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Tesla-Bewerber beklagen schlechten Stil: „So geht man nicht mit gut ausgebildeten Leuten um!“

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Von: Christian Schulz

Elon Musks E-Auto-Konzern Tesla eilt der Ruf voraus, der modernste Autobauer der Welt zu sein. Das klingt nach einem attraktiven Arbeitgeber. Doch Bewerber-Berichte schrecken ab.

Berlin – Zuletzt war viel zu hören von den zahlreichen Arbeitsplätzen, die Elektroauto-Hersteller Tesla in seiner neuen Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide schaffen will. Von den angeblich fürstlichen Gehältern sogar für Ungelernte oder davon, mit welchen außergewöhnlichen Fragen Bewerber für höhere Aufgaben rechnen sollten. Tesla-CEO und Tech-Milliardär Elon Musk offerierte sogar werbewirksam Jobs per Twitter.

Zunächst klang das meiste davon relativ rosig – auch wenn teilweise beklagt wurde, dass das US-Unternehmen von Elon Musk keine deutschen Tarifverträge anwenden möchte. Musk ist übrigens nicht mehr länger zweitreichster Mensch der Erde, sondern steht inzwischen auf Platz eins von Bloombergs Milliardärs-Index (mit zurzeit rund 195 Milliarden US-Dollar, was ca. 159 Milliarden Euro entspricht). Auf die Barrikaden gingen außerdem Umweltaktivisten, die für einen von mehreren Baustopps auf der Großbaustelle des Mega-Projekts vor den Toren von Berlin sorgten. Nun allerdings mehren sich Stimmen, die das Geschäftsgebaren von Tesla und den Umgang des E-Autobauers mit Bewerbern alles andere als gut aussehen lassen.

Das Firmenlogo von Elektroauto-Hersteller Tesla (oben) und eine Frau in einem Video-Call (unten)
Viele Bewerber erwarten sich bei Tesla die Traumjobs der Zukunft. Doch manche landen unsanft auf dem Boden der Tatsachen. © imago images/Panthermedia / imago images/Geisser

Tesla-Bewerber beklagen schlechten Stil: „So geht man nicht mit gut ausgebildeten Leuten um!“

So schildert das Magazin „Wirtschaftswoche“ den Fall eines Mannes, der sich als Schichtleiter in der Gigafactory Berlin-Brandenburg beworben hatte. Wie seine Bewerbung verlief, passt nicht wirklich zu dem positiven Bild, das der wertvollste und laut eigenem Bekunden digitalste und fortschrittlichste Autokonzern der Welt von sich zeichnet. Die Bestätigung des Bewerbungstermins erfolgte erst einen Tag vorher – darüber hinaus wurden per Mail zwei unterschiedliche Gesprächsorte genannt. Auf irritierte Nachfragen folgte keine Reaktion. (Altmaier sagt Tesla „beträchtliche Förderung“ zu: Wie viele Steuermillionen kassiert Elon Musk?)

Schließlich entschied sich der Bewerber für einen der beiden Orte – und hatte Glück. In dem Hotel angekommen, wurde der Mann in eine Art Pausenraum gebeten. Dort warteten zwei Mitarbeiter von Tesla, eine dritte Person war per Videochat zugeschaltet. Zeit für das Anbieten eines Getränks habe man sich nicht genommen – dafür habe bereits nach zehn Minuten Funkstille geherrscht. Auch nach dem Gespräch habe es keinerlei Rückmeldung des Unternehmens gegeben. Das bittere Fazit des vormals Tesla-Begeisterten: „So verhält man sich nicht. Ganz schlechter Stil!(Elon Musk kündigt „heißes“ Tesla-Update an: „Dinge, von denen ihr nicht wusstet, dass ...“)

Auf kununu, einer Online-Plattform zur Bewertung von Arbeitgebern, liest man ähnlich unerfreuliches Feedback. „Wenn ein Unternehmen nicht mal eine standardisierte Absage-Mail verschickt, ist das einfach schwach. So geht man nicht mit gut ausgebildeten Leuten in Deutschland um!“, heißt es dort. Ein anderer Bewerber berichtet von misslungener Kommunikation. Er sei dreimal per Mail gefragt worden, wann es ihm für ein Interview passen würde: „Daraufhin habe ich drei Vorschläge gemacht, danach kam keine Rückmeldung mehr.“ Jemand, der sich für einen Manager-Posten in Grünheide beworben hatte, bemängelt fehlende Freundlichkeit und ätzt: „Kein Grund für acht Gespräche. Wir bewerben uns nicht für den US-Kongress oder das Paradies.“ (Elon Musk: Tesla-Chef zieht um – wird der Multimilliardär dadurch noch reicher?)

VW-Chef Herbert Diess (links) und Tesla-CEO Elon Musk (rechts)
VW-Chef Herbert Diess (l.) und Elon Musk (r.) liefern sich ein Duell um die Vorherrschaft auf dem Automarkt – bei den Mitarbeitern hat Volkswagen die Nase vorn. © picture alliance/dpa/Volkswagen AG

Tesla-Bewerber beklagen schlechten Stil: Weniger als die Hälfte würde Tesla weiterempfehlen

Derartige Bewerber-Bewertungen, die Tesla zunehmend in ein schlechtes Licht rücken, erschweren Jochem Freyer, dem Chef der zuständigen Brandenburger Arbeitsagentur, die Jobvermittlung. Zudem lassen sich bei kununu schnell weitere Vergleiche ziehen, bei denen der kalifornische Elektro-Autobauer schlecht wegkommt: So würden lediglich 46 Prozent der momentanen Tesla-Mitarbeiter aus dem deutschen Vertrieb, den bundesweiten Werkstätten oder vom Maschinenbau-Ableger Tesla Grohman Automation ihren Arbeitgeber weiterempfehlen. Das glatte Gegenteil findet sich nur einen Klick entfernt bei der Konkurrenz von Volkswagen: Beim traditionellen deutschen Automobil-Hersteller aus Wolfsburg sind es 86 Prozent. (VW-Chef Herbert Diess heftig unter Druck – wegen Tesla und Elon Musk: So will er das Steuer rumreißen)

Ob Elon Musks US-Konzern mit seinen oft unorthodoxen und manchmal anscheinend lieblosen Herangehensweisen auf dem deutschen Arbeitsmarkt glücklich wird? Laut Brandenburgs Arbeitsagentur-Chef Jochem Freyer habe man intensiv mit Tesla über den Fachkräftemangel und die Jobsituation in Deutschland gesprochen: „Das Unternehmen weiß daher, dass es für gutes Personal auch gute Angebote und Rahmenbedingungen braucht.“

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