Diskussion um Stammesnamen

Wird der Jeep Cherokee umbenannt? Indigenes Volk stört sich an Modellbezeichnung

  • Sebastian Oppenheimer
    vonSebastian Oppenheimer
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Der Jeep Cherokee ist nach einem indigenen Volk benannt – was dessen Angehörige immer wieder kritisieren. Das könnte sich nun ändern: Wird der Jeep Cherokee bald anders heißen?

Toledo (USA) – Der Jeep Cherokee ist in der Autowelt eine Institution. Das erste Modell, der Cherokee SJ, kam bereits 1974 auf den Markt und wurde fast zehn Jahre lang gebaut – in einer Zeit, als der Begriff SUV noch nicht erfunden war und man solche Fahrzeuge noch als Geländewagen bezeichnete. Den darauf folgenden Jeep Cherokee XJ gab es in zwei Generationen von 1984 bis 2001. In den USA verschwand danach die Modellbezeichnung „Cherokee“ wieder: Die von von 2001 bis 2012 gebauten Generationen (KJ und KK) liefen in Nordamerika unter dem Namen Jeep Liberty („Freiheit“) vom Band. Erst ab 2013 (Generation KL) wurde das Fahrzeug wieder weltweit unter dem Namen Jeep Cherokee verkauft. Doch möglicherweise könnte sich das bald ändern. (Neuer Jeep Grand Cherokee: Diese Ausstattung für Eltern von kleinen Kindern ist genial)

Wird der Jeep Cherokee umbenannt? Indigenes Volk stört sich an Modellbezeichnung

Den Namen „Cherokee“ verwendet Jeep also schon seit Jahrzehnten – kurzzeitig war sogar mal eine Pick-up-Version des Cherokee mit dem Namen „Comanche“ (ebenfalls ein indigenes Volk) erhältlich. Gelegentlich äußerten die Mitglieder der „Cherokee Nation“ in den zurückliegenden Jahren bereits ihren Unmut über die Namensgebung – doch es änderte sich nichts. (Jeep Wrangler 4xe Hybrid: Rätsel um mysteriösen Utah-Monolith – das steckt dahinter)

Das Badge eines Jeep Grand Cherokee – wird das Auto vielleicht bald anders heißen?

Umstrittener Jeep Cherokee: „Ehrt uns nicht, wenn unser Name auf die Seite eines Autos geklebt wird“

Nun hat sich das Oberhaupt der „Cherokee Nation“, Chuck Hoskin Jr., auf Anfrage von „Car and Driver“ in einem schriftlichen Statement erneut dazu geäußert. Wie er erklärt, glaube er zwar, dass die Namensgebung „gut gemeint“ sei, „aber es ehrt uns nicht, wenn unser Name auf die Seite eines Autos geklebt wird“, so Chuck Hoskin Jr. „Der beste Weg, uns zu ehren, ist, etwas über unsere souveräne Regierung, unsere Rolle in diesem Land, unsere Geschichte, Kultur und Sprache zu lernen und einen sinnvollen Dialog mit den staatlich anerkannten Stämmen über kulturelle Angemessenheit zu führen.“ (Bruce Springsteen gibt Alkoholfahrt zu und zahlt Strafe: Super-Bowl-Spot von Jeep wieder zu sehen)

Umstrittener Jeep Cherokee: „Zu diesem Zeitpunkt weiß ich nicht, ob es ein wirkliches Problem gibt“

Und offenbar sperrt man sich bei Jeep beziehungsweise dessen neu gegründeten Mutterkonzern Stellantis, auch nicht länger gegen eine Namensänderung. Wie Stellantis-Chef Carlos Tavares (62) gegenüber dem „The Wall Street Journal“ sagte, stehe das Unternehmen im Dialog mit der „Cherokee Nation“ über die Verwendung des Namens. „Zu diesem Zeitpunkt weiß ich nicht, ob es ein wirkliches Problem gibt. Aber wenn es eines gibt, dann werden wir es natürlich lösen“, sagte der 62-Jährige, der zudem erklärte, nicht persönlich an den Gesprächen beteiligt zu sein. (Stellantis: „Das klingt wie ...“ – so spottet das Netz über den Namen des neuen Autokonzerns)

Wie der Jeep Cherokee möglicherweise in Zukunft heißen könnte, ist nicht bekannt – möglicherweise tüftelt man aber bei Stellantis schon an einer Lösung. Eine Möglichkeit wäre dabei sicher der Blick zurück in die Vergangenheit – so wie es aktuell viele Hersteller bei der Erneuerung ihrer Logos machen, wie zuletzt Renault. Vielleicht heißt der Jeep Cherokee vielleicht ja bald wieder Liberty. Und diesmal weltweit.

Rubriklistenbild: © Stellantis

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