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Elektroautos bald ohne Strom? Darum ist die Energieversorgung gefährdet

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Von: Marcus Efler

Der Ausbau des Leitungsnetzes für Strom stockt. Das könnte künftig vor allem für Elektroauto-Fahrer in Süddeutschland zum Problem werden.

Berlin – Das Elektroauto nimmt Fahrt auf: Der Umweltbonus lässt die Nachfrage nach oben schnellen, die Reichweiten der Akkus werden größer und die EU-Kommission tut ein Übriges mit dem geplanten Verbot von Verbrennungsmotoren. Es läuft also – nur das Thema Laden bereitet vielen noch Sorgen. So hatte sich sogar schon VW-Chef Herbert Diess (62) höchstpersönlich und öffentlich über den schlechten Service bei einer Ladestation beschwert. (Supercharger für alle: Niederländer wollen Lade-Chaos bei E-Autos in Deutschland beenden)

Elektroautos bald ohne Strom? Darum ist die Energieversorgung gefährdet

Und es sieht so aus, als könnte sich die Situation künftig eher noch verschlechtern, als sich zu verbessern. Denn auch wenn die Infrastruktur wächst, vielleicht sogar Tesla sein dichtes Supercharger-Netz für alle Automarken öffnet und besserer Service an Ladestationen die Wartezeit auflockert: Es ist durchaus denkbar, dass die ganzen Ladepunkte schlicht zu wenig Strom bekommen, um die wachsende Zahl an Elektroautos zu versorgen.

Das wäre dann ungefähr so, als könnten Verbrenner-Autos nicht fahren, weil Tankstellen nicht mit Sprit beliefert werden – vielleicht wegen einer gestörten Pipeline, wie es vor einiger Zeit nach einem Hacker-Angriff an der Ostküste der USA der Fall war. Im Falle der Stromversorgung allerdings braucht es für einen Energiemangel gar keine bösartigen Software-Piraten: Deutsche Bedenkenträgerei und Bürokratie schaffen das auch alleine. (Elektroauto: Stromkosten viel niedriger als Benzinkosten – so viel kann man sparen)

Elektroautos bald ohne Strom? Nur Bruchteil der benötigten Stromleitungen fertig

Denn die saubere Energie, die stufenweise (bis zu deren völliger Stilllegung) die Kohle-Verstromung ersetzen soll, könnte es möglicherweise nicht durch das ganze Land schaffen. So wurden im ganzen vergangenen Jahr in Deutschland nur 120 (!) Kilometer neue Hochspannungsleitungen fertiggestellt. Das geht aus der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf die Frage eines Bundestagsabgeordneten der Grünen hervor, über die der Spiegel berichtet.

Strommast von schräg unten (Symbolbild)
Ausbau stockt: Es gibt viel zu wenig Stromleitungen in Deutschland. (Symbolbild) © Gabi Schär/Imago

Insgesamt würden nach Berechnungen der Bundesnetzagentur aber sage und schreibe 12.234 Kilometer an neuen Leitungen benötigt, von denen erst 1.739 Kilometer fertig sind. Und das Tempo des Ausbaus verlangsamt sich: Im Jahr 2019 wurden noch 341 Kilometer neu bereitgestellt, also fast dreimal so viel wie eben 2020. (E-Auto mit Strom laden: Der Staat kassiert mit – und zwar kräftig)

Elektroautos bald ohne Strom? Bürokratie und lokale Proteste bremsen

Bürokratische, langwierige Genehmigungsverfahren für neue Trassen bremsen die Energiewende ebenso wie lokaler Widerstand gegen Masten und Leitungen. Das hat schon heute die absurde Folge, dass Kraftwerke, inklusive neuer Ökostromanlagen, ihre Produktion drosseln müssen, weil der Strom nicht verteilt werden kann.

Vor allem der Energie-Transport in den Süden der Republik ist gefährdet: Viel Strom wird durch Offshore-Windparks im Meer erzeugt, benötigt wird er dann natürlich auch im Süden. Wenn sich der Ausbau nicht bald deutlich beschleunigt, kann künftig vielleicht ein VW-Fahrer in Lübeck seine Akkus laden – doch der BMW in Starnberg muss in der Garage bleiben.

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