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Tempo 30 auf vielen Straßen – verhindert es zahlreiche Unfälle?

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Von: Jasmin Pospiech

Auf 80 Prozent der Berliner Straßen gilt Tempo 30. Doch jetzt werden Stimmen lauter, dass die Beschränkung für alle Stadtstraßen gelten solle. Zu Recht?

Berlin – Auf allen Neben- und etwa zehn Prozent der Hauptstraßen in Berlin gilt Tempo 30. Das sind rund 5.500 Kilometer Strecke, doch das reicht manchem noch nicht aus. Immer wieder wird eine Verschärfung der generellen Geschwindigkeitsbeschränkungen gefordert – und das nicht nur in der Hauptstadt, sondern überhaupt in Städten. Grund dafür ist die Annahme, dass so ein mögliches Unfallrisiko von Verkehrsteilnehmern massiv verringert wird.

Tempo 30 auf vielen Straßen – verhindert es zahlreiche Unfälle?

Unterstützt wird die Forderung von einer neuen Studie der Unfallforschung der Versicherer aus Berlin. Diese hat jetzt bestätigt, dass ein Tempo-30-Limit innerorts überwiegend positive Folgen auf die allgemeine Verkehrssicherheit haben könnte. Das Interessante daran: Diese variiert allerdings stark, je nachdem ob es sich um Fußgänger oder Radfahrer handelt. „Wir dürfen von einem solchen Tempolimit keine Wunder erwarten“, erklärt daher Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer gegenüber der „Berliner Zeitung“. (Fahrerflucht an Ampel: Aggro-Fahrer im VW Sharan macht Fahrrad platt)

Ein Tempo 30-Schild auf dem Potsdamer Platz in Berlin. (Symbolbild)
Auf vielen Straßen Berlins ist nur noch Tempo 30 erlaubt. Andere Städte wollen nachziehen. (Symbolbild) © Stefan Zeitz/dpa

Für Ergebnisse wurde die Unfalldatenbank herangezogen, die Informationen über Verkehrsunfälle in ganz Deutschland der letzten zehn Jahre beinhaltet. Konkret haben sich die Forscher 428 Berichte über Zusammenstöße angeschaut, die innerorts geschehen sind und bei denen Fußgänger und Radfahrer schwer verletzt oder gar getötet wurden. Dabei haben sie sich die Frage gestellt, wie viele dieser Kollisionen hätten verhindert werden können, wenn Tempo 30 gegolten hätte.

Tempo 30 auf vielen Straßen – überraschende Studienergebnisse

Das erstaunliche Ergebnis: Bei fast der Hälfte der ausgewerteten schweren Kollisionen mit Fußgängern waren die in den Unfall verwickelten Pkw mit mindestens 31 km/h unterwegs. Bei mindestens 41 km/h waren es immerhin noch 29 Prozent. Was ebenfalls interessant ist: Bei den Zusammenstößen mit Radfahrern ist das Unfallfahrzeug sogar in noch weniger Fällen mit mindestens Tempo 31 gefahren (18 Prozent), ab Tempo 41 waren es nochmals weniger (zehn Prozent).

Bedeutet das also, dass ein Tempo-30-Limit gar nicht viel mehr bringen würde? Das dürfte Befürwortern sauer aufstoßen und Tempolimit-Kritikern in die Karten spielen. (Gemeinde zahlt Bürgern Prämie – wenn sie Verbrenner abmelden)

Zumal die Forscher herausgefunden haben, dass die meisten Radunfälle an Kreuzungen und Einmündungen mit Lkw passiert sind oder wenn Autobesitzer ihre Pkw abgestellt und dann die Fahrzeugtür öffnen, während gerade ein Radfahrer vorbeifährt (das sogenannte „Dooring“). Bei insgesamt 43 Prozent dieser Art Unfälle hat sich also herausgestellt, dass die beteiligten Fahrzeuge entweder mit weniger als zehn Kilometer pro Stunde gefahren oder sogar ganz gestanden haben. Bei den ausgewerteten Fußgänger-Unfällen beträgt dieser Anteil immerhin 31 Prozent. (Sidney Hoffmann faltet Radfahrer zusammen: „Was soll der Sch...?“)

Tempo 30 auf vielen Straßen – „wissenschaftlicher Großversuch“ gefordert

Um die Ergebnisse abzuklären, fordert das Team um Siegfried Brockmann daher, zuerst einen „wissenschaftlichen Großversuch“ zu starten, der eine komplette Stadt umfassen müsste. Dennoch geht der Leiter der Unfallforschung der Versicherer davon aus, dass, wenn Tempo 30 statt 50 innerorts eingeführt werde, die Zahl der Unfälle nochmals sinken würde. (Spanien führt Tempo 30 ein: Saftige Bußgelder drohen – auch für Touristen)

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