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Sebastian Vettel „enttäuscht“: Formel-1-Weltmeister hätte sich Tempolimit gewünscht

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Von: Christian Schulz

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Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel bleibt dabei: Ein Tempolimit muss her! In einem Interview bewunderte er außerdem eine umstrittene Klima-Aktivistin.

Update vom 6. Januar 2022, 8:00 Uhr: Trotz erheblichen Gegenwindes von Auto- und Rennsportfans (teilweise auch seiner eigenen) bleibt der Formel-1-Fahrer und vierfache Weltmeister Sebastian Vettel bei seiner Forderung für ein allgemeines Tempolimit auf deutschen Autobahnen. „Natürlich bin ich enttäuscht“, erklärte der bekennende Grünen-Wähler in der „Süddeutschen Zeitung“, nach dem die neue Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP auf ein solches verzichtet hatte „Ein Tempolimit wäre ein easy win gewesen“.

Allerdings hält der Aston-Martin-Pilot die Angelegenheit nur für aufgeschoben: „Es wird so oder so kommen, glaube ich. Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagte er. Für die Formel 1 wünschte er unter anderem Sprit aus erneuerbaren Energien und einen ressourcenschonenden Rennkalender. (Generation Greta lieber autofrei? Studie zeigt, wie Jugend wirklich tickt)

Sebastian Vettel „enttäuscht“: Formel-1-Weltmeister hätte sich Tempolimit gewünscht

Außerdem outete sich Sebastian Vettel als Fan der Fridays-for-Future-Ikone Greta Thunberg: „Wahrscheinlich teilen wir viele Ansichten, was die Formel 1 angeht“. Die 19-jährige Schwedin sei „ein echtes Vorbild, dem die ganze Welt folgen sollte und vor allem ältere Männer mehr Gehör schenken sollten“.

Erstmeldung vom 2. Juli 2021, 15:20 Uhr: Kanton Thurgau (Schweiz) – Von den berühmten Rennstrecken dieser Welt ist der im südhessischen Heppenheim aufgewachsene Sebastian Vettel nicht mehr wegzudenken. Klar, als langjährige Größe im Formel-1-Zirkus und viermaliger Weltmeister (in den Saisons 2010 bis 2013). Dass sich der mittlerweile 34-Jährige erhebliche Sorgen um den Umweltschutz und Gedanken um Nachhaltigkeit macht, wird dagegen den ein oder anderen eher überraschen. Jetzt nimmt der erfolgreiche Profi-Raser zu diesen Themen öffentlich Stellung – und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Im Gegenteil – Vettel bezieht eindeutig Position: Er fährt privat Elektroautos, will bei der Bundestagswahl im Herbst 2021 die Grünen wählen und tritt für ein baldiges Tempolimit ein. (Mehrheit der Deutschen will angeblich Tempolimit 130 km/h: Kommt es nach der Bundestagswahl?)

Sebastian Vettel winkt beim Trackwalk den Fans zu. (Symbolbild)
Wie passt das zusammen? Formel-1-Pilot Sebastian Vettel ist für ein generelles Tempolimit auf der Autobahn. (Symbolbild) © Michael Memmle/Eibner/Imago

Sebastian Vettel fordert Tempolimit: Formel-1-Weltmeister wählt grün – und fährt elektrisch

Der Deutsche, der im Kanton Thurgau in der Schweiz lebt, erklärt im Interview mit dem „Spiegel“, warum er bei der Wahl in seinem Heimatland für die Grünen und deren Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock stimmen wird: „Im Moment schreibt fast jede Partei Klimaschutz auf ihre Fahne und ins Programm. Die Frage ist, bei wem passiert wirklich etwas. Wir sollten für eine Regierung stimmen, von der wir überzeugt sind, dass sie am authentischsten für diese Prinzipien und Werte einsteht. Ja, ich werde grün wählen.“ Sicherlich keine unwillkommene Wahlkampfhilfe. (Striktes Verbrenner-Verbot? Mehrheit der Deutschen lehnt Grünen-Forderung ab)

