1. 24auto
  2. News
  3. Politik & Wirtschaft

Mehrheit der Deutschen will angeblich Tempolimit 130 km/h: Kommt es nach der Bundestagswahl?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Schulz

Tempolimit 130 km/h ist nach Ansicht von Politikern gut für Verkehrssicherheit und Klima. Angeblich ist die Mehrheit der Deutschen dafür. Kommt es nach der Bundestagswahl?

Berlin – Zuletzt haben Bundestag und Bundesrat ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf Deutschlands Autobahnen noch abgeschmettert. Doch im Falle ihrer Beteiligung an der Regierung nach der Bundestagswahl 2021 wollen die Grünen einen neuen Anlauf unternehmen, um ihr Herzensprojekt endlich durchzusetzen. Und kündigen dies auch offensiv an. Damit wird das Tempolimit endgültig zum Wahlkampfthema – ob es dazu taugt oder nicht. Eine ganze Reihe von Politikern und Parteien ist der Meinung, eine Maximalgeschwindigkeit sei nicht nur gut für die Sicherheit im Straßenverkehr – sondern vor allem auch für das Klima. Stichworte: Globale Klimaerwärmung und Pariser Klimaziele. Auch die SPD nimmt das Tempolimit in ihr Wahlprogramm auf. Angeblich sei die Mehrheit dafür – kommt es schon nach den Wahlen? (Fahrverbot wegen Klimaschutz? Was das Karlsruher Urteil für uns Autofahrer bedeutet)

Im Hintergrund eine deutsche Autobahn, vorne ein Tempo-130-Verkehrsschild (Symbolbild)
Stehen fast zwei Drittel der Deutschen einem Tempolimit von 130 km/h aufgeschlossen gegenüber? Eine aktuelle Studie behauptet es. (Symbolbild) © Sven Simon/Imago

Mehrheit der Deutschen will angeblich Tempolimit 130: Kommt es nach der Bundestagswahl?

„Wir werden ein Tempolimit von 130 km/h auf Bundesautobahnen einführen. Das schützt die Umwelt und senkt die Unfallzahlen deutlich“, heißt es in einem sogenannten „Zukunftsprogramm“ der Sozialdemokraten. Die Grünen möchten, dass die gesetzliche Vorschrift zur zulässigen Höchstgeschwindigkeit so bald wie möglich beschlossen wird, wie auch 24hamburg.de berichtet.* Ein Blatt vor den Mund nehmen sie dabei nicht – sondern vertreten ihre Forderung ganz selbstbewusst: „Das ist wahrscheinlich die erste Maßnahme einer neuen Regierung, wenn die Grünen dabei sind“, sagte Parteichef Robert Habeck bereits im Sommer 2020. Ebenso kündigte er an, man werde dies auch gegen einen möglichen Koalitionspartner durchboxen. Ohnehin gebe es immer mehr Leute, die ein Tempolimit wollten: „Selbst der ADAC ist dafür. Wer argumentiert eigentlich noch dagegen?“, fragt der Grünen-Boss. Eine neue Studie scheint ihm und seiner Partei Recht zu geben. (Striktes Verbrenner-Verbot? Mehrheit der Deutschen lehnt Grünen-Forderung ab)

Denn Umwelt- und Klimafragen gehörten auch während der Corona-Pandemie für viele Menschen in Deutschland zu den wichtigsten Themen. Zumindest geht dies aus einer repräsentativen Befragung der Bevölkerung im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts hervor. Rund 65 Prozent der an der Umfrage beteiligten Bürger halten beide Themen weiterhin für sehr wichtig. Laut der aktuellen „Umweltbewusstseins-Studie 2020“ ist dieser Wert im Jahr 2020 zwar geringer als bei einer Zwischenerhebung von 2019 (68 Prozent) – aber etwas höher als 2018 (64 Prozent). (Grüne an der Macht? Mit diesen Änderungen müssen Autofahrer rechnen)

Aktivisten von Greenpeace protestieren während des Autogipfels vor dem Kanzleramt. (Symbolbild)
Neben den Grünen fordert auch Greenpeace ein schnelles Aus für den Verbrenner – die Mehrheit der Deutschen sieht das nach wie vor anders. (Symbolbild) © Annette Riedl/dpa

Mehrheit der Deutschen angeblich für Tempolimit 130: Laut Studie sind 64 Prozent dafür

„Besonders interessant wird die Studie da, wo es konkret wird, etwa beim Tempolimit“, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Hier habe es im Vergleich zur letzten Befragung einen spürbaren Zuwachs gegeben – hin zu einer breiten und klaren Mehrheit für ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen. Der Erhebung zufolge sind insgesamt 64 Prozent der Befragten „auf jeden Fall“ oder „eher“ der Ansicht, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung kommen sollte. „Eher nein“ und „auf keinen Fall“ antworteten demnach lediglich 36 Prozent der Befragten. Für passionierte Autofahrer sind das natürlich erstaunliche Ergebnisse. (Klima-Strafe: Österreich will Diesel verteuern – müssen auch deutsche Autofahrer bangen?)

Eine Hand bedient einen Tankruessel.
Für österreichische Autofahrer könnte der Sprit bald noch teurer werden, wenn die Klimaziele nicht erreicht werden. © dpa/Bildfunk

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 drückt mittlerweile auch Olaf Scholz, der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten, in Sachen Tempolimit 130 aufs Gaspedal*. Nach Einschätzung der Umweltministerin setzt dies Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) unter Zugzwang: Er müsse „jetzt auch stärker“ für das Tempolimit werben – insgesamt sollten das in der Bundesregierung „noch mehr Leute tun“. Andererseits sind natürlich auch die Ablehnungswerte für das Vorhaben relativ gesehen enorm hoch. Klar – weil das Thema unglaublich polarisiert. Von anderen im Bereich Mobilität und Verkehr vorgeschlagenen Maßnahmen erhielt nur die Einführung einer Pkw-Maut ähnlich viel Ablehnung wie das Tempolimit. Gegen mehr Radwege sprachen sich beispielsweise laut der Studie nur drei Prozent der Befragten aus. (Bund fährt viel zu wenige E-Autos: Andreas Scheuers Verkehrsministerium liegt weit hinten)

Ein wegweisendes Urteil setzt unterdessen die Politik beim Thema Klimaschutz weiter unter Druck. Wie das Bundesverfassungsgericht entschied, muss die Bundesregierung das Klimaschutzgesetz nachbessern muss, um die Freiheitsrechte jüngerer Generationen zu schützen. „Für den Klimaschutz ist das erst mal ein Ausrufezeichen“, erklärt Umweltministerin Svenja Schulze im Rahmen der Veröffentlichung der 13. Umweltbewusstseins-Studie des Bundes. (Mit Material der dpa) *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare