1. 24auto
  2. News
  3. Politik & Wirtschaft

VW-Chef Herbert Diess erteilt diesem alternativen Antrieb eine knallharte Absage

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Schulz

„Scheindebatten sind Zeitverschwendung“: Mit klaren Worten fordert VW-Chef Herbert Diess die Unterstützung batterieelektrischer E-Autos – und rechnet mit diesem alternativen Antrieb ab.

Wolfsburg – Die Transformation der Autoindustrie – weg vom Verbrennungsmotor hin zu alternativen Antrieben – ist in vollem Gange. Elektroautos setzen sich durch. Die meisten Autohersteller nutzen dabei Batteriezellen als Energiespeicher für ihre E-Autos. Einige räumen jedoch auch anderen Antriebsarten, wie etwa der Wasserstoff-Brennstoffzelle, die größeren Chancen ein als den Akkus. Volkswagen und sein Vorstandsvorsitzender Herbert Diess gehören aber offensichtlich nicht dazu. Nachdem in jüngerer Vergangenheit Überlegungen die Runde machten, ob die Brennstoffzelle nicht doch der bessere Antrieb sei, erteilt der VW-Boss dieser Technologie eine eindeutige Absage. Mit sehr klaren Worten – und einem Aufruf an die Politik.

VW-Boss Herbert Diess erteilt diesem alternativen Antrieb knallharte Absage

Dabei bringt die Brennstoffzelle einen echten Vorteil mit: Das Fahrzeug kann deutlich schneller betankt werden als ein Stromer mit Akku – und anschließend auch weitere Strecken zurücklegen. Stand-Dauer und Reichweite unterscheiden sich kaum von denen eines Benziners. Dem stehen jedoch auch Nachteile gegenüber: So ist zum Beispiel der Wirkungsgrad geringer als bei Stromspeicherung per Akku. Von der Energie-Erzeugung bis zum Rad – Fachleute sprechen von „Well to wheel“ – geht viel mehr Power verloren. Der größte Hemmschuh ist aber ein anderer: Es hapert gravierend an der Infrastruktur. Wer unterwegs Wasserstoff tanken muss, fährt noch längere Umwege als in einem Akku-Mobil – wenn er überhaupt fündig wird. (Herbert Diess als Tesla-Boss: Wollte Elon Musk dem VW-Chef die komplette Leitung übergeben?)

Dennoch: Wasserstoff als Energieträger könnte beim Umbau der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität eine entscheidende Rolle spielen. Allerdings wohl weniger beim Antrieb von Pkw. Dieser Ansicht sind zumindest die Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Sie sind im Rahmen einer Studie zur Erkenntnis gelangt, dass es der falsche Weg wäre, aus Gas hergestellte Treibstoffe dafür zu benutzen. Sie legen sogar nahe, dass dies klimaschädlich sein könnte. (VW-Boss Herbert Diess warnt nachdrücklich: Chipmangel „werden wir spüren“)

Ein Hyundai-Motor mit Hydrogen-Brennstoffzellen-Technologie sowie VW-Chef Herbert Diess (Symbolbild)

VW-Boss Herbert Diess legt sich fest – und erteilt einem alternativen Antrieb eine knallharte Absage. (Symbolbild) © Michael Kappeler/Sebastian Willnow/dpa

Auch Studie warnt vor Gefährdung der Klimaziele durch Wasserstoff

Die brandenburgischen Forscher geben eine klare Empfehlung ab: Im Sinne einer ökologischen Mobilitätswende favorisieren sie eindeutig das batterieelektrische E-Auto (BEV, „Battery Electric Vehicle“). Ihre Studie zeige, dass sowohl Herstellung als auch Nutzung wasserstoffbasierter Kraftstoffe oder E-Fuels zu kostspielig und ineffizient sei. Darüber hinaus sei deren Verfügbarkeit zu unsicher, um eine brauchbare Alternative zu fossilen Brennstoffe darzustellen. (Striktes Verbrenner-Verbot? Mehrheit der Deutschen lehnt Grünen-Forderung ab)

Deswegen sei eine direkte Nutzung von Strom aus dem Akku speziell im Pkw-Bereich ökologisch und wirtschaftlicher sinnvoller. Dies gelte zumindest für die kommenden Jahre bis 2040. Außerdem äußern die Wissenschaftler einen Verdacht: Ihnen zufolge könne es durchaus sein, dass Brennstoffe auf Wasserstoffbasis die Verbrenner-Technologie länger am Leben erhalten würden. In diesem Fall würde die weiterbestehende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern dafür sorgen, dass die Abgas-Emissionen nicht rasch genug reduziert würden – und die Klimaziele in Gefahr gerieten. (Deutsche Autoindustrie befürchtet Verbrenner-Aus 2025: „Arbeitslosigkeit, wie wir sie noch nie gehabt haben“)

Vor allem der viel höhere Energiebedarf bei der Herstellung wasserstoffbasierter Kraftstoffe sei ein großes Problem. Statt den Umweg über das Gas zu nehmen, dessen Produktion teilweise mehr als das Zehnfache an Strom verbrauche, sei es wesentlich energieeffizienter, Batteriezellen zu verwenden. Zudem sei man in Deutschland noch weit davon entfernt, den Strom fast ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen – somit fehlten überschüssige Strommengen für eine klimaneutrale Herstellung von Wasserstoff. (BMW plant Wasserstoff-Auto – gehört dann der iX3 mit Akku zum alten Eisen?)

Ein blauer Toyota Mirai wird betankt.

Auch die zweite Generation des Toyota Mirai fährt mit Wasserstoff – VW-Chef Herbert Diess hält davon gar nichts. © Toyota

VW-Boss Herbert Diess: „Scheindebatten sind reine Zeitverschwendung“

Diese Erkenntnisse der Potsdamer Wissenschaftler nimmt VW-Chef Herbert Diess, dessen Konzern mit seiner ID-Familie ohnehin voll auf batterieelektrische E-Autos setzt, zum Anlass für einen dringlichen Appell und einen Aufruf an die Politik. Auf Twitter erteilt er Wasserstoff-Antrieben eine knallharte Absage. Explizit wendet er sich in seinem Tweet an Annalena Baerbock (Grüne), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU), die bei den kommenden Bundestagswahlen für das Kanzleramt kandidieren, sowie an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). (Bund fährt viel zu wenige E-Autos: Ausgerechnet Andreas Scheuers Verkehrsministerium liegt weit hinten)

Wörtlich verlangt Herbert Diess: „Das Wasserstoff-Auto ist nachgewiesen NICHT die Klimalösung. Im Verkehr hat sich die Elektrifizierung durchgesetzt. Scheindebatten sind reine Zeitverschwendung. Bitte auf die Wissenschaft hören!“

In den Antwortkommentaren wird ihm jedoch vorgehalten, dass VW sich eben auf Akkus festgelegt habe – und er „von daher das Investment verteidigen“ müsse. Ebenso wird ihm angekreidet, dass er allgemein von „die Wissenschaft“ spreche – gefolgt von dem Hinweis, dass es in Asien teilweise anders laufe: „Wenn das so nachgewiesen ist, wieso arbeiten dann Hyundai und Toyota noch daran? Im aktuellen Entwicklungsstand zu sagen, es hat sich eine Technologie durchgesetzt, sehe ich als sehr gewagt an.“ Ein User glaubt schließlich versöhnlich an zwei halbe Wahrheiten: „Am Ende wird es wohl beides geben, das eine als Zweitwagen für die Stadt, das andere für die Langstrecke.“ (Fahrbericht Toyota Mirai II: Trotz Elektromotor 650 Kilometer Reichweite)

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Auch interessant