Dass der ehemalige Renn-König derart für die grüne Sache in die Bresche springt und offensiv Wahlwerbung für die Öko-Partei betreibt, ist erwartungsgemäß nicht jedem recht. Der CDU-Berater Axel Wallrabenstein echauffiert sich und greift Sebastian Vettel verbal heftig an – bezichtigt ihn gar der Heuchelei. Wie er meint, stehe der Ex-Formel-1-Champion als prominente Werbefigur für Luxuskarossen (jetzt Aston Martin, davor Ferrari) in eklatantem Widerspruch zu seinen eigenen Forderungen.

Doch auch zur Frage, wie er seine Einstellungen mit seinem Job auf der Rennstrecke vereinbaren könne, bei dem er mit seinem Aston Martin AMR21 unzählige Liter Sprit verbraucht und jährlich Tausende Kilometer fliegen muss, äußert sich Sebastian Vettel relativ klar – und fordert auch hier ein Umdenken: „In der Tat produziert die Formel 1 schädliche Dinge, das kritisiere ich auch öffentlich. Der globalisierte Sport und erst recht der Motorsport sollten viel mehr in eine Vorreiter- und Vorbildrolle schlüpfen.“ Im Thema Umweltschutz sieht er bereits seit einiger Zeit ein großes Risiko für das Ansehen der Formel 1 – und befürchtet, diese können an Relevanz verlieren und ernsthafte Probleme bekommen. (JP Kraemer: Ärger über Grüne und Baerbock – „Sch*, die auf uns zukommt“)

Sebastian Vettel für Tempolimit: „Zeiten, in denen man Gas geben konnte, sind vorbei“

Wie steht es mit seinem Umweltbewusstsein im privaten Bereich? Zu Hause in der Schweiz seien er und seine Frau schon seit Längerem mit E-Autos unterwegs – und zwar konsequent vollelektrisch. Für Ausflüge mit den drei Kindern besitze die Familie allerdings auch noch einen konventionellen Kleinbus. Auf dem Dach von Sebastian Vettels Anwesen im Kanton Thurgau befinde sich eine Fotovoltaikanlage, die tagsüber eigenen Strom produziere. Für die restliche benötigte Energie sei er zu einem Stromanbieter gewechselt, der ihn zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorge. Zudem versuche Familie Vettel, wann immer es geht, Plastik zu vermeiden – der Rennfahrer nutze daher einen eigenen Rucksack, wenn er einkaufen gehe. Auch ressourcenintensive Flüge versuche er, nach Möglichkeit zu vermeiden. Zu den Grand-Prix-Strecken in Monza, Imola oder Spielberg reise er mit dem Zug oder dem E-Auto an. (Sebastian Vettel verkauft Ferrari-Sammlung: Rechnet der Formel-1-Pilot mit Maranello ab?)

Die größte Überraschung für einen Geschwindigkeits-Junkie aus der Formel-1-Welt ist aber eine andere. Sebastian Vettel schockiert es ganz und gar nicht, dass im Falle einer Regierungsbeteiligung der Grünen auch in Deutschland ein Tempolimit kommen wird. Der ehemals schnellste „Raser“ der Welt begrüßt sogar ausdrücklich dessen baldige Einführung: „Die Zeiten, in denen man auf der Autobahn wirklich Gas geben konnte, sind doch ohnehin vorbei. Gefühlt ist die Hälfte des Straßennetzes eine Baustelle – und die andere Hälfte hat so viel Verkehr, dass man nicht schnell fahren kann. Ich glaube, dass wir besser dran wären, wenn Tempo 120 oder 130 eingeführt ist – weil der Verkehr dann deutlich besser fließen würde.“ (Wenn die Grünen die Bundestagswahl gewinnen: Das wären die Folgen für Autofahrer)

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