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Führerschein gegen Busticket: Großstadt wagt Experiment – doch es gibt ein Problem

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Von: Jasmin Pospiech

Die Deutschen fühlen sich im eigenen Auto während der Corona-Pandemie sicherer als in öffentlichen Verkehrsmitteln. Das will eine Großstadt dem Klima zuliebe ändern.

Lübeck – Obwohl im Lockdown weniger Deutsche auf den Straßen unterwegs waren, wollen sie nicht vom eigenen Pkw lassen. Es scheint, als ob sich viele im eigenen Wagen sicherer fühlen als in Bus oder Bahn. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden in der Corona-Pandemie offenbar so gut es geht vermieden, um nicht eine mögliche Ansteckung zu riskieren.

Führerschein gegen Busticket: Großstadt wagt Experiment – doch es gibt einen Haken

Hinzu kommt, dass vor allem der Bahnverkehr immer wieder mit Ausfällen und Streiks zu kämpfen hat, was manche zusätzlich abschreckt. Einige Deutsche überlegen einer Umfrage zufolge, sich noch ein weiteres Fahrzeug anzuschaffen, natürlich stehen auch Elektroautos hoch im Kurs – nicht zuletzt wegen des Umweltbonus von bis zu 9.670 Euro.

Doch das reicht manchen Städten und Gemeinden hierzulande nicht aus, um den Klimaschutz voranzutreiben. Sie wollen Bürger mit lukrativen Angeboten und Prämien dazu bringen, das Auto sogar ganz abzumelden und zum Beispiel häufiger mit dem Rad zu fahren. Auch die Stadt Lübeck in Schleswig-Holstein hat nun ein Konzept entworfen, mit dem sie eine Wende im Stadtverkehr herbeiführen will. Das Projekt, das 2022 starten soll, ist vorerst bis 2025 angelegt.

Das Foto zeigt, wie Menschen in einen Bus einsteigen. (Symbolbild)
In einer norddeutschen Großstadt soll der Auto-Verzicht 2022 belohnt werden. (Symbolbild) © IMAGO / Frank Sorge

Führerschein gegen Busticket: Großstadt wagt Experiment – doch kann das klappen?

Und das lautet ganz simpel: Jeder, der seinen Pkw-Führerschein abgibt, darf künftig kostenlos Bus fahren. Das hat seine Vorteile: So wird das Stadtleben ruhiger, die Parkplatzsuche nicht mehr so stressig und obendrein ist es besser für die Umwelt. Doch das Konzept hat auch einen Haken: Die wenigsten wollen ganz darauf verzichten. Vor allem dann, wenn man in den Urlaub fährt oder Verwandte, die in einer anderen Stadt leben, besuchen möchte. („Freie-Straßen-Prämie“: Wer aufs Auto verzichtet, soll 1.100 Euro pro Jahr kriegen)

Und ein weiteres großes Aber: Das kostenlose Bus-Abo ist nur auf ein Jahr begrenzt! Zwar kostet eine Lübecker Jahreskarte einmalig 620 Euro und damit weniger als der Unterhalt für ein Auto im gleichen Zeitraum, für das unter anderem Sprit, Versicherung, Steuern, Werkstattbesuche, Wertverlust etc. anfallen. Dennoch prangern manche Facebook-User an, wie kreiszeitung.de berichtet*, dass die Stadt „keine vernünftigen Anschlüsse beim Umsteigen“ bietet und die Busse künftig auch viel öfter fahren müssten. (Grünen-OB Boris Palmer will Anwohnerparken für SUV drastisch verteuern)

Auswertungen des Modellversuchs werden 2025 schließlich zeigen, wer tatsächlich gewillt ist, für die Umwelt auf seinen Führerschein zu verzichten und die entsprechenden Kompromisse in Kauf zu nehmen. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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