Fokus auf CO2-Ausstoß

Kfz-Steuer: Ist sie für schwere SUV bald doppelt so teuer?

  • Arne Roller
    vonArne Roller
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Ein Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums zeigt den Plan der Bundesregierung, die Kfz-Steuer stärker über die CO2-Komponente zu berechnen. Besonders für die so beliebten SUV könnte das teilweise eine Verdopplung der Steuerbelastung bedeuten.

  • Der Anteil des CO2-Ausstoßes an der Berechnung der Kfz-Steuer soll steigen
  • Die Gesamteinnahmen des Bundes sollen dabei gleich bleiben
  • Der ADAC äußerte bereits Kritik am neuen Plan für die Kfz-Steuer

Berlin – Die Berechnung der Kfz-Steuer soll in Deutschland ab 2021 neu gestaltet werden. Das ergeht aus einem bislang nicht veröffentlichtem Referentenentwurf, über den faz.net berichtet. „Die Steuer wird sich im Vergleich zur bisher gewohnten Höhe deutlich verändern“, heißt es im Referentenentwurf. Bei Fahrzeugen, die 2021 neu zugelassen werden, komme es zu spürbaren Verschiebungen. Wie schon bisher wird sich die Kfz-Steuer aus zwei Komponenten berechnen: dem Hubraum und dem CO2-Ausstoß. Am ersten Teil soll sich nichts ändern. Der zweite Teil hingegen – die CO2-Komponente – die bisher bei der Berechnung deutlich weniger ins Gewicht fiel, soll nun verschärft werden. Das Gesamtaufkommen der Kfz-Steuer von aktuell rund 9,5 Milliarden Euro soll sich dabei jedoch kaum verändern, da der Gesetzentwurf die steuerliche Entlastung von Kleinwagen mit wenig CO2-Emissionen vorsieht. Die Befreiung von der Kfz-Steuer für reine Elektrofahrzeuge verlängert sich laut dem Entwurf bis Ende 2030.

Kfz-Steuer: starke Verteuerung für CO2-Schleudern

Die neuen Zuschläge über der Grenze von 95 Gramm pro Kilometer sollen demnach wie folgt aussehen:

  • bis 115 Gramm: 2 Euro
  • bis 135 Gramm: 2,2 Euro
  • über 195 gramm: 4 Euro

Zwischen den Marken bis 135 und über 195 soll es noch weitere Abstufungen geben. Die neue Berechnung könnte für manche SUV nahezu eine Verdopplung der Kfz-Steuer bedeuten. Ein VW Touareg 3.0 V6 TSI mit seinen 2.995 cmm Hubraum beispielsweise stößt je nach Ausstattung und Gewicht zwischen 232 und 254 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Mit Vollausstattung und 254 Gramm CO2-Ausstoß läge die Kfz-Steuer für das SUV bei 696 statt den bisherigen 378 Euro. Fast der doppelte Betrag.

Laut Gesetzentwurf lag der Mittelwert der 3,6 Millionen im Jahr 2019 neu zugelassenen Fahrzeuge bei 157 Gramm CO2 je Kilometer. Rund ein Fünftel der Autos entfiel auf das SUV-Segment, das damit auf Platz noch vor der Kompaktklasse landete. Knapp 30 Prozent der Neuzulassungen stießen zwischen 161 und 200 Gramm aus, mehr als 9 Prozent übertrafen sogar 201 Gramm.

Eine Ausnahme soll es derweil für Pick-ups geben. Durch die Einstufung als leichte Nutzfahrzeuge ist weniger Steuer zu zahlen, um beispielsweise Handwerker in der Corona-Krise nicht zusätzlich zu belasten.

ADAC: Kritik an der neuen Regelung

Der ADAC äußert sich kritisch zu dem Referentenentwurf. Dem Verein sei die Erhaltung bezahlbarer Mobilität wichtig und gleichzeitig die Emissionen zu senken, sieht die Autofahrer aber kurzfristig zu stark belastet: „Die jetzt in der Gesetzgebung vorgesehene deutlich höhere CO2-Bepreisung trifft die Autofahrer kurzfristiger und härter, als es vor dem Vermittlungsverfahren ursprünglich von der großen Koalition vorgesehen war. Der ADAC sieht die geplanten öffentlichen Investitionen in alternative Antriebe und ÖPNV nicht so schnell in der Wirkung wie die höhere Bepreisung der Mobilität mit dem eigenen Fahrzeug. Dadurch sieht er vor allem Pendler und auf dem Land lebende Autofahrer benachteilt. Es sei darauf zu achten, dass Klimaschutzmaßnahmen die Gesellschaft nicht in Verlierer und Gewinner spalten. Zudem spricht sich der Automobilclub dafür aus, die neuen Regelungen nur auf Neuzulassungen angwendet werden, so dass bereits zugelassene Fahrzeuge nicht schlechter gestellt werden.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa / Patrick Pleul

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