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„Freie-Straßen-Prämie“: Wer aufs Auto verzichtet, soll 1.100 Euro pro Jahr kriegen

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Von: Jasmin Pospiech

Weniger Pkw auf den Straßen der deutschen Hauptstadt: Das fordert eine Berliner Initiative. Anreiz soll eine Prämie in Höhe von 1.100 Euro pro Jahr schaffen. Doch reicht das aus?

Berlin – 1.100 Euro pro Jahr geschenkt? Das hört sich im ersten Moment verlockend an. Doch wenn man die Bedingung dafür hört, wird der ein oder andere doch schlucken. Berlin soll aber grüner werden und das geht einer Berliner Initiative zufolge am besten, wenn man mit einem lukrativen Angebot winkt.

„Freie-Straßen-Prämie“: Wer aufs Auto verzichtet, soll 1.100 Euro pro Jahr kriegen

Und das sieht eben genau diese Summe jährlich für jeden Bürger vor, aber nur, wenn dieser kein Auto besitzt und stattdessen auf Carsharing, das Fahrrad oder den öffentlichen Personennahverkehr umsteigt. Letzteres ist sogar denkbar, denn damit lässt sich gut ein BVG-Jahresabo finanzieren. Denn dieses, auch VBB-Umweltkarte Berlin genannt, kostet je nach Tarifzone (AB, BC und ABC) zwischen 903 und 1.123,50 Euro (Stand: August 2021). (Innenstädte mit Autos verstopft – so will Getaway Carsharing Abhilfe schaffen)

Ein Radfahrer fährt auf einem Radweg neben einer Straße in Berlin. (Symbolbild)
Weniger Pkw, mehr Fahrräder: Eine Prämie soll Berlins Bürger einen Anreiz schaffen. (Symbolbild) © Britta Pedersen/dpa

Berechnungen der Initiatoren von „Changing Cities“, einer unabhängigen Ehrenamtsorganisation, sowie dem Institut für urbane Mobilität zufolge könnten aufgrund der sogenannten „Freie-Straßen-Prämie“ 60.000 Pkws weniger auf Berlins Straßen unterwegs sein. Doch um dieses Projekt zu finanzieren, bräuchte man etwa eine Milliarde Euro, heißt es weiter. Doch woher nehmen? Finanziert werden soll der Bonus daher über die „Einnahmen aus dem CO2-Preis“. (Gemeinde zahlt Bürgern Prämie – wenn sie Verbrenner abmelden)

„Freie-Straßen-Prämie“: Verkehrsforscher fordert „Tür-zu-Tür-Versorgung“

„In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München kann die Freie-Straßen-Prämie gut funktionieren“, erklärt auch Andreas Knie, Leiter der Forschungsgruppe Digitale Mobilität am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, gegenüber Zeit Online. Aber: „Wer vom Auto kommt, ist einen anderen Service gewohnt“, so der Verkehrsforscher. Daher glaubt er, dass die Idee nur Erfolg hat, wenn auch im Zuge dessen die Infrastruktur und das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs erheblich verbessert werden. (Will uns Luisa Neubauer die Autos wegnehmen? „Werden weniger Autos haben müssen“)

Erst wenn eine „Tür-zu-Tür-Versorgung“ möglich ist, geht Knie davon aus, dass etwa die Hälfte der Fahrzeughalter im Alltag gut auf ihren Wagen verzichten könnten. Zudem müssten allerdings auch die Preise für Bus und Bahn erheblich attraktiver werden, doch stattdessen sind diese von 2000 bis 2018 um fast 80 Prozent gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt ist Autofahren dagegen um einiges günstiger. Zum Vergleich: Anschaffungs- und Unterhaltskosten für ein Auto hätten sich „nur“ um 36 Prozent gesteigert.

„Freie-Straßen-Prämie“: Deutsche wollen wieder mehr Autos kaufen

In Berlin sind derzeit rund 1,2 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen. Und wie es aussieht, könnten es sogar noch mehr werden. Denn nach der Corona-Krise, in der die Autoindustrie enorme Umsatzeinbußen verkraften musste, geht es jetzt wieder mit dem Verkauf von Neuwagen bergauf. Laut einer Studie planen viele Deutsche, sich ein weiteres Fahrzeug anzuschaffen, und natürlich ziehen einige auch ein Elektroauto in Betracht.

Dies wird noch unterstützt durch die Förderprämie für Elektroautos der Bundesregierung, die bei bis zu 9.670 Euro für den Kauf eines Stromers (bestehend aus Bundesanteil, Herstelleranteil und Zuschuss zum AVAS-System für künstliche Fahrgeräusche) liegt. Damit der ÖPNV konkurrenzfähig bleibt, müsste dieser ebenfalls stärker subventioniert werden und/oder steuerliche Vergünstigungen für Autos wie die Pendlerpauschale & Co. wegfallen.

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