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Neue Sondersteuer für SUV: Darum sind deutsche Hersteller besonders betroffen

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Von: Christian Schulz

Ein Audi SQ8 TDI biegt um eine französische Straßenecke.

Ein Audi SQ8 TDI biegt um eine französische Straßenecke – in unserem Nachbarland wird das künftig ein kostspieligeres Vergnügen. © Audi/Daniel Wollstein

Eine geplante Sondersteuer für schwere Autos hat ihren Ursprung in der französischen „Gelbwesten-Bewegung“. Unsere Autoindustrie könnte es hart treffen, denn betroffen sind vor allem deutsche Fahrzeuge.

München/Paris – Auf SUV-Besitzer könnten im wahrsten Sinne des Wortes schwere Zeiten zukommen, vor allem aber auf die deutsche Autoindustrie. Das Ungemach für Fahrer und Hersteller der gewichtigen Geländewagen droht aus unserem größten Nachbarland: Denn Frankreich will künftig eine gesalzene Sondersteuer auf besonderes schwere Autos erheben. Das soll einerseits den Besitz von schweren SUV bestrafen, andererseits aber über die besondere Ausgestaltung der Steuer die französischen Autohersteller schonen.

Neue Sondersteuer für SUV: Darum sind deutsche Hersteller besonders betroffen

Durch ein neues Gesetz der französischen Regierung belegt den Kauf aller Autos, die mehr als 1.800 Kilogramm wiegen, mit einer Strafsteuer. Und dabei wird ganz schön hingelangt: Für jedes zusätzliche Kilo über dieser Grenze sollen zehn Euro fällig werden. Sicher nicht ohne Absicht stehen SUV-Modelle deutscher Autobauer dabei besonders im Visier der Staatskasse unseres westlichen Nachbarn. (Kahlschlag in Autoindustrie: So hart fallen die Sparmaßnahmen der Branche aus)

Ein Mercedes-Benz AMG GLS 63 wird bei der LA Auto Show 2019 ausgestellt.

Das Mercedes-AMG GLS SUV wiegt leer 2.630 Kilogramm – das macht es künftig in Frankreich 8.300 Euro teurer. © Imago/Ringo Chiu

Französische Autofabrikate sind dagegen so gut wie gar nicht von der neuen Maßnahme betroffen. Der Grund hierfür liegt wortwörtlich auf der Straße: Nach Demonstrationen von Beschäftigten und heftigen Protesten der heimischen Autoindustrie sowie des Wirtschaftsministeriums musste die französische Regierung zurückrudern. (Autoindustrie in Frankreich: Macron kommt mit dem Finanz-Hammer)

Der Druck führte schließlich dazu, dass der Grenzwert für die steuerliche Bestrafung schrittweise von 1.400 Kilogramm auf 1.800 Kilogramm erhöht wurde. Ein Zitat des Vizepräsidenten des Verbandes der französischen Autohersteller (CCFA) steht dafür sinnbildlich: Thierry Cognet warnte vor einem „Massaker an der französischen Autoindustrie“ – wenn mitten in der Corona-Krise zu hohen CO2-Steuern nun auch noch eine Gewichtssteuer für Automobile hinzukäme. (Macron mit Milliardenhilfe, jetzt gibt Renault DAS bekannt)

Ein blauer BMW X3 steht vor dem Hintergrund des Meeres.

Ein BMW X3 wiegt um die 1.900 Kilogramm – dafür kassiert der französische Staat bald zwischen 1.000 Euro und 2.000 Euro extra. © BMW

Neue Sondersteuer für SUV: So viel teurer werden deutsche Autos in Frankreich

Durch die gezielte Erhöhung des Schwellenwertes auf 1.800 Kilogramm Gesamtgewicht ist die neue Sondersteuer jetzt vor allem ein Thema für die ungeliebte Konkurrenz aus Deutschland. Einerseits ist der Marktanteil von VW, Daimler, BMW oder Audi nicht allzu hoch. Für VW beträgt er derzeit etwa 5, 8 Prozent, für die Daimler-Marke Mercedes-Benz rund 3,5 Prozent, BMW und Audi liegen mit etwa 2,6 Prozent knapp dahinter. Andererseits sind eben gerade deren Premiumautos besonders schwer. (SUV-Nachfolger: Deutsche Premiumhersteller suchen nach dem nächsten großen Ding)

Die Luxuslimousine S-Klasse von Mercedes-Benz bringt es etwa auf ein Leergewicht von mehr als 2.000 Kilogramm, das große SUV Mercedes-Benz GLS wiegt mindestens 2.460 Kilogramm. Die Strafsteuer beliefe sich in diesen Fällen also auf wenigstens 2.000 Euro beziehungsweise 6.600 Euro. Für einen mittelgroßen sportlichen Geländewagen wie beispielsweise den BMW X3 wären zukünftig zwischen 1.000 Euro und 2.000 Euro extra fällig. Ein SUV wie der Audi Q7 würde mit zusätzlichen 4.400 Euro zu Buche schlagen. Günstig geht definitiv anders. (Mercedes-Benz GLS: Sonderbare Patzer bei Wahl der Deutschen Umwelthilfe)

Ein blauer VW Tiguan R von vorne.

Der VW Tiguan R wiegt rund 1,8 Tonnen – in Frankreich bewegt er sich dabei an der Grenze der Strafsteuer. Drüber wird‘s teuer. © Volkswagen

Neue Sondersteuer für SUV: Strafgebühr ist Folge der „Gelbwesten-Poteste“

Die neue Strafsteuer für SUV und andere schwere Automobile geht letztlich auf eine Bürgerversammlung zurück. Diese hatte die französische Regierung notgedrungen einberufen, um die Wellen der „Gelbwesten-Proteste“ abzuschwächen, die das Land monatelang erschüttert hatten. Dabei machten 150 durch eine Lotterie auserkorene Bürger vor allem umweltbezogene Vorschläge. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron sicherte zu, den Großteil der Punkte umzusetzen. Ironie der Geschichte: Die heftigen „Gelbwesten-Proteste“ wurden ursprünglich von einer geplanten Erhöhung der Benzin- und Dieselsteuern ausgelöst. (Peugeot 3008: Geleakte Bilder vom Facelift 2021 aufgetaucht)

Ein Vertreter besagter Bürgerversammlung begrüßte die neue Strafsteuer für schwere Kraftfahrzeuge mit den Worten: „Wir haben den Eindruck, gewonnen zu haben.“ Die Umweltorganisation WWF sprach von einem „historischen Schritt“. Sie erinnerte allerdings auch daran, dass Autos in Frankreich im Schnitt eben lediglich 1.240 Kilogramm wiegen. Im Land der Kleinwagenfahrer trifft die Sondersteuer also die einheimische Autoindustrie am wenigsten. Ohnehin ausgenommen sind Elektro- und Hybridfahrzeuge. Diese können nämlich aufgrund ihrer Batterie recht schwer sein.

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