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Ladesäulen-Check: Dominanz regionaler Stromversorger schafft Preiswucher

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Von: Jasmin Pospiech

Ob Hannover, München oder Dortmund: In vielen Regionen Deutschland liegt die Ladesäulen-Infrastruktur in den Händen einiger weniger Betreiber. Mit teuren Folgen für die Besitzer von Elektroautos.

Hamburg – Viele Deutsche zögern noch, sich ein Elektroauto zuzulegen. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch für einige ist der Knackpunkt die noch immer zu schlechte Ladeinfrastruktur. Doch das soll sich bald ändern, denn diese wird jetzt vermehrt in Angriff genommen. Was für E-Auto-Fahrer ein Grund zu Freude ist, hat aber auch seinen Preis.

Ladesäulen-Check: Dominanz regionaler Stromversorger sorgt für Preiswucher

Denn eine neue Studie des Ökostromanbieters LichtBlick zeigt, dass sich einzelne Konzerne und Stadtwerke in vielen Regionen Deutschlands als alleinige Anbieter auf dem Ladesäulenmarkt positionieren könnten. Damit würden sie ihre Vorherrschaft immer weiter ausbauen – mit teils teuren Folgen für Elektroauto-Besitzer. Denn durch die mangelnde Konkurrenz legten die Unternehmen Tarife und Ladebedingungen nach Belieben und damit weitgehend frei von Wettbewerb fest. So dominierten regionale Stromversorger nicht nur den Ladesäulenmarkt, sondern kassierten auch noch mächtig ab.

Das Unfaire daran: „Die Marktanteile liegen dabei regelmäßig über 60 Prozent, in sehr vielen Fällen über 70 Prozent und mehr. Sie profitieren dabei von den Synergieeffekten aus der Zusammenarbeit mit den Stromnetzbetreibern – in der Regel Tochter- oder Schwesterunternehmen im gleichen Konzern“, erklärt Markus Adam, Director Legal bei LichtBlick.

Ein BMW i3 wird an einer Ladesäule aufgeladen. (Symbolbild)
Viele Ladesäulen sind in der Hand einiger weniger regionaler Stromversorger. (Symbolbild) © Sven Hoppe/dpa

Für die Analyse hat der Ökostromanbieter beim Datendienstleister Statista eine Auswertung des Ladesäulenregisters der Bundesnetzagentur angefordert. Darin wurden die Ladesäulen einzelnen Betreibern zugeordnet. Insgesamt wurden 19.600 Betreiber mit 35.845 Normalladepunkten und fast 6.000 Schnellladepunkten unter die Lupe genommen. (Autos blockieren E-Ladestation – Tesla-Fahrer rastet aus: „Musste 30 Minuten warten“)

Ladesäulen-Check: „Preisdiskriminierung“ wegen lokaler Monopolisten?

Mit ernüchterndem Ergebnis: Während in der bayerischen Landeshauptstadt die Stadtwerke München satte 88 Prozent der Ladesäulen stellten, sei es in Bremen die EWE (ehemals Energieversorgung Weser-Ems) mit 71 Prozent, das fünftgrößte Energieversorgungsunternehmen Deutschlands. Interessant daran: Weitere 13 Prozent entfielen auf die swb – die sei allerdings ebenfalls im Eigentum der EWE. In Dortmund würden dagegen 84 Prozent aller Ladestationen von Stromversorger innogy betrieben, der fast die Hälfte am städtischen Versorger bzw. am örtlichen Netzbetreiber halten würde. In Hannover sei der Platzhirsch hingegen enercity (95 Prozent) und in Kiel die Stadtwerke Kiel (mit 84 Prozent). (E-Auto-Fahrer an Ladesäule von Supermarkt gefangen – dann verliert er die Nerven)

Und wer die Ladesäulen kontrolliere, bestimme auch die Preise: Wie der LichtBlick-Ladesäulen-Check zeige, lägen die Kosten für Ladestrom sogar deutlich oberhalb des Haushaltsstrompreises. Zudem bekomme das auch LichtBlick selbst als Fahrstrom-Anbieter für unterwegs zu spüren und spricht von unfairem Wettbewerb und „Preisdiskriminierung“: „Diese Entwicklung ist seit mehreren Jahren sichtbar. Die lokalen Monopolisten verteuern den Ladestrom für Drittanbieter, die meist von Kund*innen von außerhalb genutzt werden, und quersubventionieren mit diesen Erlösen die eigenen Tarife“, erklärt Adam. „Teilweise zahlen wir für die Ladevorgänge unserer Kund*innen mehr als doppelt so viel an die Ladesäulenbetreiber, als diese von ihren eigenen Kund*innen verlangen.“ („Audi charging hub“: Schnelllade-Lounges geplant – Fremdfabrikate kriegen weniger)

Ladesäulen-Check: Durchleitung statt Vorherrschaft regionaler Stromversorger

Die Dominanz einiger weniger lokaler Stromanbieter liege allerdings auf der Hand: Sie seien dazu in der Lage, durch ihre weitläufige Vernetzung und Unternehmensstruktur das beste wirtschaftliche Angebot zu machen. Zwar würden sich bereits einige deutsche Städte um Ausschreibungen für Errichtungen öffentlich zugänglicher Ladesäulen bemühen, doch „Player von außerhalb sind gegenüber Schwesterunternehmen der Netzbetreiber klar im Nachteil“, so Rechtsexperte Adam. (Frecher Trick: So parkt ein Student mit seinem Verbrenner kostenlos an E-Ladesäulen)

Die Lösung könne LichtBlick zufolge die „Einführung eines Durchleitungsmodells“ sein, wie es auch schon beim Strom- und Gas- sowie im Telekommunikationsnetz zur Anwendung komme. Das bedeute konkret: Kunden könnten zum Stromtarif ihres Anbieters laden, zu einem bekannten Festpreis. „Die Durchleitung muss zum verpflichtenden Standardmodell an allen öffentlichen Ladesäulen werden“, fordert Markus Adam. „Am Ende zahlen sonst die Kund*innen drauf und der Elektromobilität wird ein Bärendienst erwiesen“.

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