Elon Musks Elektroauto-Hersteller Tesla eskaliert die Situation – und es herrscht zwischenzeitlich ordentlich Krawall. Aufgeschreckte Besucher und Journalisten eilen herbei und wollen einen Blick auf das Geschehen erhaschen. Ebenso hat die Security alle Hände voll damit zu tun, die Lage zu befrieden und unter Kontrolle zu bringen. Eine junge Frau in einem Protest-T-Shirt steht auf dem Dach eines roten Tesla Model 3 – und schreit wutentbrannt durch die Halle. Alles fragt sich: Was steckt hinter dem Eklat?

Wut-Protest gegen Tesla in China: Frau rastet bei Auto Shanghai 2021 aus – wegen tödlicher Gefahr

Die Demonstrantin und ihre Unterstützer drohen mit ihren Behauptungen bezüglich der Sicherheit von Teslas Elektrofahrzeugen einen Nerv zu treffen – und das zum Ärger von Tesla-Boss und Tech-Milliardär Elon Musk (49) ausgerechnet auf dem immens wichtigen E-Auto-Markt China. Sie beklagen das Totschweigen und die Abwiegelei des kalifornischen Autobauers hinsichtlich von angeblich gravierenden Fehlfunktionen und eklatanten Qualitätsmängeln. Ihre mehr als deutlichen Beschwerden haben die Aktivisten auch über das chinesische Internet verbreitet – und in den Fokus gerückt. Für Tesla kommt derartige Aufmerksamkeit das auf einem eher kritischen Markt mit erheblicher Konkurrenz äußerst ungelegen. (Herbert Diess als Tesla-Boss: Wollte Elon Musk dem VW-Chef wirklich die Leitung übergeben?)

Doch worum geht es überhaupt? Nun – wie Messebesucher, Twitter-User und auch das staatliche chinesische Medium „Global Times“ berichten, klettert die junge Dame zunächst auf das Dach des ausgestellten Tesla Model 3 und zeigt sich in ihrem beschrifteten T-Shirt mit Tesla-Logo. Auf verschiedenen Bildern ist mindestens eine zweite Frau zu sehen, die ein gleichbedrucktes T-Shirt trägt. Die Demonstrantin die, die Tesla aufs Dach gestiegen ist, beginnt umgehend Krawall zu schlagen – und lautstark zu protestieren. Sie brüllt ihren Zorn darüber heraus, dass bei Elektroautos aus dem Hause Tesla angeblich die Bremsen versagen würden. (Tesla-Boss Elon Musk: Riesen-Ärger wegen TV-Beitrag über Grünheide – „Schande über ZDF Info!“)

In dutzenden Videos ist die aufgebrachte und kaum zu bändigende junge Frau zu sehen, die Mund-Nasen-Schutz trägt und auf dem Dach der E-Limousine herumtobt. Sie ist geradezu umringt von Menschen, die ihre Aktion mit Ihren Smartphones filmen. Nicht unbedingt die Publicity, die Tesla und Elon Musk anstreben. Daher ist zu sehen, wie von Helfern versucht wird, die Sicht auf die Frau mit Regenschirmen zu verdecken. Das lässt sich die renitente Dame nicht gefallen – sie packt einen Schirm, reißt ihn an sich und zerstört ihn. Währenddessen wendet sie sich weiterhin schreiend an die Menge. (Tesla Roadster: Elon Musk will E-Auto schweben lassen – mit Raketen-Power von SpaceX)

Wut-Protest gegen Tesla in China: Frau bezeichnet mangelhafte Bremsen als „Unsichtbare Killer“

Sie ruft lauthals „Die Bremsen von Tesla funktionieren nicht“. Derselbe Slogan steht in chinesischen Schriftzeichen auf ihrem Protest-Shirt – inklusive des Zusatzes „Unsichtbarer Killer“. Schwere Anschuldigungen. Irgendwann haben die von den Tesla-Mitarbeitern angeheizten Sicherheitskräfte von dem Schauspiel – und zerren die Frau reichlich rabiat vom Dach des Model 3. Sie wird festgenommen und weggetragen. („Öffne A*loch”: Obszöne Sprachbefehle bei Tesla – so reagieren Elon Musks E-Autos)

Was ist der Hintergrund des Protests? Zuletzt war es in China zu mehreren Unfällen mit Teslas gekommen, denen öffentliche Beachtung zuteil wurde. Bei diesen Crashs hieß es, die E-Autos hätten nicht oder falsch auf das Treten des Bremspedals reagiert. Zumindest behaupteten dies die jeweiligen Fahrer. Das kalifornische Unternehmen, das in China einen harten Kampf mit einheimischen Herstellern ausficht, kommentierte das meist nicht – und wenn, dann äußerst spärlich. Bei ähnlichen Fällen in den USA oder Europa ließ Tesla bislang immer verlauten, es habe sich um menschliches Versagen der Person am Steuer gehandelt. (Tesla Model 3: Fertigungs-Experte entsetzt – „Das ist nicht akzeptabel“)

In diesem Fall behauptet die protestierende Frau in einem Weibo-Posting (chinesisches Pendant zum Tweet), dass ihr Vater und ihre Mutter in einem Model 3 unterwegs waren – und aufgrund nicht funktionierender Bremsen in ein anders Auto gecrasht seien. Bei dem Unfall seien beide so schwer verletzt worden, dass sie ins Krankenhaus haben eingeliefert werden müssen. Wie sie schreibt, sucht sie Gerechtigkeit – und wünscht sich, dass der Vorfall „das wahre Gesicht Teslas“ enthüllen soll. (Tesla-Truck verboten: Erstes Land verweigert Elon Musks Lkw die Zulassung)

Wut-Protest gegen Tesla in China: Tödlicher Horror-Crash mit Tesla-Autopilot schockt die USA

Elektro-Autobauer Tesla droht derweil nach einem Horror-Crash, bei dem vermutlich niemand am Steuer saß, eine neue heftige Debatte um mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen bei seinem Autopilot-System. Denn in Texas raste ein mit zwei Personen besetzter Tesla gegen einen Baum – beide Insassen kamen dabei ums Leben. Die Polizei von Houston fand einen der tödlich verunglückten Männer auf dem Beifahrersitz, den anderen auf der Rückbank. Nach vorläufigen Ermittlungen sei es zu „99,9 Prozent sicher“, dass bei dem Unfall niemand am Steuer gesessen habe, sagte ein Sprecher der texanischen Polizei dem „Wall Street Journal“. Das Elektrofahrzeug brannte bei dem schrecklichen Unfall völlig aus. (Tesla-Geständnis: Autonomes Fahren weit entfernt – doch Elon Musk verspricht „Full Self Driving“ für alle)

Elon Musks Konzern Tesla weist nach eigenen Angaben alle Kunden explizit darauf hin, dass der Tesla-Autopilot nur ein Assistenzsystem sei – und ein menschlicher Fahrer deshalb jederzeit die Hände am Lenkrad behalten müsse. Auch solle er zu jedem Moment bereit und in der Lage sein, die vollständige Kontrolle zu übernehmen. So weit so gut – die Realität scheint jedoch längst eine andere zu sein: Schon seit Jahren tauchen überall im Internet Videoclips von Tesla-Besitzern auf, die schlafen, lesen oder mitten im Straßenverkehr ihren Fahrersitz verlassen. (Mit Material der dpa)

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