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Begehrte H-Kennzeichen: Oldtimer oder nicht? Neuer Zoff droht

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Von: Marcus Efler

Besitzer von Autos, die mindestens 30 Jahre alt sind, können die Oldtimer-Zulassung beantragen. Die könnte künftig schwieriger zu bekommen sein.

Berlin – Ein gut gepflegter Brezel-Käfer aus den 50er-Jahren, ein Mercedes Strich-Achter von 1969: So etwas lässt nicht nur die Herzen von Autofans höherschlagen, sondern verschönert auch noch das Straßenbild. Um die „Pflege des kraftfahrzeugtechnische Kulturgutes“, wie es amtlich heißt, zu fördern, genießen die Besitzer solcher Fahrzeuge Vorteile: etwa einen Pauschal-Steuersatz von attraktiven 191 Euro jährlich. Außerdem dürfen sie ohne grüne Plakette in städtische Umweltzonen einfahren. Auch Autolaien erkennen die geförderten Pkw sofort am Kennzeichen mit einem H am Ende. (Seltene Corvette bringt auf Auktion über 2,2 Millionen Euro – Grund ist der spezielle Motor)

Begehrte H-Kennzeichen: Oldtimer oder nicht? Neuer Zoff droht

Es ist also kein Wunder, dass die offizielle Zulassung als Oldtimer begehrt ist und den Wert bei einem eventuellen Wiederverkauf steigert. Für die Karriere vom schnöden Gebrauchtwagen zum geförderten Kulturgut muss das Auto allerdings einige Voraussetzungen erfüllen. So darf es nicht jünger als 30 Jahre sein und es muss sich im Originalzustand befinden – wenn es Veränderungen gegenüber dem Original aufweist (wie etwa Spoiler), müssen die auch damals schon üblich gewesen sein. Eine eventuelle Neu-Lackierung ist nur in einer Farbe erlaubt, die es zu Bauzeiten des Autos schon gab.

Kühlerhaube eines BMW 328 (Symbolbild)
Definitiv ein Oldtimer: Kühlerhaube eines BMW 328, Baujahr 1939 (Symbolbild) © Imagebroker/Imago

Begehrte H-Kennzeichen: Oldtimer oder nicht? Sachverständigen meist großzügig

Doch letztendlich entscheidet ein Sachverständiger im Einzelfall, ob das betreffende Auto tatsächlich besagter Kulturpflege dient. Allerdings haben manche Kfz-Fachleute den Ruf, eher großzügig zu urteilen und die Zulassung als offiziell geprüfter Veteran eher zu oft als zu selten zu vergeben. Schließlich ist der bittende Autofahrer ja zahlender Kunde. Mittlerweile ist eine gute halbe Million „Oldtimer“ unterwegs, unter ihnen auch in großer Stückzahl produzierte Volumenmodelle wie der VW Golf (ab 1974) oder der Mercedes-Benz 190 (ab 1982). Auch wenn ihre stolzen Besitzer sie liebevoll pflegen: Manchen anderen Autofahrern, vor allem aber den Eignern echter Raritäten (siehe oben), gelten sie schlicht als gewöhnliche Gebrauchtwagen, die das H-Kennzeichen als Steuersparhilfe missbrauchen. (Mercedes-Flügeltürer zum Spottpreis – doch wer genau hinschaut, erkennt den Haken)

Begehrte H-Kennzeichen: Oldtimer oder nicht? Künftig muss Auto „originell“ sein

Jetzt berichtet das Fachblatt „Auto Bild Klassik“ über eine geheime Novelle der Arbeitsanweisung für Prüfingenieure und amtlich anerkannte Sachverständige, die H-Gutachten vergeben. Darin heiße es: „Bei der Beurteilung des Fahrzeugzustandes ist das Alter, die Häufigkeit, der Einsatzzweck und die Originalität zu berücksichtigen.“ (Einzigartiger Mercedes-Benz Pullman steht zum Verkauf – zu einem astronomischen Preis)

Begehrte H-Kennzeichen: Oldtimer oder nicht? Vorlage wird heftig diskutiert

Schon wird die Vorlage unter Veteranen-Fans heftig diskutiert. Die einen befürchten, dass nur noch teure Oldies im Top-Zustand mit dem H-Kennzeichen geadelt werden – und weniger betuchte Autofans, die ihren ehrenvoll abgenutzten Mazda MX-5 von 1990 sorgsam pflegen, leer ausgehen. Andere freuen sich, dass die Bezeichnung „Oldtimer“ wieder für etwas ganz Besonderes stehen soll. Noch ist über die Änderung nicht abschließend entschieden. Besitzer eines alten VW Golf, die sich deshalb jetzt mit der Vorführung ihres Schätzchens beim Gutachter beeilen, seien gewarnt: Alle zwei Jahre, nämlich bei jeder Hauptuntersuchung, kann der Prüfer den Status als rollendes Kulturdenkmal auch wieder entziehen.

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