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Elektromobilität in der Kritik: Ökobilanz schlechter als gedacht?

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Von: Marcus Efler

Eine Studie spricht dem Elektroauto seine Klimafreundlichkeit ab. Die Argumente sind diskussionswürdig, doch in einem Punkt irren die Verfasser.

Potsdam – Keine Abgase, kein Krach, grüner Strom aus Wasser und Wind: Es gibt gute Gründe für den Wandel hin zur Elektromobilität. Das sehen Autohersteller wie Audi und Opel so, die den Verbrennungsmotor bald verbannen wollen. Und auch die EU will künftig Autos, die Emissionen ausstoßen, nicht mehr zulassen. Der Umschwung wird allerdings nach wie vor von der Frage begleitet, wie klimafreundlich die E-Mobilität denn nun wirklich ist – eine wichtige Diskussion, denn schließlich geht es nicht um Symbolpolitik, sondern um eine effiziente Absenkung der Kohlendioxid-Emissionen. (Deutsche Autoindustrie befürchtet Verbrenner-Aus 2025: „Arbeitslosigkeit, wie wir sie noch nie gehabt haben“)

Elektromobilität in der Kritik: Ökobilanz schlechter als gedacht?

Einen neuen Beitrag zu dem Thema liefert nun die FDP-nahe „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“. Im Auftrag der Potsdamer haben die Universität von St. Gallen (Schweiz) und das Bad Honnefer Beratungsunternehmen KRBE verschiedene Verkehrssysteme auf Klimafreundlichkeit untersucht, darunter auch den Straßenverkehr mit Sprit- und Elektroautos. Das Ergebnis fällt für Verfechter der Elektromobilität ernüchternd aus. „Die Subventionierung von Elektromobilität in der jetzigen Form hat einen deutlich geringeren Effekt auf die CO2-Emissionen als gemeinhin angenommen“, moniert Mitverfasser KRBE. (Keiner lädt E-Autos günstiger: Diese beiden Anbieter gewinnen Tarif-Vergleich)

Mercedes EQA, fahrend (Symbolbild)
Nicht so klimafreundlich wie gedacht? Elektroautos wie der Mercedes EQA geraten in die Kritik. (Symbolbild) © Mercedes-Benz AG

Elektromobilität in der Kritik: Bei der Fertigung fällt viel CO2 an

Knackpunkt sei die große „versteckte“ CO2-Belastung, die bei der Batteriefertigung anfällt. Die Studie beruft sich auf das schwedische Umweltforschungsinstitut IVL Svenska Miljöinstitutet, das 2019 für die meisten Batterietypen eine Emission zwischen 61 und 106 Kilogramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde Akku-Kapazität berechnet hat. Dabei sei schon berücksichtigt, dass „der Strom für die Batteriefertigung an manchen Standorten zu fast 100 % ohne fossile Energieträger produziert wurde, was für die weitere Zukunft diesbezüglich dann keine weiteren Verbesserungen erwarten lässt“. (Spitzenglättung: Kommt die Zwangspause beim E-Auto-Laden?)

Elektromobilität in der Kritik: Individualverkehr sei „unglaublich ineffizient“

Bei einem exemplarischen Wert von acht Tonnen CO2 pro Elektroauto und einer Fahrleistung von insgesamt 160.000 Kilometern schlägt die Produktion laut Studie mit einer CO2-Belastung von 50 Gramm für jeden zurückgelegten Fahrzeugkilometer zu Buche. Da Autos in Deutschland durchschnittlich nur mit 1,5 Personen besetzt seien, ergäbe dies eine vergleichsweise geringe Transportleistung von 240.000 Personenkilometern. „Wir haben aus der reinen Fahrzeugproduktion somit 33 Gramm CO2 für jeden geleisteten Personenkilometer, der in der Gesamtbilanz zu berücksichtigen ist“, urteilen die Verfasser und beanstanden die „unglaubliche Ineffizienz des motorisierten Individualverkehrs“. Viel effektiver als der Umstieg auf Elektroautos sei deshalb eine Neu-Organisation des Individualverkehrs mit Lösungen, die seine Effizienz erhöhen würden. (Ladesäulen-Check: Dominanz regionaler Stromversorger schafft Preiswucher)

Elektromobilität in der Kritik: In diesem Punkt irren die Verfasser

Die Verfasser der Studie sprechen bei ihrer Berechnung von einem „ganzheitlichen Ansatz“, die auch die Produktion der Akkus berücksichtige. Dies sei neu und zum ersten Mal in eine derartige Studie eingeflossen, da bisher immer nur der direkte Energiebedarf für den Antrieb berücksichtigt worden sei. Hier irren die Verfasser der Studie allerdings. Denn gerade der Strombedarf für die Produktion von E-Autos und ihre Akkus wird immer wieder untersucht und diskutiert (beispielsweise in diesem Beitrag). Das Problem ist also schon länger bekannt, es relativiert den ökologischen Gesamtwert von Elektroautos in der Tat. Dass es der Trend zu ihnen noch einmal umkehrt, ist allerdings trotzdem eher unwahrscheinlich.

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