Studie bestätigt Lärmbelästigung

Umweltbundesamt: Sportliche Motorräder und Autos machen unnötig Krach

  • Jan Schmidt
    vonJan Schmidt
    schließen

Verschiedene Motorräder und sportliche Pkw sind nach einer Studie des Umweltbundesamts (UBA) unnötig laut. Sie erfüllen zwar die Zulassungsvorschriften, sind aber außerhalb der Prüfbereiche drastisch lauter.

  • Das Umweltbundesamt hat sechs verschiedene Fahrzeuge auf ihre Geräuschentwicklung untersucht
  • Drei Autos: Audi TT RS, Mercedes-AMG GLC 63 S und Škoda Octavia 1.8 TSI
  • Drei Motorräder: Kawasaki Ninja ZX-10R, BMW R NineT Urban G/S, Harley-Davidson Softail Heritage Classic

Dessau – Während die Mehrzahl der Neufahrzeuge auf Deutschlands Straßen akustisch unauffällig ist, sorgt ein wachsendes Segment vermeintlich sportlicher Fahrzeuge regelmäßig für Unmut. Erreicht werde die „Soundkulisse“ mit Hilfe von Klappen und zum Teil auch Lautsprechern im Abgasstrang. „Der Lärmschutz und die Nöte lärmgeplagter Bürgerinnen und Bürger kommen dabei unter die Räder“, beklagte Umweltbundesamt-Präsident Dirk Messner. Nötig sei eine Pflicht für Hersteller, Motorräder und Autos so leise zu bauen, wie der Stand der Technik es zulässt. „Unnötiger Lärm ab Werk ist auf der Straße nicht akzeptabel und belastet Gesundheit und Nerven aller.“ (Verbände kritisieren fatale Zustände bei Kfz-Zulassung – „große wirtschaftliche Schäden“)

Umweltbundesamt: Sechs Fahrzeuge wurden untersucht

Untersucht hat das UBA drei Autos und drei Motorräder, die für „sportlichen“ Sound bekannt sind – sowohl unter den gesetzlichen Typ-Prüfbedingungen als auch unter „Worst Case“-Bedingungen in der Praxis außerhalb des Prüfbereichs. Getestet wurden Audi TT RS, Mercedes-AMG GLC 63 S und Škoda Octavia 1.8 TSI. Bei den Motorrädern waren Kawasaki Ninja ZX-10R, BMW R NineT Urban G/S und Harley-Davidson Softail Heritage Classic auf dem Prüfstand. (Mercedes-Benz GLS: Kuriose Patzer bei Wahl der Deutschen Umwelthilfe)

Umweltbundesamt: Geräusch-Zulassungsvorschriften sind ungeeignet

Das Fazit der Behörde: Die erst kürzlich überarbeiteten, internationalen Geräusch-Zulassungsvorschriften sind ungeeignet, extreme Lärmemissionen im Straßenverkehr zu unterbinden. Die Vorschriften sollten so erweitert werden, dass die Geräusche „im gesamten Kennfeld des Fahrzeugs“ begrenzt werden. Bisher gebe es aber eine Fokussierung des Prüfverfahrens auf Fahrbedingungen innerorts. (Neuer Rückruf-Rekord: „Wie bei Bananen – das Produkt reift erst beim Kunden“)

Mitte August hatte eine Umfrage ergeben, dass eine große Mehrheit der Deutschen zumindest ein zeitweises Fahrverbot für laute Motorräder auf bestimmten Strecken unterstützt. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer lehnt Verschärfungen für Motorradfahrer hingegen ab. (Autoindustrie: Deutscher Pkw-Markt historisch schwach – doch ein Segment zieht richtig an)

Der Bundesrat hatte Mitte Mai einen Beschluss gefasst, in dem er „dringenden Handlungsbedarf“ sah, für besondere Konfliktfälle Geschwindigkeitsbeschränkungen und „zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes“ zu ermöglichen. Die Entschließung ging an die Bundesregierung – sie entscheidet, ob sie die Anregung des Bundesrates umsetzt. (ADAC-Pannenstatistik-2020: Neben Deutschland überzeugt auch dieses Herstellerland)

Anfang Juli hatten Tausende Biker in ganz Deutschland gegen die Initiative des Bundesrats demonstriert. Allein in Stuttgart waren 8.000 Motorradfahrer zusammengekommen, in München waren es laut Polizei mehr als 6.000. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

Das könnte Sie auch interessieren