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Tesla-Autopilot: Kalifornien ermittelt wegen FSD-Funktion – Täuschung durch Elon Musk?

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Von: Christian Schulz

Auf Elon Musk und E-Autohersteller Tesla kommt neuer Ärger zu. Nach mehreren verheerenden Unfällen ermitteln kalifornische Behörden wegen irreführendem Marketing.

Palo Alto (Kalifornien) – Nach mehreren schlimmen Tesla-Unfällen, bei denen der Tesla-Autopilot und die Selbstfahr-Funktion der Elektroautos in den Fokus der Kritik gerieten, droht dem E-Auto-Hersteller von Tech-Milliardär Elon Musk (49) weiterer Ärger. Der US-Bundesstaat Kalifornien stellt sich gegen den heimischen E-Autobauer und will nun genauer hinschauen. Die Behörden haben eine entsprechende Untersuchung gegen Tesla und seinen exzentrischen Boss eröffnet. Diese soll ans Licht bringen, ob der Tesla-CEO und sein Unternehmen ihre Kunden in Sachen autonomes Fahren absichtlich getäuscht und in die Irre geführt haben.

Tesla-Autopilot: Kalifornien untersucht FSD-Funktion – Irreführung durch Elon Musk?

Eigentlich gilt Kalifornien als der Elektroauto-freundlichste Staat der Vereinigten Staaten – und auch im Bezug auf technische Innovationen äußerst aufgeschlossen. Das zeigt sich schon beim Blick ins Straßenbild seiner Küstenmetropolen: Es erscheint fast unmöglich, fünf Minuten umherzufahren, ohne einem Tesla-Modell zu begegnen. Auch in Sachen Emissionsschutz hat der „Golden State“ im Westen der USA strengere Abgas-Regeln erlassen, als es die Bundesregierung in Washington, D.C. vorschreibt. Darüber hinaus hat Kalifornien angekündigt, bereits im Jahr 2035 als erster US-Bundesstaat den Verkauf neuer Verbrenner-Pkw zu verbieten. Eigentlich ein ideales Umfeld für Tesla und Elon Musk, so scheint es – dennoch werden jetzt härtere Bandagen angelegt. (Tesla-Geständnis: Autonomes Fahren weit entfernt – doch Elon Musk verspricht „Full Self Driving“ für alle)

Innenansicht aus einem selbstfahrenden Tesla, dazu als Einklinker Elon Musk (Symbolbild)

Nach mehreren schweren Unfällen ermittelt die kalifornische Kraftfahrzeugbehörde gegen Tesla und Elon Musk. (Symbolbild) © Tesla / Christophe Gateau/dpa

Offenbar sehen die Behörden nach mehreren ähnlichen Tesla-Unfällen in jüngerer Vergangenheit den Anlass dazu als gegeben. Denn gleich mehrfach kamen die Unfall-Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass zum Zeitpunkt der Crashs die Autopilot-Funktionalität der vollelektrischen Fahrzeuge eingeschaltet war. Das sorgt natürlich für heftige Diskussionen – und ist Wasser auf die Mühlen der Tesla-Kritiker. (Mit aktiviertem Autopilot: Tesla Model 3 crasht heftig in Polizeifahrzeug – was ist der Grund?)

Tesla-Autopilot: Kalifornien untersucht FSD-Funktion – immer wieder schlimme Unfälle

Deren Hauptangriffspunkt: Bereits mittelfristig soll der Tesla-Autopilot das vollständig automatisierte Fahren der E-Autos möglich machen. Bislang dient die Funktion „Full Self Driving“ (FSD; dt.: „vollständig autonomes Fahren“) jedoch lediglich der Fahrassistenz – auch wenn der wohlklingende Name etwas anderes vermittelt. Die Person am Steuer bleibt trotz der technischen Unterstützung für jeden Fahrvorgang verantwortlich – und muss daher zu jeder Zeit aufmerksam und zum menschlichen Eingreifen bereit sein. Nur die Computersoftware fahren zu lassen geht nicht – und ist streng verboten. Trotzdem geschehen immer wieder Unfälle, weil Tesla-Besitzer genau das missachten. Kritiker machen dafür auch die in ihren Augen irreführende Kommunikation des Unternehmens sowie die vollmundigen Ankündigungen von Tesla-Boss Elon Musk verantwortlich. („Autopilot“ weiterhin nicht vollautonom: Tesla-Mitarbeiter kassiert Aussagen von Elon Musk)

Ein Tesla fährt durch einen Tunnel der Boring Company.

