Sparpläne überall

Nissan schließt Werk in Barcelona: Mitarbeiter legen Autobahn lahm – „Sie lassen uns ... “

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Für manchen aktiven und früheren Nissan-Manager muss das wie eine schallende Ohrfeige gewirkt haben: Im neuen Vierjahresplan der Marke liegt der Fokus auf ganz nachhaltigem Wachstum, finanzieller Stabilität und Rentabilität. Die bisher verfolgte Ausrichtung auf „übermäßige Expansion“, so CEO Makoto Uchida, landet auf dem Müll.

  • Nissan kündigt Gespräche über die Schließung des Werks in Barcelona an
  • Ein Protestzug legte daraufhin die Stadtautobahn lahm
  • Vor dem Werk verbrannten die Demonstranten Reifen

Barcelona – Es passiert aktuell viel bei der Renault-Nissan-Mitsubishi Allianz. Neben den Sparplänen der Allianz gehen nun auch die einzelnen Hersteller ihrer eigenen Wege der Konstenreduzierung. Renault kündigte an, 15.000 Stellen abbauen zu wollen. Und jetzt entschied man sich bei Nissan dazu, Gespräche über die Schließung des Werkes in Barcelona aufzunehmen. 3.000 Arbeitspätze könnten dadurch verloren gehen, so die spanische Regierung. Sie forderte den Autohersteller bereits auf, andere Optionen für das spanische Werk zu prüfen.

Nissan: Der Expansionsdrang ist vorerst vorbei

Nissan will das „Geschäft durch die Rationalisierung unprofitabler Operationen und überzähliger Standorte sowie durch Strukturreformen umgestalten“. Fixkosten werden gesenkt, indem die Produktionskapazität, das globale Produktangebot und die Ausgaben gestrafft werden. Das Ziel von Nissan (Nissan Ariya: Wenn sich der Fahrer dem Elektro-SUV nähert, passiert DAS) ist eine Gewinnmarge von fünf Prozent und ein nachhaltiger globaler Marktanteil von 6 Prozent bis zum Ende des Geschäftsjahres 2023.

Nissan
SitzYokohama (Japan)
Gründung1933
ChefMakoto Uchida
Bekannte ModelleMicra, X-Trail, Juke, Qashqai
Verkaufte Fahrzeuge 2019 (weltweit)5.176.189

CEO Uchida will so „ein stetiges Wachstum statt einer übermäßigen Umsatzausweitung“ erreichen. Man werde sich auf Kernkompetenzen konzentrieren und dabei die finanzielle Disziplin beibehalten. Konkret geht es dabei etwa um den Abbau von Überkapazitäten, also um eine Reduzierung um 20 Prozent auf 5,4 Millionen Einheiten pro Jahr und eine Werksauslastung von mehr als 80 Prozent je Standort. Das globale Produkt-Line-Up von Nissan soll um 20 Prozent, nämlich von 69 auf weniger als 55 Modelle gestrafft, die Fixkosten um etwa 300 Milliarden Yen (ca. 2,5 Mrd. Euro) gesenkt werden - unter anderem durch die „Absicht, das Werk Barcelona zu schließen“.

Nissan: Spanien kämpft um die Arbeitsplätze

Spaniens Handelsministerin Reyes Maroto sagte, Madrid verhandele noch mit Nissan. Nissan könne auf Spanien zählen, wenn es den europäischen Markt stärken wollte, der dem Hersteller doch so wichtig sei. Tatsächlich hatte aber die Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz nur einen Tag zuvor ihre neuen Pläne präsentiert, die auch eine neue Priorisierung von Kernmärkten vorsieht. Europa gehört demnach nicht mehr zu Nissans Kernregionen, da sich hier vor allem Renault festigen soll. Nissans Fokus hingegen liegt auf Japan, China und Nordamerika. Die Synergien aus der Allianz mit Renault und Mitsubishi sollen dazu genutzt werden, um die Nissan-Operationen unter anderem in Europa „auf angemessenem Niveau zu sichern“. Die Marke will sich künftig auf Modelle im C- und D-Segment, Elektrofahrzeuge und Sportwagen konzentrieren und in den nächsten 18 Monaten zwölf neue Modelle einführen. Unterdessen starteten Arbeiter bereits erste Proteste:

Vor dem Werk verbrannte der Proteszug Reifen. Ein Demonstrant wird mit den Worten „Sie lassen uns verrecken" zitiert.

Mit Material von Rudolf Huber (Global Press)

Rubriklistenbild: © dpa

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