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Mercedes baut jetzt auf Elektro – Chef kündigt Arbeitsplatz-Abbau an

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Von: Marcus Efler

Auch Daimler investiert in E-Autos. Beim Abschied vom Verbrennungsmotor lässt sich der Konzern Hintertüren offen. Arbeitsplätze wird es trotzdem kosten.

Update vom 2. August 2021, 09:08 Uhr: Die Transformation des Autobauers Daimler weg vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität wird den Stuttgarter Automobilkonzern nach Einschätzung seines Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius Arbeitsplätze kosten.

„Man muss auch ehrlich mit den Menschen sein: Die Montage eines Verbrennungsmotors bringt mehr Arbeit mit sich als der Bau einer Elektroachse“, sagte Källenius der „Welt am Sonntag“. „Selbst wenn wir den kompletten elektrischen Antriebsstrang selbst bauen würden, werden wir Ende der Dekade weniger Menschen beschäftigen.“ Es werde aber auch neue Jobs im Zuge der Umstellung geben. (Mit Material der dpa)

Mercedes baut jetzt auf Elektro – Chef kündigt Arbeitsplatz-Abbau ann

Erstmeldung vom 23. Juli 2021, 11:25 Uhr: Stuttgart – Bei der Elektrifizierung ihrer Modellpalette hat sich die deutsche Autoindustrie sichtbar sortiert. Volkswagen gibt den Vorreiter, BMW und Daimler zuckeln unentschlossen hinterher. Dabei waren die beiden süddeutschen Premium-Anbieter schon mal weiter: BMW wollte seinen zukunftsweisenden Carbon-Stromer i3 eigentlich zur Modellfamilie ausbauen, nun läuft er wohl bald aus. Und Daimler war mal mit Tesla verbandelt, besaß Anteile und nutzte Akku-Technik aus Palo Alto. Wahrscheinlich rechnet CEO Ola Källenius lieber nicht aus, was die längst wieder verkauften Aktien heute wert wären. (Elektroautos und kein Zurück: EU macht Schluss mit Verbrennern ab 2035)

Mercedes setzt auf Elektro – doch der Verbrenner-Ausstieg ist Mogelei

Die technische Scheidung von Tesla führt dagegen wohl langfristig in die richtige Richtung. Denn die Batteriezellen lösen den Motor als entscheidende Kernkompetenz der Autohersteller derzeit ab. Wer die nicht selbst entwickelt und fertigt, wird langfristig zum Übernahme-Kandidaten. Das hat mittlerweile auch Daimler erkannt: Nachdem die Stuttgarter früher noch planten, diese Technik von Zulieferern einzukaufen, gehen sie jetzt in die Vollen. In Zusammenarbeit mit Partnern wollen sie in weltweit acht Gigafabriken Akkuzellen fertigen. (Elektroautos doch nicht so sauber? Forscher sehen viel größere CO2-Belastung)

Mercedes-Benz EQS, fahrend (Symbolbild)
Elektroautos wie der Mercedes-Benz EQS sollen bei Daimler künftig eine wichtigere Rolle spielen. (Symbolbild) © Mercedes-Benz AG

Mercedes forciert Elektro – acht Gigafabriken geplant

Von „Electric first“ steuere man um auf „Electric only“, versprach Ola Källenius. Doch genau diese Aussage unterfüttert Daimler bislang nicht mit Fakten. Sondern hält sich den Verbrennungsmotor weiter warm. So heißt es offiziell, „ab dem Jahr 2025 werden alle neuen Fahrzeug-Architekturen rein elektrisch sein“. Das ist aber etwas komplett anderes, als nur noch elektrische Neuwagen zu bauen: Auf einer schon bestehenden Plattform können noch viele Jahre neue Modelle mit Verbrennungsmotor basieren. Die entsprechen dann zwar nicht unbedingt dem aktuellsten Stand der Technik, was ein fesches Design aber locker kaschieren kann. (Neuer Mercedes EQT: Der Innenraum des Elektro-Vans überrascht)

Mercedes forciert Elektro – weiterhin auch Verbrennungsmotoren

Außerdem bereite sich Mercedes-Benz darauf vor, „noch vor dem Ende des Jahrzehnts vollelektrisch zu werden“, heißt es außerdem, „wo immer die Marktbedingungen es erlauben“. Diese Aussage ist weicher als die Gummimischung der Slicks von Formel-1-Rennwagen. Dass Daimler in Südamerika und vielen asiatischen Ländern weiterhin neue Benziner und Diesel verkaufen wird, darf damit wohl als sicher gelten, aber das wird VW wahrscheinlich auch tun. Doch selbst für Europa, die USA und China hält man sich diese Option so geschickt offen – falls sich der politische Wind dort mal drehen sollte. (Mercedes bringt neuen Maybach – doch sein Motor ist den Schwaben unangenehm)

Mercedes forciert Elektro – hat Kuwait-Großaktionär damit zu tun?

Immerhin ist Daimler schon etwas weiter als BMW: Die Bayern nennen Hybrid-Autos nach wie vor ausdrücklich als Teil ihrer Elektrifizierungs-Strategie. Dass die Stuttgarter aber auch nicht ganz so weit gehen wollen wie Volkswagen, könnte möglicherweise mit den Besitzverhältnissen zusammenhängen. Zusammen mit dem Hauptaktionär, dem chinesischen Geely-Konzern, plant Daimler angeblich eine neue, groß angelegte Fertigung von Verbrennungsmotoren. Und drittgrößter Einzel-Investor ist die Kuwait Investment Authority aus dem gleichnamigen Erdölförderland.

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