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Riesenzoff bei VW: Betriebsratschefin schießt gegen Herbert Diess

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Bei der VW-Betriebsversammlung ist Betriebsratschefin Daniela Cavallo Herbert Diess hart angegangen – der VW-Chef schoss aber zurück.

Update vom 5. November 2021, 11:54 Uhr: Erst hatte Herbert Diess die Betriebsversammlung bei Volkswagen sausen lassen wollen, zugunsten einer USA-Reise – nach heftiger Kritik nahm der VW-Chef dann aber doch teil. Bei der Veranstaltung ging es dann auch heiß her: „Wie Sie in den letzten Monaten aufgetreten sind, da frage ich mich wirklich, ob Ihnen diese Lage hier an unserem Standort eigentlich bewusst ist. Und wie das in der Belegschaft ankommt“, schoss Betriebsratschefin Daniela Cavallo in Richtung Herbert Diess. Er spiele mit den Ängsten der Mitarbeiter. „Wenn Sie beim Wandel immer an erster Stelle über einen Arbeitsplatzabbau sprechen, ist das ziemlich traurig.“ Die von Herbert Diess kürzlich ins Feld geführten Spekulationen über den Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen seien „inhaltlicher Unfug“.

Riesenzoff bei VW: Betriebsratschefin schießt gegen Herbert Diess

Stellenstreichungen seien mit ihr nicht zu machen, machte Cavallo klar: „Hier ist nicht ein Mensch zu viel an Bord. Nicht eine Stelle können Sie zusätzlich mit uns verhandeln!“ Sie kritisierte die Chefetage des Autobauers – und damit natürlich auch Diess – besonders scharf für das schlechte Management der aktuellen Versorgungsnot bei den Mikrochips: „Das, was wir bei den Halbleitern sehen, ist ein Armutszeugnis“, so die Betriebsratschefin.

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo, dazu als Einklinker VW-Chef Herbert Diess (Symbolbild)
VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo ging VW-Chef Herbert Diess auf der Betriebsversammlung hart an. (Symbolbild) © Swen Pförtner/Carsten Koall/dpa

Diess verwende viel Zeit für PR-Aktionen und gemeinsame Auftritte mit Tesla-Chef Elon Musk, so Cavallo: Eine verfilmte Spritztour mit Elon Musk im ID.3 über den Flugplatz Braunschweig, Twitter-Debatten, Ratschläge des Multimilliardärs bei VW-Managertagungen. Solche Aktionen gehen immer mehr Beschäftigten auf den Wecker. „Was kommt als Nächstes? Empfehlen Sie vielleicht direkt den Kauf eines Teslas?“, fragte Cavallo.

Riesenzoff bei VW: Volkswagen-Chef Herbert Diess reagiert auf Kritik

In seiner Rede ging der VW-Chef auch auf diese Kritik ein: „Ich werde oft gefragt, warum ich uns andauernd mit Tesla vergleiche. Ich weiß, dass es einige nervt“, sagte Herbert Diess laut Redemanuskript. „Aber es ist meine Aufgabe und die des gesamten Managements, den Wettbewerb richtig einzuschätzen, den Konzern darauf vorzubereiten und zukunftssicher zu machen.“ Nur wer die Konkurrenz verstünde, könne gewinnen. Tesla sei heute Benchmark, außerdem drängten weitere starke Start-ups aus China auf den Markt. Er und VW-Markenchef Ralf Brandstätter hätten in den vergangenen Wochen Autos aus China getestet. „Wir müssen gestehen: Sie sind richtig gut.“

Diess versprach, alles zu tun, damit Wolfsburg eine zentrale Einheit auch in der neuen Welt der elektrischen und digitalen Mobilität werde. Dabei sei es entscheidend, dass das E-Großprojekt Trinity ab 2026 gut anlaufe. „Der nächste Golf darf kein Tesla sein! Der nächste Golf darf nicht aus China kommen!“ Doch er räumte auch ein: „Wir müssen miteinander reden.“ (Mit Material der dpa)

Erstmeldung vom 4. November 2021, 10:00 Uhr: Wolfsburg – Herbert Diess (63) hat eine Mission: Den gigantischen Tanker Volkswagen in die – aus seiner Sicht – richtige Zukunft zu lenken. Und die lautet: E-Mobilität. Die Weichen dorthin stellte der VW-Chef schneller, als ihm das so mancher zugetraut hätte. Keine leichte Aufgabe in einem Konzern, der jahrzehntelang viel Aufwand und Geld in die Perfektionierung von Verbrennungsmotoren gesteckt und einen derart radikalen Schritt lange hinausgezögert hatte. Doch Herbert Diess scheut nicht nur wenige Risiken, sondern auch keine Konfrontation. Bereits mehrfach hatte es wegen seiner stürmischen Vorgehensweise Krach mit dem Betriebsrat gegeben – nun ist die Sache eskaliert: Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat haben mit dem VW-Chef offenbar endgültig gebrochen. (Volkswagen zieht Stecker: Dienstwagen nur noch als Verbrenner)

Krach in Wolfsburg: VW-Chef Herbert Diess wird angezählt

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, hätten Vertreter der Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat Herbert Diess das Misstrauen ausgesprochen. Es ist das schwerste Geschütz, das sich gegen den Lenker des Wolfsburger Autoriesen auffahren lässt. Die Eskalation könnte für den Top-Manager unter Umständen sogar das Aus bedeuten. Dabei war erst im Sommer sein Vertrag vom Aufsichtsrat um vier weitere Jahre bis 2025 verlängert worden. (VW-Chef Herbert Diess: Ist er selbst der größte Fan von Elon Musk?)

VW-Vorstandschef Herbert Diess nachdenklich (Symbolbild)
Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sollen VW-Chef Herbert Diess das Misstrauen ausgesprochen haben. (Symbolbild) © Carsten Koall/dpa

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Krach in Wolfsburg: Vermittlungsausschuss eingeschaltet

Nun soll sich ein Vermittlungsausschuss im Aufsichtsrat mit der Zukunft des VW-Chefs befassen, wie das „Manager Magazin“ berichtet. Krach hatte es bereits mehrfach gegeben: Unter anderem hatte Herbert Diess im Zuge des Umbaus des Unternehmens einen Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen bei VW in den Raum gestellt, sollten Änderungen nicht schnell genug umgesetzt werden. Die Situation mit dem Betriebsrat spitzte sich dann zuletzt extrem zu, als Herbert Diess wegen einer US-Reise nicht an einer Belegschaftsversammlung teilnehmen wollte. Daraufhin warf ihm Betriebsratschefin Daniela Cavallo (46) vor, sich lieber mit Investoren in den USA zu treffen, anstatt sich den Mitarbeitern und ihren Fragen zu stellen. Diess stornierte daraufhin seine Reisepläne.

Durch den Vorstoß der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat steht die Zukunft von Herbert Diess bei VW nun auf der Kippe. Die Entscheidung, sich eventuell von dem 63-Jährigen zu trennen, dürfte aber alles andere als einfach werden. Denn die Suche nach einem Nachfolger braucht Zeit – und so lange werden wichtige Entscheidungen meist auf die lange Bank geschoben. Und das ist das Letzte, was Volkswagen aktuell gebrauchen kann.

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