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Autofahren so schädlich wie Rauchen? Greenpeace-Kampagne gegen Werbung

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Von: Marcus Efler

Wird Auto-Werbung bald so selten wie Tabak-Reklame? Das fordern jedenfalls Greenpeace und andere Umwelt-Organisationen. So stehen die Chancen für den Vorstoß.

Rotterdam (Niederlande) – Erinnert sich noch jemand an die Zeit, als überall und jederzeit gequalmt wurde? In Gaststätten und Flugzeugen, in der Werbung sowieso. Ob im Fernsehen, in Zeitungsanzeigen oder im Kino: Rauchen wurde als schick und cool dargestellt. Mittlerweile sind die PR-Kampagnen für die gefährlichen Glimmstängel weitestgehend verboten, selbst die bis dato erlaubte Außenwerbung auf Plakaten soll es bald nicht mehr geben. (Super Bowl 2021 in Tampa: So genial waren die Werbespots der Autohersteller)

Autofahren so schädlich wie Rauchen? Greenpeace-Kampagne gegen Werbung

Ob es nun daran liegt oder am allgemeinen Trend zu Fitness und Gesundheit, sei dahingestellt, aber Fakt ist: Die Zahl der Raucher geht tatsächlich seit Jahren zurück. Einen ähnlichen Effekt erhoffen sich nun Greenpeace und 20 weitere Umwelt-Organisationen von einem europaweiten PR-Verbot für eine andere beliebte Tätigkeit, die Qualm entwickelt: das Autofahren. Jedenfalls, soweit es mit Verbrennungsmotor geschieht. (Auch VW verkündet Aus für Verbrenner: Bald ist endgültig Schluss)

Umweltaktivisten bei Plakataktion gegen Shell
Greenpeace-Aktion gegen Öl- und Autowerbung im Hafen von Rotterdam © Peter Dejong/dpa

Autofahren so schädlich wie Rauchen? EU soll Anti-Werbe-Gesetz verabschieden

Denn die Öko-Verbände fordern ein Werbe- und Sponsoring-Verbot für Industrien, die fossile Energieträger nutzen. Dabei bezieht sich Greenpeace glasklar auf die Erfolgsstory gegen das Rauchen: „Die EU hat bereits eine Richtlinie zum Verbot grenzüberschreitender Tabakwerbung und Sponsoring“, erklärte die Non-Profit-Organisation im Vorfeld der UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow und startete die Kampagne mit einer Transparent-Aktion im Hafen von Rotterdam: „Jetzt ist es an der Zeit für ein ähnliches Gesetz gegen die Industrien, die auf fossilen Brennstoffen beruhen.“ (Anti-VW-Protest: Greenpeace-Aktivist stürzt in Stadion – Scharfschützen einsatzbereit?)

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Autofahren so schädlich wie Rauchen? Fahren mit Sprit und Fliegen soll uncool werden

Die Forderung richtet sich zuerst mal gegen die Werbung von Mineralölkonzernen. Aber Reklame für Autos ist ausdrücklich mitgemeint, ebenso für Airlines. Coole TV-Spots und Anzeigen für den neuen VW Golf GTI oder der Flug mit Lufthansa wären dann Makulatur – inklusive der Erlöse für Verlage, Fernsehsender, Social Media und all die andere Kanäle, über die Werbung eben ausgespielt wird.

Besonders ärgern sich die Umweltverbände über das sogenannte „Greenwashing“: Werbung, in der sich Energieunternehmen und Autohersteller als klimafreundlich darstellen – während sie eigentlich weiterhin für hohe Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich seien. (Audi nur noch elektrisch – das steckt hinter dem Verbrenner-Aus)

Autofahren so schädlich wie Rauchen? Hohe Hürden für ein Werbeverbot

Wie weit Greenpeace und die anderen Verbände mit ihrem Vorstoß allerdings kommen, ist ungewiss. Damit sich die EU-Kommission, die sich ja mit dem geplanten Verbrenner-Verbot ab 2035 schon weit aus dem Fenster lehnt, überhaupt mit der Petition befasst, müssen mindestens eine Million Unterschriften vorliegen. Die wollen Greenpeace und Mitstreiter in den nächsten zwölf Monaten beibringen. Sollte das klappen, sind die Brüsseler zwar verpflichtet, das Anliegen ernsthaft zu prüfen – zum Gesetz wird es damit aber noch lange nicht.

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