Auftakt am 30. September 2020

Dieselaffäre: So lange soll der Mammutprozess gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler dauern

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Genau fünf Jahre nach Bekanntwerden des Abgasskandals muss sich Ex-Audi-Chef Rupert Stadler vor Gericht verantworten. Am 30. September beginnt in München der Prozess.

  • Ab 30. September beginnt in München der Prozess gegen den ehemaligen „Herrn der Ringe“
  • Außer Rupert Stadler müssen sich noch drei weitere Angeklagte in der Abgasaffäre vor Gericht verantworten
  • Es wird ein Mammutprozess werden – das Gericht hat extrem viele Verhandlungstage angesetzt

Ingolstadt – Es war eine steile Karriere, die Rupert Stadler (57) im VW-Konzern hingelegt hatte. Den Grundstein legte der dynamische Manager als Büroleiter des inzwischen verstorbenen Patriarchen Ferdinand Piëch (82, † 2019). Mit nur 40 Jahren rückte Rupert Stadler als Finanzvorstand in die oberste Führungsetage von Audi. Nur drei Jahre später gelang ihm sogar der Sprung auf den Posten als Vorstandsvorsitzender. Über viele Jahre fuhr der Ingolstädter Autobauer unter seiner Führung von Erfolg zu Erfolg – lange galt er sogar als gesetzter Anwärter für den Volkswagen-Chefsessel. Mit dem Dieselskandal endete die Erfolgsfahrt. Im Juni 2018 wurde der Top-Manager wegen Verdunkelungsgefahr verhaftet.

Rupert Stadler: Entlassung aus der Untersuchungshaft nur unter strengen Auflagen

Obwohl Rupert Stadler im Gefängnis saß, blieb er zunächst Audi-Chef, wurde nur beurlaubt. Die Eigentümerfamilien hielten dem inzwischen 57-Jährigen lange die Treue. Erst im Oktober 2018 trennte sich der Autobauer von Rupert Stadler. Die Geschäfte hatte so lange interimsmäßig Bram Schot geleitet. Noch im selben Monat wurde der ehemalige „Herr der Ringe“ dann aus der Untersuchungshaft entlassen – unter strengen Auflagen, etwa einem umfangreichen Kontaktverbot.

Der Prozess gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler soll am 30. September 2020 beginnen.

Im Juli 2019 wurde schließlich Anklage gegen Rupert Stadler und drei weitere Beschuldigte erhoben. Während den drei anderen Mitangeklagten beschuldigt werden, die Betrugssoftware für Motoren für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche entwickelt zu haben, die Autos auf dem Rollenprüfstand sauberer erscheinen ließ, als sie in Wirklichkeit waren, wird Rupert Stadler etwas anderes zur Last gelegt. Der ehemalige Audi-Chef soll laut Staatsanwaltschaft spätestens ab Ende September 2015 von den Manipulationen gewusst haben und dennoch nicht verhindert haben, dass weiterhin manipulierte Autos verkauft wurden.

Rupert Stadler: So lange wird der Prozess gegen den Ex-Audi-Chef voraussichtlich dauern

Jetzt ist auch klar, wann der Prozess gegen den ehemaligen Audi-Chef beginnt: Laut Staatsanwaltschaft München II müssen sich Rupert Stadler und die drei weiteren Angeklagten ab dem 30. September 2020 vor Gericht verantworten.

Bei der Anklage geht es um:

  • 250.712 Autos der Marke Audi
  • 71.577 Autos der Marke VW
  • 112.131 Autos der Marke Porsche

Die manipulierten Fahrzeuge wurden vor allem in den USA und Europa verkauft.

Es wird ein Mammutprozess werden. Das Gericht hat zunächst 176 (!) Verhandlungstage angesetzt – damit wird der Prozess voraussichtlich bis Ende Dezember 2022 dauern.

Bei einer Verurteilung wegen Betruges in einem besonders schweren Fall droht Rupert Stadler eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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