Ein hochrangiger Tesla-Mitarbeiter hat die Aussagen von Elon Musk zum Thema vollautonomes Fahren stark relativiert. © Robyn Beck/dpa

Derzeit laufen nach Angaben der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA insgesamt 24 Untersuchungen von Tesla-Unfällen im Zusammenhang mit einer möglichen Autopilot-Aktivität. Das schlimmste Beispiel, das auch öffentlich die größten Wellen schlug, war jüngst der tödliche Tesla-Crash in Texas. Der Unfall, bei dem in der Nähe von Houston zwei Männer starben, nachdem sie in einem Tesla Model S frontal gegen eine Baum rasten und verbrannten, warf zahlreiche Fragen auf. Unter anderem sei nach Erkenntnissen der Polizei zum Zeitpunkt des Aufpralls keiner der beiden Insassen auf dem Fahrersitz gesessen. Das Thema wurde hinsichtlich möglicher Fehlfunktionen des Autopiloten derart zum PR-Problem für den E-Auto-Hersteller, dass sich CEO Elon Musk höchstpersönlich zu den Ermittlungen zu Wort meldete. (Nach tödlichem Tesla-Crash: So dreist provoziert ein Model-3-Fahrer)

Tesla-Autopilot: Kalifornien untersucht FSD-Funktion – Experte sieht „irreführendes Marketing“

Wie die Zeitung „Los Angeles Times“ berichtet, überprüft das kalifornische Kraftfahrzeugministerium DMV (California Department of Motor Vehicles) derzeit, ob Tesla-Boss Elon Musk und sein E-Auto-Konzern mit der behaupteten „full self-driving capability“ (dt.: „vollständige Selbstfahr-Fähigkeit“) ihre Kunden bewusst in die Irre führten. Locken der Milliardär und sein Unternehmen tatsächlich arglose Tesla-Besitzer und potenzielle Neukunden auf eine falsche Fährte? Und bringen sie sie damit in Gefahr? (Experten blamieren Tesla-Autopilot: Benutzt Elon Musk „Kunden als Entwicklungsingenieure“?)

Innenansicht aus einem Tesla, der durch einen Tunnel fährt.

Autonomes Fahren noch 2021? Elon Musk verspricht allen Kunden die volle FSD-Funktion – die Behörden wittern irreführendes Marketing. © Tesla

Schließlich wird das derzeit 7.500 Euro teure, optionale FSD-Abo des Tesla-Autopiloten gemäß der Standards für das automatisierte Fahren weiterhin lediglich mit Stufe 2 (Teilautomatisiertes Fahren) bewertet – und keineswegs mit Stufe 5 (Autonomes Fahren). Erst bei dieser höchsten Stufe der Skala wäre kein menschlicher Fahrer mehr erforderlich – und die Computertechnik würde sich komplett selbstständig um das Führen des Fahrzeugs kümmern und alle Verkehrssituationen bewältigen können. Bislang jedoch müssen Tesla-Fahrer auch bei aktiviertem Autopilot immer die Hände am Lenkrad behalten. (Wut-Protest gegen Tesla in China: Frau tickt bei Auto Shanghai 2021 aus – wegen tödlicher Gefahr)

Allerdings haben Tesla und Elon Musk die FSD-Funktion anders beworben – zumindest besteht nach Ansicht des DMV der begründete Verdacht dazu. Die kalifornische Behörde prüft daher nochmals eingehend alle Details, die der Elektro-Autobauer bezüglich des Tesla-Autopiloten veröffentlicht hat. Sie ist der Meinung, dass Tesla-Käufer glauben gemacht wurde, das Zusatz-Abo statte ihr E-Auto quasi mit einem Level-5-System aus. Zwar heißt es im Kleingedruckten, dass FSD „das Auto nicht autonom macht“ und eine „aktive Überwachung“ durch den Fahrer erfordert – allerdings zitiert der Zeitungsbericht einen Experten für automatisiertes Fahrzeugrecht, der meint, dass das nicht genügt. Er ist der Auffassung, dass Teslas Werbung nicht den ausreichenden Schutz gegen „irreführendes Marketing“ bietet, den die Bundesgesetze fordern. (Tesla erzielt erstmals Gewinn – aber nicht durch Autoverkäufe: So verdient Elon Musks Firma ihr Geld)

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